Energie: Bei Exxon wird das Öl knapp

Von Tom Fowler, Wall Street Journal Deutschland

Wie soll die Weltwirtschaft in den kommenden Jahren an ihren wichtigsten Treibstoff gelangen? Am Beispiel des Branchenriesen Exxon zeigt sich: Die Erschließung neuer Ölquellen wird immer teurer und riskanter.

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REUTERS

Auf einer bewaldeten Ebene in der kanadischen Provinz Alberta werden im kommenden Monat riesige Bagger damit beginnen, Tonnen an ölreichem Sand auf dreistöckige Kipplaster zu schippen. Die Laster werden den Sand dann in die 11 Milliarden US-Dollar teure Ölsand-Verarbeitungsanlage Kearl bringen, die das begehrte kanadische Rohöl heraussieben und den amerikanischen Energiekonzern Exxon noch viele Jahrzehnte lang mit bis zu 170.000 Barrel Öl pro Tag versorgen wird.

Der nach Marktwert weltgrößte börsennotierte Ölkonzern setzt auf Kearl und 20 weitere neue Projekte, um seine rückläufige Öl- und Gasförderung wieder anzukurbeln. Die Produktion war im vergangenen Quartal auf den tiefsten Stand seit drei Jahren gesunken. Exxon-Aktien legten in diesem Jahr bislang zwar 3,9 Prozent zu und schlossen am Mittwoch an der New Yorker Börse bei 88,10 Dollar, sie handeln aber kaum verändert im Vergleich zu ihrem Kurs vor fünf Jahren.

Exxon Mobil geht davon aus, dass die neuen Projekte die tägliche Ölproduktion um bis zu 800.000 Barrel steigern könnten. Das wären rund 22 Prozent der aktuellen Tagesförderung. Einige Analysten sind jedoch skeptisch, ob die Flut an Projekten - von Indonesien und Papua Neu-Guinea bis zu der Tiefsee vor Westafrika - bis 2014 wie erwartet ihre Produktion aufnimmt. "Verzögerungen sind die Regel, nicht die Ausnahmen, in dieser Branche", sagt Fadel Gheit, Analyst bei Oppenheimer & Co.

Dieser Artikel ist im Wall Street Journal Deutschland erschienen.
Analysten der UBS prognostizieren Exxon im laufenden Jahr einen Rückgang der Produktion um 5,7 Prozent. Das ist deutlich mehr als für die Wettbewerber erwartet wird. Bei Chevron rechnen die Marktbeobachter mit einem Minus von 2,9 Prozent, bei BP mit minus 2,7 Prozent und bei Royal Dutch Shell mit einem Rückgang um 2,2 Prozent.

Die Steigerung der Ölproduktion ist für Energiekonzerne wie Exxon zu einem Schreckgespenst geworden, denn große Ölfelder in leicht zugänglichen Regionen werden immer knapper und staatlich kontrollierte Konzerne aus Ländern wie Russland und China gehen in dem Konkurrenzkampf immer aggressiver vor. Sie geben ihr Geld großzügig aus, um westliche Firmen in Bieterverfahren für die besten Projekte auszustechen.

Generell sinkt die Förderung bestehender Ölfelder

Ein weiteres Hindernis für Produktionswachstum ist die Erschöpfung bestehender Ölfelder. Laut Analysten sinkt ihre Förderung generell um 5 bis 7 Prozent pro Jahr.

Exxon wollte sich nicht zu Risiken im Zusammenhang mit der Inbetriebnahme bestimmter Projekte äußern. In Gesprächen mit Analysten und Investoren hatten Konzernvertreter betont, es gehe nicht darum, die Produktion über Nacht zu erhöhen oder auf Kosten der Profitabilität. Stattdessen wolle Exxon auf große Projekte setzen, die langfristig beträchtliche Gewinne erwirtschaften.

Um Verzögerungen müssten sich Investoren eher keine Sorgen machen, findet Lysle Brinker, Leiter der Energieaktien-Analyse bei IHS-CERA. Exxon habe in der Vergangenheit große Projekte ohne größere Überschreitungen des Budgets oder Zeitplans fertiggestellt. "Sie wären die Ersten, die einräumen würden, dass es nicht immer so glatt geht, aber Exxon hat einen besseren Ruf als die Meisten, wenn es um die Einhaltung von Fristen geht", sagte er.

