Ölkatastrophe Aktienmärkte spekulieren auf das Ende von BP

Der Energiemulti BP muss ums Überleben kämpfen. Wegen der unkalkulierbaren Kosten der Ölpest ist der Kurs des Unternehmens an der New Yorker Aktienbörse auf ein 14-Jahres-Tief abgestürzt. Schon stellen Analysten die Zukunft des Unternehmens in Frage, glauben an einen Verkauf oder gar eine Abwicklung.

Kampf gegen Ölpest im Golf von Mexiko: Kosten könnten auf 33 Milliarden Dollar steigen
AP

Kampf gegen Ölpest im Golf von Mexiko: Kosten könnten auf 33 Milliarden Dollar steigen


New York - Der Börsenwert von BP ist in nur sieben Wochen um über 82 Milliarden Dollar abgestürzt. Der Ölkonzern ist damit nur noch halb so viel wert wie vor der Katastrophe im Golf von Mexiko. Am Mittwoch rutschte die Aktie an der Wall Street erneut um 16 Prozent ab und lag nur noch bei 29,20 Dollar, so niedrig wie zuletzt im August 1996. Die Marktkapitalisierung liegt jetzt unter dem Buchwert. In Einzelteilen wäre BP also mehr wert als im Ganzen.

Als Anlass für den Absturz gelten Drohungen der US-Regierung, BP müsse für Gehälter entlassener Ölarbeiter auch bei der Konkurrenz aufkommen. Das vorübergehende Verbot von Tiefseebohrungen nach der Ölpest hat zu Entlassungen von Ölarbeitern geführt, die Kosten für die Entschädigungen könnten in die Millionen gehen. Zudem fließt wohl weiterhin mehr Öl aus als vom Konzern angegeben.

Analysten glauben, dass BP für die Folgen der Ölpest bis zu 33 Milliarden Dollar zahlen muss. Zum Vergleich: 2009 hat der Konzern 16,6 Milliarden Dollar Gewinn gemacht. Bislang hat BP nach eigenen Angaben 1,4 Milliarden Dollar für den Kampf gegen die Ölpest ausgegeben.

Damit steht BP vor einem Horrorszenario. "Der Markt sieht die Zukunft des Konzerns gefährdet", sagte Oppenheimer-Analyst Fadel Gheit dem "Wall Street Journal". "Die Anleger glauben, dass BP-Chef Tony Hayward abgesetzt wird, die Dividende auf unbestimmte Zeit gestrichen wird und am Ende sogar die Abwicklung des Konzerns droht."

Hayward bemüht sich, die Panik der Anleger als ungerechtfertigt darzustellen: "Es gibt keine objektiven Gründe für diesen Börsenwert", sagte er im Krisenzentrum des Konzerns in Houston. "Wir bewältigen diese Lage als starkes Unternehmen und haben genügend Kapazitäten, um die Kosten des Unglücks zu bezahlen und berechtigte Forderungen zu erfüllen."

Damit macht er indirekt klar: Die neuen Forderungen der US-Regierung wird BP nicht so einfach hinnehmen. "Irgendwo muss auch Schluss sein", sagte ein namentlich nicht genanntes Mitglied der Konzernführung dem "Wall Street Journal". Es droht ein langjähriger Rechtsstreit - mit weiteren Kosten und neuen Problemen für die öffentliche Wahrnehmung.

Noch kann Hayward auf die Unterstützung des BP-Boards zählen. Man stehe zu der Führung und ihrem Krisenmanagement, heißt es. Doch wie lange das angesichts der neuen Hiobsbotschaften so bleibt, ist ungewiss.


Die Verbalausfälle des Tony H.

