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Milliarden-Konjunkturhilfe: Deutsche Wirtschaft feiert niedrigen Ölpreis

Containerhafen in Hamburg: Niedriger Ölpreis befeuert die deutsche Wirtschaft Zur Großansicht
DPA

Containerhafen in Hamburg: Niedriger Ölpreis befeuert die deutsche Wirtschaft

Erst fiel der US-Rohölpreis, jetzt kostet auch die wichtigste Ölsorte Brent weniger als 50 Dollar. Der Absturz freut die Wirtschaft: Laut einer Rechnung sparen Unternehmen und Verbraucher dieses Jahr 20 Milliarden Euro.

Berlin - Des einen Leid, des anderen Freud: Die Ölnationen stöhnen über den Verfall des Rohstoffpreises, die deutsche Wirtschaft dagegen ist beflügelt. Nach Einschätzung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) hat der Absturz gar den Effekt eines milliardenschweren Konjunkturpakets.

Sollte der Preis auf dem aktuellen Niveau bleiben, würden Unternehmen und Verbraucher in diesem Jahr um 20 Milliarden Euro entlastet, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben der "Bild"-Zeitung. "Der Ölpreiseinbruch kommt als Konjunkturpaket gerade recht."

Der Preisverfall setzte sich am Mittwoch fort: Die weltweit wichtigste Ölsorte Brent ist erstmals seit Mai 2009 wieder unter die Marke von 50 Dollar gefallen. Ein Barrel (Fass zu 159 Liter) verbilligte sich am Mittwoch um 2,3 Prozent auf 49,95 Dollar. Damit kostete das Öl nur noch etwa halb so viel wie im Sommer.

Erst am Vortag war der Preis für US-Rohöl WTI deutlich unter die Marke von 50 Dollar gefallen - mit zeitweise 47,74 Dollar kostete es so wenig wie seit April 2009 nicht mehr.

Grund für den Preisverfall sind ein weltweites Überangebot bei gleichzeitig schwächelnder Nachfrage. Die Verbraucher profitierten sowohl bei den Benzin- als auch bei den Heizkosten, sagte DIHK-Mann Wansleben. "Aber auch die Industrie spart ebenso wie Fluggesellschaften oder Spediteure."

Die Entwicklung birgt auch Gefahren, sollte der Trend über längere Zeit anhalten. Dann könnte nach Einschätzung mancher Beobachter eine Deflation drohen: eine sich selbst verstärkende Abwärtsspirale aus erwarteten weiteren Preisrückgängen, ausbleibendem Konsum und zu geringen Investitionen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht Preisstabilität bei einer Teuerung von mittelfristig knapp zwei Prozent als gewährleistet. Es gilt daher als sicher, dass die Notenbanker die Geldschleusen im Kampf gegen die zu schwache Teuerung noch weiter öffnen werden.

yes/dpa/Reuters

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insgesamt 30 Beiträge
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1. Da bin ich aber gespannt,
klotto 07.01.2015
wieviel von den 20 Milliarden bei mir ankommen.
2.
Artgarfunkel 07.01.2015
Zitat von klottowieviel von den 20 Milliarden bei mir ankommen.
250 EURO, rein rechnerisch. Haben Sie Ihren neuen Porsche schon bestellt? Der wird bei der tollen Konjunkturlage sicherlich bald lange Lieferzeiten haben.
3. Verständnisproblem
robbstark2 07.01.2015
Irgendwie verstehe ich das nicht. Als der Ölpreis immer weiter stieg, hat man die "Kerninflation" erfunden bei der man Energie- und Lebensmittelpreise nicht mitgerechnet hat, zufälligerweise genau die Bereiche, die für den Normalbürger mit am bedeutsamsten sind, und uns einen Euro vorgegaukelt der ageblich stabiler war als die Mark. Wenn der Ölpreis jetzt fällt, müsste der konsequenterweise auch herausgrechnet und dann die Inflation betrachtet werden.
4. Hä?
wiebitte 07.01.2015
"Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht Preisstabilität bei einer Teuerung von mittelfristig knapp zwei Prozent als gewährleistet" Was ein Schwachsinn. Journalistisch mag der Satz ja richtig sein aber inhaltlich trägt er zur weiteren Verblödung bei. Die Preise sind stabil wenn sie steigen ... Bei der Mitarbeiterbewertung wurde ich darüber aufgeklärt, dass 100% nicht vergeben werden, wenn ein Mitarbeiter alle Anforderungen erfüllt hat, sondern wenn er darüber hinaus geleistet habe .... 100%=110%! Und so verblöden uns die BWLer dieser Welt und richten dieselbe zugrunde, weil sie in einem Paralleluniversum leben in dem 1+1 nur dann zwei ergibt, wenn es ihnen in den Kram passt. Ich kuck jetzt einen Filmfilm
5. Der niedrige Ölpreis ist kein Grund zur Freude.
tangarra 07.01.2015
Die kurzsichtige Freude über den niedrigen Ölpreis ist ähnlich dämlich wie die Freude darüber, dass es schön warm ist, wenn das Haus abbrennt. Der niedrige Ölpreis wird zum Kollaps der Fracking-Boom-Blase in USA führen. Diese Blase ist komplett Kredit finanziert und war in den vergangenen Jahren der Hauptmotor des amerikanischen Wirtschaftswachstums. Wir werden in Kürze erleben, dass auf die Immobilienkrise von 2008 die Fracking-Krise mvon 2015 folgt, mit den bekannten verheerenden Folgen.
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