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Ölpest: Halliburton vernichtete Beweise zur "Deepwater"-Katastrophe

Die Explosion der Ölplattform "Deepwater Horizon" löste eine der schlimmsten Umweltkatastrophen in der US-Geschichte aus. Jetzt bekennt sich der Konzern Halliburton schuldig: Das Unternehmen, das an den Bohrarbeiten beteiligt war, hat laut Justizministerium die Vernichtung von Beweisen eingestanden.

"Deepwater Horizon": Halliburton und die Ölkatastrophe Fotos
REUTERS/ U.S. Coast Guard

Washington - Der US-Mischkonzern Halliburton ist schon häufiger unangenehm aufgefallen, unter anderem durch dubiose Geschäfte im Irak und seine Verbindungen zum früheren Vorstandschef und Ex-Vizepräsidenten Dick Cheney. Nun hat das Unternehmen nach Angaben des US-Justizministeriums eingestanden, nach der Katastrophe auf der Ölplattform "Deepwater Horizon" 2010 Beweise vernichtet zu haben.

Halliburton, das an den Bohrarbeiten auf der Plattform beteiligt war, habe zugesagt, bei einem geplanten Verfahren auf schuldig zu plädieren, teilte das Ministerium mit. Der Konzern werde eine Strafe von 200.000 Dollar sowie eine dreijährige Bewährungszeit akzeptieren und weiterhin mit den Ermittlern zusammenarbeiten. Halliburton habe zudem freiwillig 55 Millionen Dollar an die National Fish and Wildlife Foundation gezahlt.

An der "Deepwater Horizon" war Halliburton unter anderem mit der Mischung des Zements zum Verschließen des Bohrlochs beteiligt. Bei den Beweisen handele es sich um Ergebnisse von Computersimulationen nach der Katastrophe.

Nach Angaben von Halliburton verzichtet das Ministerium im Gegenzug für das Schuldeingeständnis auf eine weitere Strafverfolgung im Zusammenhang mit der Katastrophe. Die Behörden hätten zudem die "erhebliche und wertvolle Kooperation des Unternehmens im Verlauf der Untersuchung anerkannt".

"Mindestens hochverdächtig"

Halliburton hatte sich zuvor einen Rechtsstreit mit dem Ölkonzern BP geliefert. Dieser warf Halliburton unter anderem das Verschwinden von 3-D-Modellen zur Katastrophe vor, die dem Konzern zufolge nicht mehr aufzufinden waren. Dies sei "mindestens hochverdächtig", befanden BP-Anwälte.

Nach Beginn des Prozesses im Februar stieß Halliburton nach eigenen Angaben in einem Labor auf Zementproben, die den Behörden nach der Katastrophe nicht übergeben worden waren. Anwälte von Halliburton sprachen von einem "schlichten Missverständnis" und warfen BP vor, es wolle einen Nebenkriegsschauplatz schaffen.

Die "Deepwater Horizon" war im April 2010 im Golf von Mexiko explodiert. Dabei kamen elf Arbeiter ums Leben. Über Monate strömten große Mengen Öl aus, weite Teile der US-Golfküste wurden verseucht.

dab/dpa-AFX/AP

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1. .
frubi 26.07.2013
Zitat von sysopREUTERS/ U.S. Coast GuardDie Explosion der Ölplattform "Deepwater Horizon" löste eine der schlimmsten Umweltkatastrophen in der US-Geschichte aus. Jetzt bekennt sich der Konzern Halliburton schuldig: Das Unternehmen, das an den Bohrarbeiten beteiligt war, hat laut Justizministerium die Vernichtung von Beweisen eingestanden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/oelkatastrophe-deepwater-horizon-halliburton-vernichtete-beweise-a-913222.html
Halliburton vernichtet Beweise? Ich bin schockiert. Das hätte ich von einem moralisch einwandfrei handelnden Unternehmen wie Halliburton niemals gedacht. Das wird nun sicherlich ernsthafte Konsequenzen für diese Firma geben.
2. Ach was!
molokau 26.07.2013
Das sind doch olle Kamellen. War alles längst bekannt. Und dass dort Jeder mit Jedem mauschelt und die Kröten nur die Taschen wechseln (wenn überhaupt!) ist doch kalter Kaffee. Verschont uns mit solchen "News".
3. Nur das Beste
nazfalas 26.07.2013
Denn Unternehmen wollen nur das Beste für uns und müssen vor solchen Katastrophen geschützt werden. Kann man da nicht die strafrechtlichen Sachverhalte noch ein wenig anpassen, damit in Zukunft nur noch Privatmenschen haften können, die keine leitende Position in einem Unternehmen mit Umsatz >100Mio€ bekleiden? So allgemein finde ich 200.000$ viel zu viel.
4. Rache-Justiz
prophet46 26.07.2013
Zitat von sysopREUTERS/ U.S. Coast GuardDie Explosion der Ölplattform "Deepwater Horizon" löste eine der schlimmsten Umweltkatastrophen in der US-Geschichte aus. Jetzt bekennt sich der Konzern Halliburton schuldig: Das Unternehmen, das an den Bohrarbeiten beteiligt war, hat laut Justizministerium die Vernichtung von Beweisen eingestanden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/oelkatastrophe-deepwater-horizon-halliburton-vernichtete-beweise-a-913222.html
So war das zu erwarten. Die US-Regierung schützt ihre eigenen Unternehmen und plündert die Ausländer aus. Der US-Energiekonzern Halliburton, der wegen einer falschen Zementmischung nach Aussagen von Experten ein gerüttelt Maß an Mitschuld an dem Ölleck im Golf hatte, kommt mit mit einer geradezu lächerlichen Strafe davon, die britische BP wird dagegen ausgenommen wie eine Weihnachtsgans und einzelnen Führungskräfte, die Email vernichtet haben sollen, mit Gefängnis bedroht. Alleine die US Anwälte von Tausenden begründeten und unbegründeter Klagen (auch solche von angeblich Betroffenen, die Hunderte Meilen vom Golf weg wohnen, so dass inzwischen das FBI wegen Betrugsverdacht eingeschaltet wurde) sollen inzwischen mehr als 600 Mio. $ eingesackt haben (Stand Frühjahr 2013). Alles spekuliert auf die Milliarden von BP und jeder am Golf, Regierung und Individuen, hoffen auf einen goldenen Schnitt. Das ist amerikanische Rache-Justiz. Beim Giftunglück im indischen Bophal in 1984, bei dem aufgrund technischer Pannen mehrere Tonnen giftiger Stoffe in die Atmosphäre austraten, die bisher schlimmste Chemiekatastrophe und eine der bekanntesten Umweltkatastrophen der Geschichte, hat Tausende von Menschen das Leben gekostet. Die Verursacher, die US-Firma Union Carbide Coprperation kam gerade mal mit 400 Mio. $ Entschädigung davon. Auch die Ureinwohner des Bikini-Atolls warten bis heute auf eine ihnen zugesprochene Entschädigung von über 1 Mrd. $ für die (ewige) Verstrahlung ihrer Insel während den US-Atomwaffentests in den fünfziger Jahren. Ebenso harren riesige von amerikanischen Ölfirmen im südamerikanischen Regenwald und in Brasilien angerichtete Umweltsschäden der Regulierung. Es macht halt einen Unterschied, ob man selbst oder andere betroffen sind.
5. hElliburton
rebell_am_ball 26.07.2013
und beim Fracking macht's die Halliburton-Gang genauso wenn man sie nicht direkt dabei erwischt wie hier (http://www.texassharon.com/2013/07/25/casing-collapse-in-corsicana-fracking-well/).
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