Ölförderung Iran durchkreuzt Pläne gegen den Preisverfall

Trotz eines weltweiten Überangebots will Iran offenbar seine Ölproduktion hochfahren. Eine gemeinsame Strategie der Förderländer scheint zu scheitern.

Frau in Teheran beim Tanken: Aufholbedarf in Sachen Ölförderung
REUTERS

Frau in Teheran beim Tanken: Aufholbedarf in Sachen Ölförderung


Der Ölpreisverfall macht wichtigen Förderländern zu schaffen. Mit einer gemeinsamen Strategie könnten die großen Produzenten den Abwärtstrend stoppen. Doch danach sieht es derzeit nicht aus. Denn Iran will einem Zeitungsbericht zufolge die Ölförderung weiter steigern, bis das Land das Produktionsniveau von der Zeit vor den Atomsanktionen wieder erreicht hat. "Von Iran zu verlangen, seine Ölfördermenge einzufrieren, ist unlogisch", zitiert die iranische Tageszeitung "Shargh" einen iranischen Opec-Gesandten.

Demnach forderte dieser zugleich andere Ölförderländer auf, die ihre Produktion seit 2011 hochgefahren haben, diese wieder zu reduzieren, um damit zu einer Erholung der Ölpreise beizutragen.

Die Ölproduzenten Russland, Saudi-Arabien, Katar und Venezuela hatten sich am Dienstag darauf verständigt, die Produktion auf dem Januar-Niveau einzufrieren. Dieses Abkommen greift aber nur, wenn auch andere große Ölländer mitmachen. Am Mittwoch will der venezolanische Ölminister Eulogio Del Pino deshalb nach Teheran reisen.

Iran ist allerdings gerade erst auf den Ölmarkt zurückgekehrt. Erst kürzlich wurden die westlichen Sanktionen im Zusammenhang mit dem iranischen Atomprogramm aufgehoben. Entsprechend groß ist der Aufholbedarf für Iran. Das Land hatte angekündigt, zügig eine Million Barrel pro Tag zu fördern.

Allerdings kommt Irans Rückkehr auf den Markt mitten in einer Ölpreiskrise. Durch das große Angebot waren die Ölpreise seit Mitte 2014 um rund 70 Prozent eingebrochen. Darunter leiden alle großen Ölförderländer, aber auch westliche Ölkonzerne, die Rekordverluste in Milliardenhöhe machen. Die niedrigen Preise werden als Angriff auf das verhältnismäßig teure Fracking in den USA gesehen, das damit vom Markt verdrängt werden soll.

Saudi-Arabien ist das wichtigste Förderland des Ölkartells Opec. Genau wie Nicht-Opec-Mitglied Russland hatte das Land bisher eine geringere Produktion abgelehnt, um keine Marktanteile zu verlieren. Russland hatte zuletzt so viel Öl gefördert wie seit 25 Jahren nicht.

Händler warten nun darauf, inwiefern sich die Produzenten auf eine gemeinsame Strategie einigen können. Am Mittwoch stiegen die Ölpreise leicht. Die Nordseesorte Brent Chart zeigen verteuerte sich um 45 Cent auf 32,63 Dollar je Fass. Ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte WTI kostete 29,33 Dollar, das waren 29 Cent mehr als am Vortag.

