Ölpest im Golf von Mexiko BP will Entschädigung kürzen

Nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko feilscht der verantwortliche Konzern BP um die Entschädigung. Ursprünglich sollte das Unternehmen rund 14 Milliarden Euro an die Opfer auszahlen, jetzt wollen die Verantwortlichen diesen Betrag kürzen. Die Begründung: die gute wirtschaftliche Lage.

"Deepwater Horizon": Die brennende Ölplattform am 22. April 2010
DPA/ US Coast Guard

"Deepwater Horizon": Die brennende Ölplattform am 22. April 2010


Washington - Es war die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte der USA und ein Desaster für BP: Die Explosion der Ölbohrinsel " Deepwater Horizon" am 20. April 2010. Jetzt versucht der Ölkonzern die finanziellen Folgen für das Unternehmen zu mindern. Mehr als 750 Millionen Liter Öl waren ins Meer geflossen. Um die Schäden an der Natur und die wirtschaftlichen Einbußen der Bewohner auszugleichen, hatte sich der Öl-Konzern zu Ausgleichszahlungen verpflichtet und auf Druck der US-Regierung einen mit 20 Milliarden Dollar (14 Milliarden Euro) ausgestatteten Fonds eingerichtet.

Doch jetzt will das Unternehmen die Zahlungen reduzieren. Jüngste Wirtschaftsdaten "legen nicht nahe, dass Einzelpersonen und Firmen einem materiellen Risiko künftiger Verluste" durch die Ölkatastrophe ausgesetzt seien. Zu diesem Schluss kommt der Öl-Multi in einem am Freitag bekannt gewordenen Papier, das an den staatlich verwalteten Entschädigungsfonds (GCCF) ging.

BP machte in dem Dokument jedoch auch klar, dass der Konzern "sich weiterhin verpflichtet fühlt, alle legitimen Ansprüche zu begleichen". Allerdings müsse der GCCF seine Bewertung künftiger Verluste überprüfen, forderte BP. Es gebe "mehrere Stränge von Beweisen", die zeigten, dass die Erholung der Wirtschaft am Golf schon Ende 2010 eingesetzt habe. Außerdem habe sich die positive Entwicklung 2011 fortgesetzt. Die Wirtschaft der Region sei "stark", und es gebe keine Grundlage anzunehmen, dass Antragsteller, "von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen", künftige Einbußen aufgrund der Ölpest befürchten müssten.

Der GCCF zahlte nach Angaben der US-Zeitung "The Hill" bislang mehr als 4,5 Milliarden Dollar an Geschädigte aus. Der Fonds hatte im August 2010 die Verwaltung der Ausgleichszahlungen übernommen. Das Programm soll bis 2013 laufen.

rom/dpa



insgesamt 36 Beiträge
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hugo1000 09.07.2011
1. Bp
schäbiger kann man sich nicht verhalten. Sollte BP Kürzungen vornehmen, sollte der amerikanische Staat BP die Bohr bzw Förderlizenzen entziehen.
bhass 09.07.2011
2. Stimmt
Zitat von hugo1000schäbiger kann man sich nicht verhalten. Sollte BP Kürzungen vornehmen, sollte der amerikanische Staat BP die Bohr bzw Förderlizenzen entziehen.
Ich finde auch, dass die ganze Ölindustrie sich schäbiger nicht mehr verhalten kann. Vielleicht hat ja einer von Ihnen den Beitrag auf Arte gesehen, der (wenn ich mich nicht irre) in der letzten Woche im Tv zu sehen war. Leider ist BP ein Unternhemen, dass Obama in der Präsidentenwahl mit Geld unterstützt hat....also...wen wundert es da noch, das das Treiben des Konzerns auf diese Weise geduldet wird? Sorry, aber für mich sind das alles Verbrecher an Natur und Menschheit...
TheBear, 09.07.2011
3. Wirtschaft und Staat
Zitat von hugo1000schäbiger kann man sich nicht verhalten. Sollte BP Kürzungen vornehmen, sollte der amerikanische Staat BP die Bohr bzw Förderlizenzen entziehen.
BP verhält sich nicht "schäbig", schliesslich geht es hier nicht um Moral, sondern um Wirtschaft. Schäbig sind die Gesetzeslage, die so etwas erlaubt, und ein Präsident, der keine Ahnung hat und es mit seinem lachhaften, naiven Satz (“BP is responsible for this leak. BP will be paying the bill.”) auch vor laufenden Fersehhcameras bewiesen hat. Abgesehen von Schadenersatz, sollten auch drastische Strafen angewendet werden, die so bemessen sind, dass es für ein Unternehmen wesentlich billiger ist, sich an die Regeln zu halten, als diese zu verletzen. Man darf nicht vergessen, dass Unternehmen sich nie moralisch verhalten, ja sich dies noch nicht einmal leisten könnten, wenn sie wollten. Die Moral, Ethik muss über Gesetze erzwungen werden, es muss billiger sein sich "moralisch" zu verhalten, dann verhält sich auch ein Konzern wie BP "moralisch, ethisch" korrekt.
J4cky 09.07.2011
4. ...
Zitat von bhassIch finde auch, dass die ganze Ölindustrie sich schäbiger nicht mehr verhalten kann. Vielleicht hat ja einer von Ihnen den Beitrag auf Arte gesehen, der (wenn ich mich nicht irre) in der letzten Woche im Tv zu sehen war. Leider ist BP ein Unternhemen, dass Obama in der Präsidentenwahl mit Geld unterstützt hat....also...wen wundert es da noch, das das Treiben des Konzerns auf diese Weise geduldet wird? Sorry, aber für mich sind das alles Verbrecher an Natur und Menschheit...
Für die Auswirkung der zahlreichen Öldesaster sind nicht einzelne Unternehmen schuld, sondern wir alle! Würden wir kein Öl kaufen, so würde es die Unternehmen nicht geben. Allerdings hängen wir am Öl, wie der Junky an der Nadel. Somit sind Sie und ich genauso mitschuldig.
ddkddk 09.07.2011
5. Warum nicht, wenn die Wirtschaftsordnung dies zulässt
Die Begründung ist wirklich originell, wenn nicht unverschämt. Sie läuft auf die Argumentation hinaus: Wen wir nicht so geschädigt haben, dass seine Existenz gefährdet ist, der soll auf seinem Schaden sitzen bleiben. Aus der Sicht des Unternehmens ist das allerdings konsequent. Ziel eines Unternehmens ist schließlich die Gewinnmaximierung. Alle anderen Gesichtspunkte wie Umweltbilanzen und ähnliches dient nur dem Image und dem Verkauf der Produkte und auf diesem Wege ebenfalls der Gewinnmaximierung. Es ist Aufgabe des Staates, hier durch seine Wirtschaftsordnung einen gesetzlichen Rahmen zu setzen und Verstöße dagegen bußgeldrechtlich und strafrechtlich zu sanktionieren. Bei Geld hört bekanntlich die Moral auf.
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