Streit über Förderbegrenzung Ölproduzenten schaffen keine Einigung

Die Autofahrer dürfte es freuen, für die Ölförderländer ist es aber ein Rückschlag: Trotz der niedrigen Preise konnten sich wichtige Staaten beim mit Spannung erwarteten Treffen in Doha nicht auf eine Deckelung der Produktion einigen.

Delegation aus Bahrain in Doha
REUTERS

Delegation aus Bahrain in Doha


Das Treffen einiger der wichtigsten Ölstaaten im Golfemirat Katar ist am Sonntag ohne eine Einigung zu Ende gegangen. Die Vertreter von mehr als einem Dutzend Ölförderer, darunter das mächtige Saudi-Arabien und Russland, wollten sich in Doha eigentlich auf die Deckelung der Ölproduktion auf dem Niveau vom Januar einigen, um dem Preisverfall auf dem Weltmarkt entgegenzuwirken.

Es war zunächst unklar, ob die verfehlte Einigung mit der Absage Irans, das an dem Treffen gar nicht teilnahm, an eine mögliche Deckelung zu tun hat. Teheran hatte mitgeteilt, bei den Plänen von Saudi-Arabien und Russland nicht mitmachen zu wollen: "Da wir einen Plan fürs Einfrieren nicht unterzeichnen wollen, gibt es auch keine Notwendigkeit, jemanden vor Ort in Doha zu haben", sagte Ölminister Bidschan Namdar Sanganeh am Sonntag nach Angaben der Nachrichtenagentur Shana.

Ölproduktion in Basra (Irak)
REUTERS

Ölproduktion in Basra (Irak)

Iran werde aber seine Produktion auf 4 Millionen Barrel am Tag - und damit auf den Level vor den im Januar aufgehobenen Sanktionen - wie geplant erhöhen, so der Minister.

Teilnehmern zufolge trug nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters vor allem Saudi-Arabien dazu bei, dass es zu keiner Einigung kam. Das Land habe zur Bedingung gemacht, dass alle 13 Opec-Länder ihre Produktion einfrieren müssten - also auch Iran.

Die Diskussionen über eine Deckelung der Fördermengen könnten im Juni wieder aufgenommen werden. Der Ölpreis war von Mitte 2014 bis Ende 2015 um bis zu 70 Prozent eingebrochen. Mitglieder der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) sowie weiterer wichtiger Fördernationen wie Russland verhandeln seit Wochen über Möglichkeiten, den rapiden Verfall der Preise einzudämmen.

Die Ölschwemme war unter anderem deswegen entstanden, weil führende Förderer wie Saudi-Arabien im Zuge wachsender Konkurrenz - zum Beispiel durch die von US-Firmen eingesetzte Fördertechnik Fracking - ihre Marktanteile durch eine Erhöhung der Produktion halten wollten. Verbraucher freuen sich zwar über günstige Preise für Benzin und Heizöl. Den Förderländern aber rissen sie riesige Löcher in die Haushaltskassen.

Die Opec-Staaten förderten im März 32,25 Millionen Barrel Öl pro Tag, 15.000 Barrel mehr als im Februar. Das Nicht-Opec-Mitglied Russland, das tief in der Rezession steckt, hat zu Jahresbeginn sogar mit täglich 10,88 Millionen Barrel so viel Öl gepumpt wie seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion nicht mehr. In Russland machen Energieverkäufe etwa die Hälfte der Staatseinahmen aus.

vet/als/dpa/Reuters

insgesamt 83 Beiträge
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abc-xyz 17.04.2016
1. Exzellent
Es ist erfreulich, dass die Rivalitäten zwischen Saudi-Arabien, Russland und Iran nicht beigelegt werden können. Das hat a) den Vorteil, dass die Ölpreise niedrig bleiben und b) Russland und dem Iran das Geld für Angriffskriege ausgeht (Saudi-Arabien kommt wohl gut klar). Kurz: Exzellent!
joG 17.04.2016
2. Sobald die Weltwirtschaft....
....wieder anspringt, wird der Ölpreis wieder steigen können. Vorher wird das nicht gehen. Da ist der Druck zu groß und es sind die Interessen zu gegensätzlich.
conbrio 17.04.2016
3. War zu erwarten
Außerdem scheint mir, daß sich die Kraftstoffpreise, zumindest in letzter Zeit, ohnehin nicht mehr in Relation zu den Rohölpreisen bewegen.
Mondaugen 17.04.2016
4. Positiv
Bei all den negativen Nachrichten aus dem Nahen Osten ist diese doch einmal positiv, vor allem für die Verbraucher. Allerdings hätte es mich auch gewundert, wenn die Saudis, die am längeren Hebel sitzen, Iran und Russland auf die Beine geholfen hätten.
ArnoNym 17.04.2016
5. Ölpreise niedrig?
Zitat von abc-xyzEs ist erfreulich, dass die Rivalitäten zwischen Saudi-Arabien, Russland und Iran nicht beigelegt werden können. Das hat a) den Vorteil, dass die Ölpreise niedrig bleiben und b) Russland und dem Iran das Geld für Angriffskriege ausgeht (Saudi-Arabien kommt wohl gut klar). Kurz: Exzellent!
Sehe ich zwar grundsätzlich genauso, aber wie kommen Sie auf die Idee, die Ölpreise seien niedrig? Schließlich haben wir gerade den höchsten Stand seit Ende November. Ich würde eher sagen, die Ölpreise befinden sich auf einem akzeptablen Level. Das aber auch nur wegen des Zusatzeffekts, daß die Weltwirtschaft schwächelt.
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