Die Ausgaben für die Exploration neuer Quellen und die Förderung hat der US-Konzern kräftig gesteigert. Bis 2016 will Exxon dafür 37 Milliarden Dollar pro Jahr ausgeben, 2009 waren es noch weniger als 20 Milliarden.

  • Vor der Küste Angolas erhofft sich Exxon zusätzliche Produktion aus der Erweiterung des Kizomba-Projektes. Das besteht aus mehreren Tiefsee-Ölquellen, die zu den ersten entdeckten des westafrikanischen Landes gehören. Exxon ist mit 40 Prozent an Kizomba beteiligt und dürfte damit von der angepeilten Produktion 40.000 Barrel pro Tag erhalten.
  • In Indonesien soll ein Offshore-Projekt mit dem Namen Banyu Urip ab Ende 2014 rund 165.000 Barrel pro Tag produzieren. Davon gehen etwa 75.000 Barrel an die mit 45 Prozent beteiligte Exxon.
  • In Papua Neu-Guinea schließlich soll ein Flüssiggas-Projekt bis zu 26.600 Kubikmeter Gas - das entspricht etwa 166.000 Barrel Öl - ab 2014 nach China und andere asiatische Märkte exportieren. Das Unternehmen erweist sich allerdings als kostspieliger als erwartet. Exxon musste die erwarteten Projektkosten in diesem Monat um ein gutes Fünftel auf 19 Milliarden Dollar erhöhen und führte dies auf Änderungen bei Wechselkursen und Verzögerungen durch den Stillstand der Arbeiten zurück.
  • Der Hauptteil des erwarteten Produktionswachstums bis Ende 2014 - nämlich 37 Prozent - soll jedoch aus kanadischen Ölsand-Projekten wie Kearl kommen. An dem Projekt wird seit 2009 gearbeitet. Allerdings sind Ölsandvorkommen in abgelegenen Gegenden zu finden, ihre Erschließung erfordert deshalb viele Arbeiter und Milliarden Dollar an Kapital. Zudem behindert die begrenzte Pipeline-Kapazität die Belieferung von Kunden außerhalb Kanadas. Die geplante Erweiterung Keystone XL der bestehenden Keystone-Pipeline soll Abhilfe schaffen. Mit einem Durchmesser von nahezu einem Meter und damit einem Transportvolumen von ca. 700.000 Barrel täglich soll sie das Rohöl bis nach Texas führen und Raffinerien am Golf von Mexiko beliefern. Das Projekt ist jedoch umstritten.

Selbst wenn alle neuen Projekte wie erwartet ihren Betrieb aufnehmen, käme ihre gesamte Produktion nicht an das Volumen heran, dass Exxon durch den möglichen Ausstieg aus einem noch im Entstehen begriffenen Projekt im Südirak entgehen würde. Das irakische Projekt hätte den Energiekonzern ab 2016 mit bis zu 1,6 Millionen Barrel pro Tag beliefert.

Trotz all dieser Herausforderungen wetten einige Analysten nur ungern gegen Exxon. Sie gehen davon aus, dass Investitionen wie das Kearl-Projekt und die jüngste Übernahme der Anteile von Denbury Resources am Bakken Schieferöl-Feld in und um North Dakota für 1,6 Milliarden Dollar die Trendwende des Konzerns unterstützen.

Das kommende Jahr dürfte für Exxon besser werden, sagt denn auch Raymond James. Der Analyst bei Pavel Molchanov rechnet mit einem Wachstum der Konzernproduktion um 3 Prozent.

