Preisverfall bei Öl Saudischer Minister schwört Opec auf Konkurrenzkampf ein

Ungewöhnlich offen hat Saudi-Arabiens Ölminister über die Strategie der Opec-Staaten gesprochen: Sie würden ihre Fördermenge nicht kürzen, egal wie sehr der Ölpreis falle. Es ist eine Kampfansage an aufstrebende Konkurrenten.

Saudischer Minister Al-Naimi (Mitte): "Wenn der Preis fällt, dann fällt er"
AFP

Saudischer Minister Al-Naimi (Mitte): "Wenn der Preis fällt, dann fällt er"


London - Auf einige Mechanismen in der globalen Wirtschaft war in den vergangenen Jahrzehnten stets Verlass. Dazu zählte auch die Entwicklung des Ölpreises. Ging der Preis nach unten, kürzten die Opec-Staaten ihre Fördermengen - und schon wurde Öl wieder teurer. Doch mit diesem Mechanismus sei nun Schluss, kündigte Saudi-Arabiens Ölminister Ali Al-Naimi in Interviews an. Er gilt als einer der einflussreichsten Männer in der Energiebranche und als inoffizieller Anführer der Opec.

Es sei nicht im Interesse der Opec-Staaten, die Produktion zu kürzen, sagte Naimi dem Energie-Branchendienst Middle East Economic Survey. "Egal ob der Preis auf 20, 40, 50 oder 60 Dollar fällt." Die Zeit, in der ein Barrel Öl 100 Dollar gekostet habe, sei vorbei. Noch Mitte Juni lag der Ölpreis deutlich über 100 Dollar. Inzwischen ist er aber rapide gefallen und pendelt um 60 Dollar.

Damit ist Öl so billig wie seit fünfeinhalb Jahren nicht mehr. Die Talfahrt des Ölpreises hatte sich beschleunigt, nachdem die Opec sich bei ihrem Treffen Ende November trotz eines weltweiten Überangebots bei gleichzeitig schwächelnder Nachfrage gegen eine Senkung der Fördermenge entschieden hatte.

Den Grund für den Strategieschwenk der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) gibt Naimi ungewohnt offen preis: Die Staaten sorgen sich um ihre Marktmacht. Denn sie bekommen von Ländern wie den USA und Russland Konkurrenz. Allerdings ist die Produktion in den USA mit der kostspieligen Fracking-Methode deutlich teurer als die Förderung der Opec-Staaten am Persischen Golf.

"Es gibt kein Komplott gegen andere Länder"

Das derzeitige Preisniveau begünstigt deshalb effiziente Ölförderländer und belastet Produzenten mit hohen Kosten. "Wir wollen der Welt sagen, dass es die hocheffizienten Förderländer sind, die die Marktanteile verdient haben", sagte Naimi. "Wenn der Preis fällt, dann fällt er. Andere wird das bereits dann hart treffen, wenn wir noch gar nichts davon spüren."

Der saudische Ölminister erklärte, sein Land und andere Ölproduzenten am Persischen Golf könnten auch eine lange Periode niedriger Preise gut überstehen. Denn die Produktionskosten lägen bei niedrigen vier bis fünf Dollar pro Barrel. Dagegen seien etwa die Offshore-Projekte in der Tiefsee vor Brasiliens Küste oder die Förderung in der Arktis und in Westafrika deutlich teurer. "Wie lange sie auch aushalten, früher oder später werden finanzielle Aspekte ihre Produktion begrenzen", sagte Naimi mit Blick auf die entsprechenden Länder.

Selbst langjährige Analysten des Ölmarktes zeigten sich von den "aggressiven Aussagen" des saudischen Ölministers überrascht. Diese markierten den wohl fundamentalsten Wandel der Opec-Strategie seit den Siebzigerjahren, zitierte die "Financial Times" einen Analysten. Der Ölmarkt müsse sich in den kommenden Jahren auf heftige Preisschwankungen einstellen.

Zuletzt hatte es immer wieder Analysen und Berichte darüber gegeben, dass bestimmte Ölförderländer Konkurrenten ausschalten wollen. Auch Russlands Präsident Wladimir Putin hatte öffentlich spekuliert, es könnte eine Absprache zwischen den USA und Saudi-Arabien geben, um Iran, Russland und Venezuela zu schwächen.

Dem Sender CNN sagte Naimi, es gebe keine Bestrebungen gegen bestimmte Teilnehmer auf dem Ölmarkt. "Es gibt kein Komplott gegen andere Länder." Es stehe jedem Förderland frei, seine Fördermenge zu begrenzen, sagte der saudische Minister. Saudi-Arabien werde dies aber nicht tun. "Diese Position gilt - und zwar nicht nur 2015."

mmq

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insgesamt 147 Beiträge
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Maya2003 23.12.2014
1.
Die Saudis reden den Ölpreis runter - genau wisssend daß am Ende, nachdem die Konkurrenz finanziell am Ende ist, der große Reibach winkt. Was hier abläuft ist ein Ölkrieg - und die Kriegskasse der Wahabiten ist am besten gefüllt. Stellt sich nur die Frage was die Amis machen wenn IHRE Firmen kollabieren - ein Gespräch unter Freunden vielleicht.
Kartenhaus 23.12.2014
2. Das nennt man wohl Marktbereinigung
Mal sehen, wie lange die USA, die Gesellschaften, die in der Nordsee fördern und der Iran, der auf höhen Erdpreisen dringend angewiesen, aushalten.
snBandit 23.12.2014
3. Soviel zu...
dem Prinzip der selbstregulierenden Preisbildung bei Öl. Ich würde mal frech behaupten, dass das der Sargnagel für die russische Wirtschaft und den Fracking-Traum Amerikas war. Das die dortigen Fördermengen eh schon weit unter dem prognostizierten Niveau liegen, verschlimmert es nur - unabhängig vom jetzigen Minusgeschäft.
archivdoktor 23.12.2014
4. Bravo
Ich mag diese Saudis!!! Sogar sehr....
chiefseattle 23.12.2014
5. Saudis
Ein weiterer Beweis der Eigennützigkeit der Saudis. die Dumpingpreise des Öls sind ökonomisch und mathematisch widersinnig und schädigen die OPEC und alle erdölfördernde Staaten. Mit dem gewonnenen Geld werden die Saudis weiter fleißig Islamisten finanzieren, das steht fest.
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