Zitate starten: Klicken Sie auf den Pfeil

cte

Forum - Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko - was kann getan werden?
insgesamt 1848 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Hilfskraft 30.04.2010
1. Berauscht vom Bohr-Boom
Zitat von sysopDie Ölpest im Süden der USA nimmt immer dramatischere Ausmaße an und erreicht inzwischen die Küste. Hätte die Katastrophe verhindert werden können? Hat das Krisen-Management funktioniert?
Wenn man den Hals nicht voll kriegt, erstickt man halt dran. H.
kdshp 30.04.2010
2. aw
Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko entlarvt die Schwachstellen der Tiefseebohrung: Die Förderfirmen bauen immer größere Anlagen, doch auch die Risiken steigen. Auf der Plattform "Deepwater Horizon" wurde auf ein spezielles Sicherheitssystem verzichtet - möglicherweise aus Kostengründen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,692282,00.html Hallo, ja das ist nicht nur auf ölbohrinseln so! Ich erlebe täglich das hier in deutschland unternehmen an der sicheheit sparen. Wenn was passiert ist der schaden oft viel höher als die ganze sicherung vorher. Deswegen sollte BP hier nicht nur alles bezahlen sondern auch eien strafe zahlen und oder gar verboten werden sollte.
Gegengleich 30.04.2010
3. Ersticken?
Zitat von HilfskraftWenn man den Hals nicht voll kriegt, erstickt man halt dran. H.
Was heißt erstickt dran? Schauen Sie mal nach den weltweit größten Konzernen. Und dann, wieviele Öl-Mulits darunter sind. Von Ersticken kann da keine Rede sein.
Hubert Rudnick, 30.04.2010
4. Berauscht vom Öl?
Zitat von sysopDie Ölpest im Süden der USA nimmt immer dramatischere Ausmaße an und erreicht inzwischen die Küste. Hätte die Katastrophe verhindert werden können? Hat das Krisen-Management funktioniert?
Erdöl ist in unserer Gesellschaft ein sehr wichtiger Rohstoff, dass man damit auch sehr viel Geld verdienen kann, dass zeigen uns die Konzerne jeden Tag. Aber wer die Rohstoffvorkommen unseres Planeten ausbeuten will, den Nutzen davon tragen möchte, der sollte auch dazu gezwungen werden, dass die Menschen auch hinterher noch gut in ihren Regionen leben können. Man sagt wo gearbeitet wird, da geschehen dann auch Unglücke und Katastrophen, dass gehört anscheinend zusammen, aber wir sollten mit der Zeit gelernt haben diese zu minimieren und die Schäden zurückzudrängen. Wenn nun bei der Förderung der Rohstoffe es zu Katastrophen kommt, dann sollten aber auch die Betreiber schnellsten und fachgerecht zum Schutze der Menschen und der Umwelt was erfolgreiches dagegen machen. Sollte denn keiner heutzutage in der Lage sein, diese Katastrophe schneller einzudämmen? Ich glaube nicht, dass man solche oder andere Katastrophen total ausschließen kann, aber man sollte besser auf so etwas vorbereitet sein. Wir Menschen hinterlassen über unsere Spuren, aber viele davon sollte man eben schnellsten beseitigen.
Realo, 30.04.2010
5. Lesen & verstehen !
Zitat von kdshpDie Ölkatastrophe im Golf von Mexiko entlarvt die Schwachstellen der Tiefseebohrung: Die Förderfirmen bauen immer größere Anlagen, doch auch die Risiken steigen. Auf der Plattform "Deepwater Horizon" wurde auf ein spezielles Sicherheitssystem verzichtet - möglicherweise aus Kostengründen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,692282,00.html Hallo, ja das ist nicht nur auf ölbohrinseln so! Ich erlebe täglich das hier in deutschland unternehmen an der sicheheit sparen. Wenn was passiert ist der schaden oft viel höher als die ganze sicherung vorher. Deswegen sollte BP hier nicht nur alles bezahlen sondern auch eien strafe zahlen und oder gar verboten werden sollte.
Die Bohrinsel gehörte Transocean. BP hat sie lediglich nachträglich gemietet. Einen 3 Preventer nachträglich einzubauen ist nicht möglich. Also bitte posten Sie nicht so einen Quatsch....Danke !
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.