Originalartikel im Wall Street Journal Deutschland

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1.
alpha0711 02.12.2012
Zitat von sysopWie soll die Weltwirtschaft in den kommenden Jahren an ihren wichtigsten Treibstoff gelangen? Am Beispiel des Branchenriesen Exxon zeigt sich: Die Erschließung neuer Ölquellen wird immer teurer und riskanter. Ölkonzern: Bei Exxon wird das Öl knapp - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/oelkonzern-bei-exxon-wird-das-oel-knapp-a-870235.html)
Wem dem wirklich so ist , ist die Menschheit doch nun wirklich selbst Schuld.Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft bei denen Elektrogeräte oft schon Innerhalb zwei Jahren weggeschmissen werden.(transportiert mit grossen Containerschiffen aus Fernost , mit einem irrsinnigen Treibstoffverbrauch) Solange noch u.A. Autos mit Treibstoffverbrauch jenseits der zehn Liter gebaut werden dürfen kann es noch nicht so schlimm sein. Streng genommen müsste der Staat solche Autos verbieten. Dann hätten wir aber auf ein Schlag viele Arbeitslose in D. Ein Problem das man nicht von heute auf Morgen löst. Aber unsere Industrie hätte sich schon vor zwanzig Jahren damit intensiv beschäftigen können , dann wäre der Aufschlag der zeitnah kommen wird nicht mehr so heftig geworden ! Wir gehen fahrlässig mit den Resourcen um die uns die Erde zur Verfügung stellt.Nachfolgende Generationen werden uns dafür hassen. Wenn tatsächlich das öl ausgeht wäre das vielleicht sogar heilsam. Aber das die Menschheit etwas daraus lernt halte ich für unwahrscheinlich.
2.
spon-facebook-10000283853 02.12.2012
Zitat von sysopWie soll die Weltwirtschaft in den kommenden Jahren an ihren wichtigsten Treibstoff gelangen? Am Beispiel des Branchenriesen Exxon zeigt sich: Die Erschließung neuer Ölquellen wird immer teurer und riskanter. Ölkonzern: Bei Exxon wird das Öl knapp - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/oelkonzern-bei-exxon-wird-das-oel-knapp-a-870235.html)
Hmmhm ... Öl sollte ja schon vor Jahren alle sein. Nach dem Club of Rome - und immer wieder werden neue riesige Ölfelder gefunden. Trotzdem immer noch solche Artikel. Peinlich.
3.
SFC 02.12.2012
Zitat von spon-facebook-10000283853Hmmhm ... Öl sollte ja schon vor Jahren alle sein. Nach dem Club of Rome - und immer wieder werden neue riesige Ölfelder gefunden. Trotzdem immer noch solche Artikel. Peinlich.
Es geht überhaupt nicht um "alle". Es geht lediglich darum, dass bald schluss damit ist, die Erdölproduktion Jahr für Jahr noch weiter zu steigern. Was an dem Artikel peinlich sein soll, müssten Sie mal ausführen. Ich halte ihn für relativ sachlich (was bei SPON durchaus was heißen soll). Ängste werden da jedenfalls keine beschworen. Aber vermutlich haben sie nur die Überschrift gelesen?
4. Na ja
kanadasirup 02.12.2012
Zitat von spon-facebook-10000283853Hmmhm ... Öl sollte ja schon vor Jahren alle sein. Nach dem Club of Rome - und immer wieder werden neue riesige Ölfelder gefunden. Trotzdem immer noch solche Artikel. Peinlich.
Schon im Titel steht die Crux: es wird immer teurer und aufwändiger Ölfelder (Gasfelder auch) zu erschließen. Es wurde nicht bestritten, dass sich neue Felder finden lassen. Steigende Energiekosten wirken sich leider auf alle Lebensbereiche aus; Heizung, Mobilität, Ernährung, etc.
5. Wie lange ist das her ...
morpheus1973 02.12.2012
...das an gleicher Stelle im gleichen Medium ein Artikel veröffentlicht wurde, dass die USA im Jahr 2035 oder 2050 selbst zum Rohölexporteur werden? Wie heißt die Firma dann die das Öl exportiert?? Unterhaltet Ihr euch in eurer Redaktion auch untereinander oder schreibt jeder was er will und denkt? Der eine arbeitet bei Greenpeace und schreibt das Peak-oil längst erreicht ist und der andere wird von der Autoindustrie bezahlt und behauptet das Gegenteil? Wenn zu oft über das gleiche Thema in unterschiedlicher Ausrichtung gejammert wird glaubt keiner mehr Irgendwas darüber...Öl, Klimawandel, etc.. Erst genau recherchieren und DANN veröffentlichen und nicht alles nachplappern was auf wikipedia und auf irgendwelchen Blogs kommt.....
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Grafiken: Wo kommt 2030 unsere Energie her?

