Massives Überangebot Ölpreis für die US-Sorte WTI fällt unter 30 Dollar

Die Ölpreise sinken immer schneller: Ein Barrel der US-Sorte WTI ist zeitweise unter die Marke von 30 Dollar gefallen. Der kontinuierliche Preisverfall destabilisiert nicht nur die krisengeplagten Förderländer - sondern die ganze Welt.

Ölförderung in China: Massives Überangebot lässt Preise abstürzen
REUTERS

Ölförderung in China: Massives Überangebot lässt Preise abstürzen


Die Talfahrt am Ölmarkt geht weiter. Am Dienstag setzten die Weltmarktpreise für Rohöl ihren Sinkflug der vergangenen Tage fort. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte WTI zur Lieferung im Februar fiel kurzzeitig sogar erstmals seit dem Dezember 2003 unter die Marke von 30 US-Dollar in Euro Chart zeigen und kostete im Tief 29,93 Dollar. Danach erholten sich die Preise wieder etwas.

Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete am Dienstagabend 30,90 Dollar und damit 65 Cent weniger als am Vortag. Im Tagestief waren es mit 30,34 Dollar noch etwas weniger. Allein seit Jahresbeginn ist der Preis für die Sorte, die oft als Referenzwert für die globalen Ölpreise nageführt wird, um mehr als um fast 20 Prozent gefallen.

Der Absturz der Ölpreise könnte sich weiter fortsetzen. Zahlreiche Analysten haben ihre Prognosen teil drastisch gesenkt. So hält das Finanzunternehmen Standard Chartered nunmehr einen Rückgang des Preises auf zehn Dollar für möglich. Knapp über zehn Dollar lag Brent zuletzt Ende der Neunzigerjahre. Die britische Bank Barclays senkte ihre durchschnittliche Preisprognose für 2016 von 60 auf 37 Dollar.

Als Hauptgrund für den Preisverfall gilt neben den Spekulationen an den Terminmärkten die weltweite Ölschwemme. Durch den Schieferölboom in den USA und den Verzicht der Opec auf die Begrenzung der Fördermengen ist das Überangebot zuletzt deutlich gewachsen.

Durch den Preiskampf könnte es mächtigen Opec-Mitgliedern wie Saudi-Arabien gelingen, andere Anbieter wie aufstrebende Produzenten aus den USA aus dem Markt drängen.

Viele Analysten erwarten, dass die Produzenten mit hohen Förderkosten wie die Fracking-Firmen in den USA nach und nach aufgeben werden. Hinweise darauf könnten die Bestandsdaten aus den USA geben, die der Branchenverband API am späten Dienstagabend veröffentlichen will.

Der Absturz der Ölpreise gilt als globales Sicherheitsrisiko. In Algerien, Libyen, Nigeria, Venezuela, Ecuador und weiteren Ländern fehlt den Regierungen das Geld für Sozialprogramme und Sicherheit - dadurch sind neue Unruhen und Proteste zu befürchten. Der Irak muss für seinen Krieg gegen den "Islamischen Staat" seine Notreserven anzapfen. Und im russischen Haushalt dürfte im kommenden Jahr ein großes Loch klaffen - was nach Ansicht mancher Experten zu neuen außenpolitischen Ablenkungsmanövern führen könnte.

ssu/sun/Reuters/dpa-AFX



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insgesamt 93 Beiträge
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Seite 1
SarahMue 12.01.2016
1. Ich würde gerne wissen...
...warum der Ölpreis so dramatisch sinkt obwohl die Nachfrage stetig steigt und keine nennenswerten neuen Ölfelder gefunden werden. Wird der Preis manipuliert? Wissen einige Spieler, dass die Ära des Öls bald beendet ist? Hat jemand eine schlüssige Antwort?
abc-xyz 12.01.2016
2. Sehr gut
Es gibt immer noch genug Potential nach unten. 10 bis 12 Dollar pro Fass, dann können alle Petrostaaten (außer Saudi Arabien, Katar und die Emiraten) Konkurs anmelden. Exzellent!
schweizerbesserwisser 12.01.2016
3. Angebot und Nachfrage
finden sich. Das Ergebnis heisst Preis. Da aber sowohl Angebot ("Saudis", "Fracking" usw.) wie Nachfrage ("Steuern", "Dollarkurs", "Technologie" usw.) massiv über die Bande beeinflusst werden, entstehen regelmässig massive Über- bzw. Unterbewertungen die wiederum Auswirkungen zeigen wie z.B. Anpassungen der Budgets für Exploration der Energieproduzenten. Ich geniesse tiefe Ölpreise im Bewusstsein das diese für grosse Teile der Welt den gleichen Effekt wie tiefere Steuern haben. Und wer bezahlt schon gerne Steuern .. Nur meine Meinung. Gruss aus Zürich
ray8 12.01.2016
4. Fatal!
Kein dt. Autofahrer sollte sich mehr über die fallenden Spritpreise freuen. Der Kater nach der Party wird heftig! Beängstigend ist vor allem das unFASSbare Tempo des Preisverfalls. Das kann kaum eine hiervon abhängige Volkswirtschaft so schnell auffangen. Der Autor hat vollkommen Recht. Es drohen Unruhen. Vor ein paar Wochen war ich noch schadenfroh, da Despot Putin jetzt in Schwierigkeiten gerät. Der Spaß ist mir vergangen.
rkinfo 12.01.2016
5. Öl-Ausfallgeld zahlen ?
Man könnte einzelne Ölquellen still setzen und Ausfallgeld für die Fixkosten der Förderung zahlen. Im Prinzip läuft dies im Schweinezyklus aber nur wie in Zeitlupe mit extremen Folgekosten. Man muss auch überlegen Termingeschäfte mit Energie und staatliche Aufsicht zu stellen.
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