Ölpest in den USA BP-Mitarbeiter verliert Tausende von Kläger-Daten

Das dürfte das Vertrauen in den Ölkonzern nicht vergrößern: Ein BP-Mitarbeiter hat einen Laptop verloren, auf dem die Daten von 13.000 Klägern gegen die Ölpest gespeichert waren. Das Unglück hat BP bislang knapp 20 Milliarden gekostet - halb so viel wie einkalkuliert.

BP-Logo an Raffinerie in Texas: Vorwürfe wegen Totschlags und Meineids
AP

BP-Logo an Raffinerie in Texas: Vorwürfe wegen Totschlags und Meineids


London/New Orleans - Vor drei Jahren machten Mitarbeiter der britischen Regierung unfreiwillig Schlagzeilen. Wiederholt verloren sie Laptops mit Steuerdaten und anderen sensiblen Informationen. Innerhalb von zehn Jahren seien mehr als 1000 Rechner abhanden gekommen, mussten die Behörden schließlich einräumen.

Der britische Ölkonzern BP gestand jetzt zwar nur den Verlust eines einzelnen Laptops, doch auch dieser ist ziemlich peinlich: Auf dem Gerät befanden sich laut einem Unternehmenssprecher die persönlichen Daten von 13.000 Klägern die nach der verheerenden Ölpest im Golf von Mexiko Entschädigungszahlungen von der Firma gefordert hatten. Man habe die Betroffenen bereits per Brief benachrichtigt, bislang gebe es keine Hinweise auf einen Missbrauch der Daten.

Auf dem Laptop sollen sich neben den Namen, auch die Sozialversicherungsnummern, Telefonnummern und Adressen der Kläger befinden. Der Computer sei zwar mit einem Passwort geschützt, die Informationen selbst jedoch nicht verschlüsselt, sagte der Sprecher. "Wir sind den von der Ölpest an der Golfküste betroffenen Menschen verpflichtet und bedauern den Vorfall sehr."

Im April 2010 war die Bohrplattform "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko nach einer Explosion gesunken. 87 Tage lang floss ungehindert Öl ins Meer, insgesamt sollen es rund fünf Millionen Barrel gewesen sein. Der Konzern büßte rund 70 Milliarden Dollar an Marktwert ein und entließ seinen Chef Tony Hayward. Wegen der Katastrophe hat auch die US-Regierung BP sowie vier weitere Firmen verklagt. Mittlerweile wurde bekannt, dass Ermittler des US-Justizministeriums offenbar auch mögliche Vorwürfe wegen Totschlags und Meineids gegen die Verantwortlichen prüfen.

Die Katastrophe habe BP bislang 19 Milliarden Dollar gekostet, sagte der Präsident von BP America, Lamar McKay, auf einer Energie-Konferenz in New Orleans. Es gebe inzwischen nicht mehr ganz so viel Unsicherheit über die letztlich anfallenden Gesamtkosten für das Unglück. BP hat für die Kosten der Ölpest insgesamt 41 Milliarden Dollar zurückgelegt.

dab/Reuters/dapd



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