Vor-/Nachteile der Energieträger
Die Energiewirtschaft befindet sich im Umbruch - SPIEGEL ONLINE zeigt die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Energieträger.
Erdöl
Plus: Erdöl ist der Schmierstoff industrieller Volkswirtschaften. In Deutschland deckt Öl rund 35 Prozent des Energiebedarfs - so viel wie kein anderer Rohstoff. Im Verkehrssektor gibt es momentan kaum Alternativen zu Öl: Das bestehende Tankstellennetz ist auf Benzin und Diesel ausgerichtet, die heute gängigen Motoren fahren fast nur mit diesen beiden Treibstoffen.

Minus: Der Ölpreis ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen - und mit ihm der Spritpreis. Autofahrer mussten zeitweise mehr als 1,50 Euro für Benzin zahlen. Die deutsche Volkswirtschaft verliert dadurch Milliardenbeträge, denn das Land ist fast völlig von Importen abhängig. Weltweit liegen die meisten Ölvorkommen in politisch heiklen Regionen wie dem Nahen Osten, Russland, Venezuela oder Nigeria. Versorgungskrisen kann man daher nicht ausschließen. Darüber hinaus ist Erdöl ein endlicher Rohstoff: Die bekannten Vorkommen gehen langsam zur Neige. Große neue Felder wurden in den vergangenen Jahren kaum entdeckt - und wenn, dann nur in schwierig zu erschließenden Gebieten wie der Arktis. Hinzu kommt die CO2-Problematik: Wenn Öl verbrannt wird, entsteht das Klimagas Kohlendioxid .
Erdgas
Plus: Erdgas ist der klimafreundlichste fossile Energieträger - bei der Verbrennung entsteht weniger CO2 als bei Kohle oder Öl. Außerdem halten die Vorräte noch eine Weile: Die Reichweite der Gasvorkommen wird auf rund 60 Jahre geschätzt, bei Öl sind es nur 40 Jahre. machen zudem den Zugriff auf große neue Gas-Reservoirs möglich. Ein weiterer Vorteil: Gas kann einen wichtigen Beitrag zur Stromerzeugung leisten. Denn Gaskraftwerke lassen sich schnell hoch- und runterfahren - diese Flexibilität hilft, die Schwankungen beim Windstrom auszugleichen.

Minus: Weltweit verfügen nur wenige Länder über Gasvorkommen. Entsprechend groß sind die Abhängigkeiten - Deutschland bezieht rund 40 Prozent seines Erdgases aus Russland. Problematisch ist außerdem die noch immer weit verbreitete Bindung an den Ölpreis: Je teurer Erdöl wird, desto teurer wird auch Gas. Stromkonzerne klagen bereits, dass sich Gaskraftwerke kaum mehr rentieren. Private Haushalte kennen dasselbe Problem beim Heizen - Gas ist kaum günstiger als Öl. Auch beim Autofahren stellt Erdgas keine Alternative dar: Der aktuelle Preisvorteil gegenüber Benzin und Diesel liegt nur an der steuerlichen Begünstigung.
Kohle
Plus: Kohle gibt es fast überall auf der Welt - einseitige Importabhängigkeiten wie beim Gas sind deshalb nicht zu befürchten. Auch Deutschland verfügt über nennenswerte Ressourcen: Braunkohle lässt sich ohne Subventionen fördern, für Steinkohle ist dies bei weiter steigenden Preisen zumindest denkbar. Außerdem reichen die Vorräte so lange wie bei keinem anderen fossilen Energieträger: Schätzungen gehen von rund 200 Jahren aus. Kohle eignet sich vor allem zur Stromerzeugung in der Grundlast - rund 50 Prozent des deutschen Stroms stammen aus Kohlekraftwerken .

