Gekündigtes Iran-Abkommen Ölpreis nähert sich der 80-Dollar-Marke

Die neuen US-Sanktionen gegen Iran lassen die Ölpreise weiter steigen. Zuletzt verteuerte sich das Barrel um bis zu 50 Cent. Der Rohstoff kostet jetzt so viel wie vor fast dreieinhalb Jahren.

Ölpumpen in Kalifornien
REUTERS

Ölpumpen in Kalifornien


Der Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit Iran hat am Donnerstag für einen weiteren Anstieg der Ölpreise gesorgt. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent Chart zeigen zur Lieferung im Juli kostete am Morgen 77,72 US-Dollar. Das waren 51 Cent mehr als am Vortag. In der Nacht hatte der Preis bei bis zu 77,82 Dollar gelegen.

Ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im Juni wurde mit 71,62 Dollar notiert - 48 Cent mehr als am Vortag. In der Nacht hatte der Kurs bis zu 71,75 Dollar erreicht. Damit sind die führenden Rohölsorten der Welt so teuer wie zuletzt Ende 2014.

Nach dem von Präsident Donald Trump verkündeten Rückzug der USA aus dem Atomabkommen mit Iran ist die Lage im Nahen Osten angespannt. Israelischen Angaben zufolge beschossen iranische Kuds-Brigaden in der Nacht zum Donnerstag israelische Stellungen auf den Golanhöhen. Das israelische Militär wiederum griff iranische Stellungen in Syrien an. In den vergangenen Monaten hatte die israelische Armee mehrfach Ziele in Syrien attackiert. Konflikte im Nahen Osten könnten die Ölproduktion dämpfen - und dadurch die Preise steigen lassen.

Trumps Entscheidung hatte die Ölpreise bereits am Mittwoch um mehr als zwei Dollar anziehen lassen. Hauptgrund war die Furcht vor Angebotsengpässen, weil die Vereinigten Staaten ausgesetzte Sanktionen wiederaufleben lassen.

"Wir werden die höchste Stufe von Wirtschaftssanktionen einführen", sagte Trump. Allerdings ist unklar, was das Vorgehen der USA für den Ölmarkt konkret bedeutet. Die Europäische Union hält Trumps Entscheidung mit Blick auf die Lage im Nahen Osten für gefährlich und will die Sanktionen ausgesetzt lassen.

"Es herrscht die Sorge, dass die iranischen Ölexporte um eine Million Barrel pro Tag zurückgehen", sagte der Volkswirt Tomomichi Akuta von Mitsubishi UFJ Research and Consulting. Deswegen könnte sich Brent demnächst noch bis auf rund 90 Dollar verteuern. Viel weiter dürfte es nach Einschätzung von Experten aber nicht nach oben gehen, unter anderem, weil der weltgrößte Ölexporteur Saudi-Arabien als Stabilisator wirken will.

Saudis wollen Preis "nicht im Alleingang" stabilisieren

Bis zum Sommer oder sogar Herbst seien keine handfesten Auswirkungen auf die Ölmärkte zu erwarten, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters einen Insider des Förderkartells Opec, der mit der Strategie Saudi-Arabiens vertraut ist.

Das Königreich ist dem Bericht zufolge bereit, mehr zu fördern und damit für eine Stabilisierung zu sorgen. Dies werde es jedoch "nicht im Alleingang" tun. Die Herrscher in Riad stimmen sich laut dem von Reuters befragten Gewährsmann eng mit den Vereinigten Arabischen Emiraten ab, die dieses Jahr den Opec-Vorsitz innehaben. Dies gelte auch für das Nicht-Opec-Mitglied Russland.

