Trotz weltweiter Krisen Ölpreis rutscht unter 100-Dollar-Marke

In der Ukraine und im Nahen Osten herrscht Krieg - trotzdem sinkt der Ölpreis seit Monaten. Nun ist die wichtige Nordseesorte Brent unter die 100-Dollar-Marke gefallen. Experten machen dafür Spekulanten verantwortlich.

Ölquelle in Kanada: Angebot überwiegend stabil
REUTERS

Ölquelle in Kanada: Angebot überwiegend stabil


Frankfurt/Singapur - Nordseeöl ist so billig wie seit einem Jahr nicht mehr: Trotz der befürchteten Verknappung wegen der Krisen im Nahen Osten und in der Ukraine kostete ein Fass der Sorte Brent am Montag erstmals seit Juni 2013 wieder weniger als 100 Dollar. Im Mittagshandel wurde ein Barrel (159 Liter) Brent zur Lieferung im Oktober mit 99,91 Dollar notiert - 88 Cent weniger als zum Handelsschluss am Freitag. Ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate verbilligte sich um 85 Cent auf 92,44 Dollar.

Der Ölmarkt sei derzeit "auf einem Ohr taub", schrieben Experten der Commerzbank in einem Kommentar. Nach dem Fall der 100-Dollar-Marke sei mit weiteren Verlusten zu rechnen. Der Preisrückgang sei allerdings auch stark spekulativ getrieben.

Die Gründe für den fallenden Ölpreis trotz der schweren Krisen im Irak, in Syrien, Israel und der Ukraine sind vielfältig. So ist unter anderem die Nachfrage insgesamt gesunken, das Angebot bleibt jedoch überwiegend stabil. (Eine ausführliche Analyse zum Ölpreis lesen Sie hier.)

Die Stimmung könnte nach Einschätzung der Commerzbank Chart zeigen jedoch drehen, sollte es angesichts der geopolitischen Risiken zu größeren Produktionsausfällen kommen. Noch würden Meldungen über weitere Wirtschaftssanktionen gegen Russland kaum Eindruck hinterlassen. Auch die Tatsache, dass China im August rund sechs Prozent mehr Rohöl und 36 Prozent mehr Ölprodukte als im Vormonat eingeführt hatte, scheine den Markt nicht zu interessieren.

Auch der Preis für Rohöl der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) ist gefallen. Nach Berechnungen des Opec-Sekretariats vom Montag kostete ein Barrel am Freitag im Schnitt 98,36 Dollar. Das waren 77 Cent weniger als am Donnerstag. Die Opec berechnet ihren sogenannten Korbpreis auf Basis der zwölf wichtigsten Sorten.

yes/dpa

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insgesamt 29 Beiträge
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benuron 08.09.2014
1. Seltsam
wenn der Preis an der Zapfsäule steigt, argumentieren die Tankstellenketten mit dem Ölpreis. Wenn der Ölpreis aber sinkt wird der Sprit trotzdem nicht günstiger...
Ami8driver 08.09.2014
2. So so...
Und Spekulanten haben den Preis ja auch erst 2008 durch künstliche Verknappung nach oben steigen lassen. Hat hier vielleicht die Commerzbank auf´s falsche Pferd gesetzt und zu viele Ölpapiere gekauft? ;) Mal sehen, was sonst noch so kommt und wie es sich entwickelt.
Teoem 08.09.2014
3. Benzinpreise
Wenn das kein guter Grund ist, den Benzinpreis anzuheben .....
inovatech 08.09.2014
4. Und
warum kommt bei uns Verbrauchern nicht davon an ? Ergo: Sinnloser Artikel
Fritz.A.Brause 08.09.2014
5. Schade nur, dass wir...
...leider an der Tankstelle weiter schön abgekocht werden. Bei steigendem Ölpreis beeilen sich die Tankstellen beim Anstieg immer auf Tuchfühlung zu beliben. Sinkt der Ölpreis, nehmen sie es beim Abschmelzen der Preise eher gelassen. Jaja, ich weiss. Der Tankstellenpreis hängt von soooo vielen anderen Faktoren ab und vom Ölpreis nur gaaaanz indirekt....
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