Minus: Kein Energieträger ist so klimaschädlich wie Kohle. Bei der Verbrennung entsteht rund doppelt so viel CO2 wie bei Gas. Problematisch könnte dies vor allem dann werden, wenn man bestehende Atomkraftwerke durch neue Kohlekraftwerke ersetzt - oder wenn Elektroautos künftig in großem Stil Kohlestrom tanken. Bedenklich sind außerdem die Arbeitsbedingungen, unter denen Kohle gefördert wird : Zu den größten Produzenten zählen China, Russland und Südafrika - Länder, in denen immer wieder Bergleute ums Leben kommen.
Atomenergie
Plus: Kernkraftwerke produzieren - wenn sie einmal gebaut sind - günstigen Strom. Der Rohstoff Uran wird nur in geringen Mengen verbraucht, so dass die laufenden Betriebskosten gering sind. Atomstrom kann in der Grundlast eingesetzt werden, also unabhängig von kurzfristigen Wetterschwankungen. In Frankreich wird Atomstrom auch zum Heizen verwendet, langfristig könnten so auch Elektroautos betrieben werden. Bei der Kernenergie wird kaum CO2 freigesetzt. Sie ist damit klimafreundlicher als Kohle oder Gas.

Minus: Der größte Nachteil der Atomenergie ist das Risiko eines GAUs. Selbst wenn man dafür eine geringe Wahrscheinlichkeit unterstellt - der Schaden wäre enorm. Die Katastrophe in Tschernobyl war nur ein Vorgeschmack dessen, was im dicht besiedelten Mitteleuropa passieren würde: Tausende Opfer, auf ewig verseuchte Landstriche, Vermögensverluste in zigfacher Milliardenhöhe. Hinzu kommt die ungelöste Frage der Endlagerung : Obwohl die Kernenergie seit rund 50 Jahren genutzt wird, gibt es bis heute keine dauerhafte Deponie für die verstrahlten Abfälle. Ob es überhaupt ein sicheres Endlager geben kann, ist umstritten: Der Atommüll strahlt zum Teil mehr als 100.000 Jahre lang - was in dieser Zeit alles passiert, kann niemand vorhersagen. In jüngster Zeit wird ein weiteres Problem immer häufiger diskutiert: Was geschieht, wenn Terroristen einen Anschlag auf ein Kernkraftwerk verüben? Oder wenn sie in den Besitz von spaltbarem Material gelangen? Sicherheitsexperten haben auf diese Fragen keine abschließende Antwort.
Wasser
Plus: Die Wasserkraft ist sehr umweltfreundlich - mit geringem Eingriff in die Natur lässt sich günstig Energie gewinnen. Rund fünf Prozent des deutschen Stroms stammen aus Wasserkraftwerken. Außerdem lässt sich in Stauseen sehr gut Energie speichern: Bei einem Überangebot an Strom wird Wasser nach oben gepumpt. Bei Bedarf wird es dann abgelassen, um die Turbinen anzutreiben.

Minus: In Deutschland ist das Potential der Wasserkraft so gut wie ausgeschöpft. Fast jeder Fluss hat ein Kraftwerk, ebenso fast jeder See. Im Ausland wiederum ist die Wasserkraft zum Teil in Verruf geraten: Riesenprojekte wie der Jangtse-Staudamm in China zerstören die Natur in großem Stil.
Wind
Plus: Von allen erneuerbaren Energien ist die Windkraft in den vergangenen Jahren am stärksten gewachsen. Mittlerweile beziehen die Deutschen deutlich mehr Strom aus Windrädern als aus Wasserkraftwerken. Auch in Zukunft hat die Branche großes Wachstumspotential - vor allem offshore, also in Windparks auf dem Meer . Ein weiterer Vorteil: Die Windkraft ist verhältnismäßig günstig. Die Betreiber der Anlagen bekommen über das Erneuerbare-Energien-Gesetz nur wenig mehr Förderung als der Preis für konventionellen Strom an der Energiebörse hoch ist. Zum Vergleich: Solarstrom wird weit höher vergütet.

