Angst vor Krise Ölpreis fällt auf tiefsten Stand seit fünf Jahren

Öl ist so billig wie seit Jahren nicht mehr. Am Montag fiel der Preis für die wichtigsten Sorten auf den niedrigsten Stand seit der Wirtschaftskrise 2009. Experten sehen darin schlechte Vorzeichen für die Konjunktur.

Ölfeld in Aserbaidschan:  "Der Markt ist in Panikstimmung"
REUTERS

Ölfeld in Aserbaidschan: "Der Markt ist in Panikstimmung"


New York/London- Die Ölpreise sind am Montag auf den tiefsten Stand seit mehr als fünf Jahren gefallen. "Der Markt ist in Panikstimmung", sagte Hans von Cleef, Energieanalyst bei ABN Amro in Amsterdam.

Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent Chart zeigen fiel am Montag zeitweise bis auf 67,53 Dollar. Das war der niedrigste Stand seit Oktober 2009. Ein Fass der US-Sorte WTI fiel zeitweise sogar auf 63,72 und war damit so billig wie zuletzt im Juli 2009. Damals befand sich die Welt mitten in einer schweren Wirtschaftskrise.

Auch diesmal ist der Preisverfall kein gutes Signal für die Weltkonjunktur. "In früheren Phasen sinkender Ölpreise, so etwa 1986, 1999 und 2001, waren diese verlässliche Anzeichen für ein schwaches Wirtschaftswachstum oder sogar für eine Rezession", schreiben die Analysten der DZ Bank. "Insofern kann angesichts des aktuellen Preisverfalls auf dem Ölmarkt sicherlich zumindest davon ausgegangen werden, dass das Risiko einer deutlichen, weltweiten Wachstumsabschwächung derzeit als erhöht anzusehen ist."

Hintergrund des jüngsten Preisverfalls der vergangenen Tage ist eine Entscheidung der Opec: Die zwölf Mitgliedstaaten des Ölkartells konnten sich am vergangenen Donnerstag nicht auf eine Kürzung der Fördermenge einigen.

"Wir erachten das Ausmaß der Preisreaktion als übertrieben, weil die Opec letztlich genau das beschlossen hat, was die Mehrheit der Marktteilnehmer erwartet hatte", kommentierten am Montag die Rohstoffexperten der Commerzbank. Ein Ende des Preisverfalls lasse sich aber dennoch nicht absehen. Die Aussicht auf ein massives Überangebot im ersten Halbjahr 2015 von rund 1,5 Millionen Barrel pro Tag drücke die Preise.

Die günstigen Ölpreise machen sich auch in Deutschland bemerkbar. Neben Heizöl ist vor allem Benzin zuletzt deutlich günstiger geworden. Laut ADAC sanken die Spritpreise im November auf den niedrigsten Stand seit vier Jahren. Ein Liter Super E10 kostete demnach im Monatsdurchschnitt 1,43 Euro - noch günstiger war Benzin zuletzt im November 2010. Ähnlich sieht es beim Diesel aus: Hier kostete der Liter Diesel im November im Schnitt 1,299 Euro.

stk/dpa-AFX



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specialsymbol 01.12.2014
1. Oh nein!
Die Spekulation aufs Rohöl, die 2009 aufgrund der Wirtschaftskrise eingesetzt hatte wurde zurückgefahren. Eine Krise! Die Banken machen ja gar kein Geld mehr damit! Dass sie jetzt mit irgendwas anderem spekulieren, was mehr Profit verspricht, kommt keinem in den Sinn. Wasser und Nahrungsmittel vermutlich, oder Grund und Boden.
franz-burbach 01.12.2014
2.
Und warum tanken Autofahrer noch immer an teuren Tankstellen anstatt die billigeren mal zu bevorzugen? Dann würden die Preise schnell zwangsweise sinken.
beyman 01.12.2014
3. ?
Zitat von franz-burbachUnd warum tanken Autofahrer noch immer an teuren Tankstellen anstatt die billigeren mal zu bevorzugen? Dann würden die Preise schnell zwangsweise sinken.
Wer oder was sind billige Tankstellen? Ich kenne komischerweise nur teure bzw. welche, die sich preislich nix nehmen (abgesehen von 1-2 Cent ab und zu)
demokroete 01.12.2014
4. Die von den Medien gegebenen, vielfaeltigen Begruendungen
warum der Oelpreis mal steigt oder mal faellt, entbehren jeder Logik. Vor kurzem wurde uns der niedrige Oelpreis noch als genialer Schachzug der USA verkauft, den boesen Putin damit zu schaedigen. Der wahre Grund fuer den jahrelang zu hohen Oelpreis ist natuerlich, dass sich irgendwelche Spekulanten die Taschen gefuellt haben. Davor lag der Oelpreis bei 20 $, also kein Grund zur Panik. Die einzige Gefahr besteht darin, dass unsere Regierung bei dieser Gelegenheit die Mineraloelsteuer unauffaellig erhoehen kann.
trader_07 01.12.2014
5. Vielleicht...
Zitat von franz-burbachUnd warum tanken Autofahrer noch immer an teuren Tankstellen anstatt die billigeren mal zu bevorzugen? Dann würden die Preise schnell zwangsweise sinken.
Vielleicht, weil an den teureren Tankstellen freie Zapfsäulen sind? Ich stelle mich ganz sicher nicht für 2,40 Euro Ersparnis (80 Liter x 3 Cent) zehn Minuten in die Warteschlange bei der freien Tankstelle, wenn ich genau gegenüber bei Aral eine freie Zapfsäule habe.
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