mmq/Reuters/dpa

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insgesamt 78 Beiträge
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licorne 17.02.2016
1. Schlechte Nachrichten für den saudischen König
Dort hätte niemand gedacht, dass die Vereinigten Staaten so schnell vom saudischen Öl unabhängig werden.
mr-mucki 17.02.2016
2. Europa muss nun schnell die Regenerative Energien ausbauen
Die Foerderlaender brauchen Geld und versuchen den niedrigen Preis mit Menge auszugleichen. Das laesst den Preis weiter fallen, da die Nachfrage fehlt, aber die Foerderlaender scheinen das nicht zu begreifen. Das bedeutet aber auch, das Europa schnell sich vom Erdoel loesen muss und die Gunst der Stunde nutzen sollte die Regenerativen Energien auszubauen. Damit wenn der Erdoelpreis wieder steigt (und das wird er, denn Erdoel ist endlich) geruestet zu sein. Also rein in Wind, Sonne, Erdwaerme Wasserkraft usw, die E-Autos foerdern (dann haben die Autobauer auch kein Abgasproblem mehr) und zum Spietzenlastausgleich Gaskraftwerke bauen. In die Forschung heisser Brennstoffzellen investieren um die Gas Kraftwerke irgendwann abschalten zu koennen und das Fernwaermenetz massiv ausbauen. Die Technologie um es umzusetzten hat zwar noch Kinderkrankheiten, aber diese werden auch bald behoben sein. Und der Staat muss massiv die Infrastruktur ausbauen in Punkto Gleichstromleitungen. Jetzt investieren und in 20 Jahren die dicke Rendite einstreichen.
ironpolem 17.02.2016
3. Systemfehler?
Der MARKT !! Die heilige Kuh des 21. Jh. Alle tanzen drumrum und beten und bitten um Profite, höhere Marktanteile und mehr Umsatz. Das Ganze hat aber einen Haken. Das sieht man auf vielen Gebieten. Nach 1992 wurden die Löhne in Deuschland mehr oder wneiger eingefroren - bis die Nahcfrage so weit stagnierte daß nur noch über Exportüberschüsse eine gute Beschäftigung möglich war. Man kann selbstverständlich 50 Prozent der Arbieer, der Rentner und der Kinder am Existenzminimum leben lassen - aber die Nachfrage wird dann einbrechen. Mit dem Öl ist das nicht anders. Der Markt bestimmt den Preis. Anstattt den niedigen Preis zu nutzen und altenative Enegien zu fördern und zu erforschen, wird an alten, überholten Strukturen festgehalten. "Wir haben letztes Jahr mit Öl viel verdient - also müssen wir dieses Jahr wieder viel verdienen" Das ist Planwirtschaft - nicht Marktiwrtschaft. Die Ölscheichs, die Diktatoren der Ölländer oder die Großkonzerne häten es am Liebten, wenn alles so bliebe wie es Jahrzehnte war. Das Auto ist das beste Beispiel dafür. Ich warte nur darauf, daß man noch größere Autos mit noch größeren Motoren baut - weil der Sprit so bilig ist. Wie heißt das Buch, das ich gerade von A. Lindgreen lese. "Die Menschheit ist verrückt geworden (oder so ähnlich).
espet3 17.02.2016
4.
Zitat von mr-muckiDie Foerderlaender brauchen Geld und versuchen den niedrigen Preis mit Menge auszugleichen. Das laesst den Preis weiter fallen, da die Nachfrage fehlt, aber die Foerderlaender scheinen das nicht zu begreifen. Das bedeutet aber auch, das Europa schnell sich vom Erdoel loesen muss und die Gunst der Stunde nutzen sollte die Regenerativen Energien auszubauen. Damit wenn der Erdoelpreis wieder steigt (und das wird er, denn Erdoel ist endlich) geruestet zu sein. Also rein in Wind, Sonne, Erdwaerme Wasserkraft usw, die E-Autos foerdern (dann haben die Autobauer auch kein Abgasproblem mehr) und zum Spietzenlastausgleich Gaskraftwerke bauen. In die Forschung heisser Brennstoffzellen investieren um die Gas Kraftwerke irgendwann abschalten zu koennen und das Fernwaermenetz massiv ausbauen. Die Technologie um es umzusetzten hat zwar noch Kinderkrankheiten, aber diese werden auch bald behoben sein. Und der Staat muss massiv die Infrastruktur ausbauen in Punkto Gleichstromleitungen. Jetzt investieren und in 20 Jahren die dicke Rendite einstreichen.
Wie soll das ein zerbrechendes Europa bewerkstelligen, wenn immer noch Kernkraftwerke gebaut werden?
woiza 17.02.2016
5.
Zitat von espet3Wie soll das ein zerbrechendes Europa bewerkstelligen, wenn immer noch Kernkraftwerke gebaut werden?
Soweit mir bekannt brauchen AKWs auch kein Erdöl. Dem Elektroauto ist egal, wo der Strom herkommt.
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