Minus: Kritiker halten Windräder für eine Verschandelung der Landschaft. Außerdem weht der Wind sehr unzuverlässig: Bei einer starken Brise wird das deutsche Stromnetz überlastet, bei Flaute muss Strom aus dem Ausland hinzugekauft werden. Praktikable Speicher für Windenergie gibt es bisher nicht. Ein weiterer Nachteil: Starker Wind bläst vor allem in Norddeutschland, die großen Verbrauchszentren liegen aber im Süden und Westen. Um den Strom abzutransportieren, sind zahlreiche neue Leitungen nötig .
Sonne
Plus: Die Sonne ist nach menschlichen Maßstäben eine ewige Energiequelle , und sie scheint für jeden umsonst. Hätten alle Dächer Deutschlands eine Solaranlage, könnte so ein großer Teil des hiesigen Strombedarfs gedeckt werden - klimaschonend und unabhängig von Importen. Darüber hinaus lässt sich das Sonnenlicht auch zur Warmwasserbereitung nutzen: Mit Solarkollektoren kann man herkömmliche Heizungen ergänzen und so die Energiekosten drücken.

Minus: Die Sonne hat den gleichen Nachteil wie der Wind - ihre Energie lässt sich nicht zu jeder Uhrzeit nutzen. Das größte Problem ist jedoch der Preis: Solarstrom kostet viel mehr als konventioneller Strom. Und trotz milliardenschwerer Subventionen leistet Sonnenenergie bislang nur einen geringen Beitrag zur deutschen Stromversorgung: Schätzungen schwanken zwischen einem um zwei Prozent. Damit die Photovoltaik in Mitteleuropa wettbewerbsfähig wird, müsste es eine technische Revolution geben - oder die Preise für konventionelle Energie müssten dramatisch steigen.
Biomasse
Plus: Holz, Stroh, Mais - beim Verbrennen dieser Stoffe wird nur so viel CO2 freigesetzt, wie die Pflanzen vorher der Atmosphäre entzogen haben. Biomasse lässt sich in vielen Bereichen einsetzen: zum Heizen (beispielsweise mit Holzpellets), zum Autofahren (mit Biodiesel oder Bioethanol ) oder zur Stromerzeugung (mit Biogas). Der große Vorteil: Biomasse ist gespeicherte Energie. Man kann also frei entscheiden, wann man sie nutzen möchte - anders als bei Wind- oder Solarkraft. Ein weiterer Pluspunkt: Energiepflanzen, die in Deutschland wachsen, reduzieren die Abhängigkeit von Importen.

Minus: In jüngster Zeit gerät die Bioenergie massiv in die Kritik. Denn die Pflanzen benötigen enorme Anbauflächen - und treten damit in direkte Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Gerade bei Biotreibstoffen wird das zum Problem: Lässt es sich moralisch rechtfertigen, dass die Reichen Mais tanken - während die Armen hungern? Hinzu kommt ein gigantisches Mengenproblem: Wollte Deutschland seinen gesamten Benzin- und Dieselbedarf mit Biokraftstoffen decken, wäre dafür eine Fläche nötig, die größer ist als die gesamte Bundesrepublik. Das Gleiche gilt fürs Heizen: Sollten alle Bundesbürger auf Holzpellets umsteigen, würde der deutsche Wald dafür nicht reichen - erneut wären Energie-Importe nötig.
Erdwärme
Plus: Die Wärme im Erdinneren steht rund um die Uhr zur Verfügung. Sie lässt sich sowohl zum Heizen als auch zur Stromerzeugung nutzen. Gäbe es keine Probleme mit der Bohrtechnik, könnte die Geothermie den gesamten deutschen Energiebedarf decken.

Minus: In Deutschland muss man Hunderte oder gar Tausende Meter tief bohren, um ein ausreichendes Temperaturniveau zu erreichen. Die Kosten der Geothermie sind deshalb sehr hoch. Mancherorts gibt es außerdem Probleme mit dem Grundwasser. Andere Länder sind hier aus geologischen Gründen in einer besseren Position: Island zum Beispiel deckt seinen Energiebedarf zum Großteil mit der Wärme aus dem Erdinneren.
Fotostrecke
Von Kanada bis zur Nordsee: Wo Öl weltweit unbeachtet ausfließt