Seit Monaten bremsen maßgebliche Exportländer wie Saudi-Arabien und Russland die Förderung, um die Preise zu stützen. Im Vergleich zu seinem Tief von Januar 2016 hat sich der Brent-Preis deswegen in etwa verdreifacht. Einen Teil der Angebotsausfälle könnten zudem die USA auffangen. Durch den gestiegenen Ölpreis wird die technisch aufwendige und kostspielige Förderung von Schieferöl profitabler.

dab/dpa/Reuters

insgesamt 28 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
rkinfo 10.05.2018
1. Mit BIOSPRIT würde das nicht passieren
Die Wirtschaft wächst, der Bedarf an Benzin statt Diesel steigt, der Abbau der Ölheizungen stagniert genauso, wie eine effiziente energetische Sanierung der Gebäude oder Neubau. Die teils zu niedrigen Ölpreise haben Investitionen in neue Ölquellen erlahmen lassen, sodass nun auch die Fördermenge wacklig wird. Brasilien wird nun höhere Anteile an Bioethanol aus Zuckerrohr an der Tankstellen verkaufen, während uns und vor allem die armen Länder der Erde die Ölpreise voll treffen negativ werden. Somit wird es jetzt problematisch für die ganze Welt - aus eigener Dummheit. Ich werden zumindest meinen guten, alten Euro5 Diesel so lange fahren, bis Ottomotoren mit E5 bis E100 Tauglichkeit an dern Markt kommen. Mache doch den Ölpreiszirkus nicht freiwillig mit - bin ich bekloppt ;-)
mhwse 10.05.2018
2. mag ja sein
dass das Betanken von eAutos umständlich ist - aber wenn der Sprit Preis durch die Decke geht, dürfte sich nächtliches Tanken mit billig Windstrom recht schnell durchsetzen - oder? Und wie lange dann die Stromtrassen noch blockiert werden?
paula_f 10.05.2018
3. gut für das Klima und die Menschheit
wir haben alles! Um Strom und Wärme zu erzeugen ohne dabei einfach Öl oder Gas zu verbrennen oder sogar die Landschaft zu zerstören und Braunkohle ohne Quecksilberfilter zu verbrennen. Der Dreck der dabei entsteht vergiftet uns. Bei hohen Ölpreisen und sinkenden Einnahmen lohnt es sich Wärmepumpe mit Solarthermie zu koppeln, es lohnt sich die Dächer mit preiswerten Photovoltaikmodulen anstellen von Ziegeln zu decken und Windkraft ist sowieso die billigste Art Strom zu erzeugen. In China laufen schon 45 Millionen Elektroroller und immer mehr Elektroautos - dort werden täglich 200 Windräder aufgestellt. Stromspeicher billig und groß bei uns erfunden, werden jetzt in China gebaut - z.B. nach dem Natronlokprinzip oder z.B. diverse Varianten der RedoxFlow Batterien.
wiealle 10.05.2018
4. Wird auch Zeit!
Die Bemühungen um Energieeffizienz und Klimaschutz sind in den letzten Jahren immer wieder an wirtschaftlichen Gründen gescheitert: Die Maßnahmen waren klar und eindeutig, haben aber mehr Geld gekostet, als sie kurzfristig eingespart haben. 80 Dollar sind ein guter Anfang. Knapp unter 100 Dollar/Barrel bis Ende des Jahres wäre perfekt. Damit wären viele Maßnahmen wirtschaftlich, die Volkswirtschaft könnte aber damit klarkommen. Langfristig muss der Ölpreis rauf auf 200 Dollar, dann werden die regenerativen Energien einfach wirtschaftlicher sein. Die Technologien sind alle vorhanden, der Markt bewegt sich in die richtige Richtung. So makaber das alles ist, Trump wird sich durch seine Art am Ende vielleicht noch als der wichtigste Klimaschützer erweisen, weil er alle konventionellen Systeme kaputtgemacht hat.
Edgard 10.05.2018
5. Danke, Trump...
... sollte Putin jetzt eigentlich twittern - die russischen Staatseinnahmen steigen ohne daß er dafür einen Finger rühren mußte. Die USA schießen sich wirtschaftlich ins eigene Knie - was u.a. den Flugzeugbau betrifft - und treffen damit die beiden verhaßte EU gleich mit. Und die Iraner erneuern ihre Passagierflugzeugflotte mit Russland. Ich meine - sooo blöd kann doch ein einzelner Mensch garnicht sein... oder ist das jetzt das was Putin mit seinem Trumpsupport erreichen wollte? Na, dann hat er es erreicht.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.