Ölpreisabsturz Bergbauriese muss Fracking-Milliarden abschreiben

Zwanzig Milliarden Dollar hat der weltgrößte Bergbaukonzern BHP Billiton ins US-Geschäft mit Schiefergas und -öl gesteckt. Nun schreibt er rund ein Drittel davon ab: Der Ölpreisverfall macht die Förderung durch das umstrittene Fracking unrentabel.

Ölpumpen in Kalifornien (Archivbild): Wachsende Konkurrenz für die Saudis
REUTERS

Ölpumpen in Kalifornien (Archivbild): Wachsende Konkurrenz für die Saudis


Der weltweit größte Bergbaukonzern BHP Billiton Chart zeigen schreibt mehr als sieben Milliarden Dollar ab, die er durch die Gewinnung von Schieferöl und -gas in den USA einnehmen wollte. Als Grund nannte Konzernchef Andrew Mackenzie laut einer Mitteilung den Preisverfall beim Rohöl, der zu der "enttäuschenden Wertminderung" geführt habe.

Öl und Gas aus Schiefer werden unter anderem durch das umstrittene Fracking gewonnen, bei dem ein Gemisch von Wasser und Chemikalien ins Gestein gepumpt wird. Das Verfahren ist teuer und lohnt sich deshalb erst ab einem Ölpreis von etwa 70 Dollar pro Barrel. In dieser Woche fiel der Preis jedoch zeitweise unter 30 Dollar. Die Frackingbranche gehört zu den größten Verlierern dieser Entwicklung.

Nach Steuern wird die erwartete Abschreibung nach Angaben von BHP Billiton 4,9 Milliarden US-Dollar betragen. Der australisch-britische Konzern war 2011 mit Investitionen von mehr als 20 Milliarden Dollar in den US-Markt für Schieferöl und -gas eingestiegen. Den langfristigen Geschäftsausblick behielt BHP bei.

Ein Überangebot an Rohöl auf den Weltmärkten lastet seit längerer Zeit auf den Öl- und Gaspreisen, was die Förderung weniger rentabel macht. Dies liegt insbesondere daran, dass sich Saudi-Arabien als wichtigstes Förderland bislang weigert, seine Produktion zu drosseln.

Neben dem Erzfeind Iran wollen die Saudis mit ihrem Verhalten mutmaßlich auch die Frackingbranche in den USA treffen. Durch deren Boom in den vergangenen Jahren liefern die Amerikaner erstmals seit Jahrzehnten wieder Öl ins Ausland und werden damit zunehmend zur Konkurrenz für Saudi-Arabien.

dab/Reuters/dpa



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insgesamt 50 Beiträge
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oldmax 15.01.2016
1. Locker !
Diesen Abschreiber werden die US easy mit "Bussen" bei europäischen Unternehmen wieder hereinholen
G-Punkt 15.01.2016
2. still legen und warten
Ich würde an seiner Stelle die Anlagen still legen, und warten, bis die erste. "Opfer" der Preisschlacht weg sind. Nachher wird der Ölpreis noch viel höher sein als vorher. Nicht, das ich Fracking für gut finde. Gewisse "Spassvögel" wollen dies ja am Bodensee betreiben, welchen 5 Millionen Leute für ihr Trinkwasser gebrauchen ...
ir² 15.01.2016
3. Kein Peak Oil in Sicht....
...wenn man den aktuellen Ölbedarf der Welt mit 30$/Barrel decken kann. Aber das trifft nicht nur die Fracking Industrie, auch der Deutschen "Energiewende" dürfte bei dem Ölpreis schnell die Luft ausgehen. Danke Saudis.
honey_d 15.01.2016
4. Ins Knie geschossen
Irgendwie wird man den Eindruck nicht los, dass sich nicht nur Saudi-Arabien mächtig ins Knie schießt, sondern auch andere, die aufs falsche Pferd gesetzt haben... so wie es langfristig noch immer passiert ist, wenn Ökonomie gegen Ökologie ausgespielt wird.
chalchiuhtlicue 15.01.2016
5. Ehrlich gesagt ...
... verspüre ich eine ziemliche Schadenfreude, dass sich dieses umweltzerstörende Verfahren nun zu einem Bumerang für dessen Anwender entwickelt. Oder um es mit den großen Worten von Nelson aus den Simpsons zu sagen: "Ha ha!"
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