Energiewende Fast 2000 Firmen entziehen sich der Ökostromumlage

Die Kosten der Energiewende zahlen Verbraucher über den Strompreis. Jedoch haben sich auch fürs kommende Jahr zahlreiche Unternehmen von der Ökostromumlage befreien lassen. Das entspricht rund 6,5 Milliarden Euro.

Windräder in Sachsen-Anhalt
DPA

Windräder in Sachsen-Anhalt


Der Staat befreit auch kommendes Jahr wieder zahlreiche Firmen von der Ökostromumlage. Insgesamt 1908 Unternehmen mit 2421 Abnahmestellen seien von der Zahlung der Umlage von 6,8 Cent je Kilowattstunde nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) in weiten Teilen freigestellt worden, teilte das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) mit. 2017 wurden demnach noch 2789 Abnahmestellen begünstigt.

Die Umlage, die grundsätzlich alle Verbraucher bezahlen müssen, liegt aktuell bei 6,88 Cent pro Kilowattstunde. Sie wird laut Bundeswirtschaftsministerium zu gut einem Drittel von privaten Haushalten und zu knapp zwei Dritteln von der Wirtschaft finanziert - allerdings ohne jene Unternehmen, welche die Politik von der Umlage befreit hat. In Nordrhein-Westfalen gibt es die meisten begünstigten Betriebe (723), gefolgt von Bayern (456), Baden-Württemberg (331), Niedersachsen (328) und Sachsen (223).

Entlastung von 6,5 Milliarden Euro

Insgesamt hatten die Betriebe beantragt, nächstes Jahr 114 Milliarden Kilowattstunden von der Umlage auszunehmen. Die Menge bewegt sich dem Amt zufolge "knapp über dem Niveau der Vorjahre". Unter den begünstigten Firmen sind laut Bafa vor allem Bahnunternehmen, Plastik- und Papierfabriken sowie Aluminium- und Eisenproduzenten.

Mit den Vergünstigungen sollen Betriebe, die viel Strom verbrauchen, sich im Wettbewerb behaupten können. Doch die Ausnahmen führen regelmäßig zu Diskussionen über die gerechte Verteilung der Kosten an der Energiewende.

In der Energiebranche wird die Entlastung der Unternehmen laut "Frankfurter Allgemeiner Zeitung" mit 6,5 Milliarden Euro beziffert. Das entspreche knapp einem Viertel der jährlichen Zahlungen an EEG-Umlage.

Bafa-Präsident Andreas Obersteller sagte, er erwarte, "dass die besondere Ausgleichsregelung" zur "Stabilisierung der EEG-Umlage" beitrage. Tatsächlich haben die Übertragungsnetzbetreiber für 2018 erstmals seit 2015 eine leicht niedrigere Umlage von 6,792 Cent angekündigt.

Die Energiewende dürfte für Stromkunden dennoch teuer bleiben. Der Rückgang macht aufs Jahr gerechnet nur wenige Euro Entlastung pro Haushalt aus. Hinzu kommt, dass die Netzbetreiber auch steigende Netzentgelte wegen des Ausbaus der Stromtrassen haben, sodass Verbraucher weiterhin auf keine spürbaren Entlastungen beim Strompreis hoffen können.

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