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Warten auf höhere Preise: Shell und Co. bunkern Erdöl in Supertankern

Warten auf Preissprung: Händler bunkern Erdöl in Supertankern auf See Zur Großansicht
AFP

Warten auf Preissprung: Händler bunkern Erdöl in Supertankern auf See

Weltweit wird mehr Erdöl produziert als verbraucht, der Rohstoff ist so billig wie seit Jahren nicht mehr. Die Händler mieten deshalb derzeit offenbar verstärkt Supertanker an, um das Öl auf See zu lagern bis die Preise wieder steigen.

London - Das weltweite Überangebot an billigem Erdöl bringt die Händler der Branche auf Ideen: In der Hoffnung auf anziehende Preise, mieten sie offenbar derzeit verstärkt Supertanker an, um den Rohstoff erst einmal auf hoher See zu lagern.

Zu den Unternehmen gehören der Nachrichtenagentur Reuters zufolge der größte unabhängige Ölhändler Vitol und die in der Schweiz ansässige Trafigura, aber auch der Energiekonzern Shell. Reuters bezieht sich auf Informationen aus Schifffahrts- und Frachtmaklerkreisen.

Vitol etwa buchte demzufolge mit der "TI Oceania" einen der größten Supertanker überhaupt, der ein Fassungsvermögen von drei Millionen Barrel hat, das sind fast eine halbe Milliarde Liter. Trafigura sicherte sich mit der "Nave Synergy" ebenfalls einen Megatanker und Shell buchte mit der "Xin Run Yang" und der "Xin Tong Yang" gleich zwei solcher Schiffe.

Den Schifffahrtslisten zufolge kosten die Tanker zum Teil deutlich weniger Miete als sonst üblich, da es sich oft um ältere Schiffe und um langfristige Mietverträge von bis zu zwölf Monaten handelt. Den Informationen zufolge konnten die Händler Mieten von weniger als 40.000 Dollar am Tag aushandeln, was 20.000 bis 30.000 Dollar unter dem jüngsten Durchschnitt liegt.

Die Händler spekulieren auf einen Anstieg des zuletzt bis um die Hälfte gefallenen Erdölpreises. So kostet ein Barrel der führenden Nordseemarke Brent zu Lieferung Ende 2015 acht Dollar mehr als derzeit am Spot-Markt. Dort war der Preis am Mittwoch auf 49,66 Dollar pro Barrel gefallen und lag damit so tief wie seit 2009 nicht mehr.

Insgesamt wurden nach ersten Schätzungen bislang zwischen zwölf und 15 Millionen Barrel an Lagerkapazitäten auf See gebucht. Und es gebe weitere Anfragen, heißt es laut Reuters aus den Schifffahrtskreisen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Händler Öl für einen späteren Verkauf bunkern: Beim letzten Ölpreisverfall 2009 hatte es mehr als hundert Millionen Barrel Lagerkapazität auf See gegeben. Nach Einschätzung von Analysten von JBC Energy in Wien könnte die Lagerung dort zumindest zeitweise auch den Erdölpreis auf den Märkten stabilisieren.

nck/Reuters

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insgesamt 33 Beiträge
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1. Bunkern in Supertankern?
luwigal 09.01.2015
OK. Allerdings muss dann auch mit aller Härte gegen diejenigen vorgegangen werden, die diese Praxis üben, wenn einer dieser Supertanker eine Umweltkatastrophe verursacht. Man sollte sehr wohl dahingehend unterscheiden ob der Tanker sich auf einem nicht vermeidbaren Transportweg von A nach B befand oder ob er zum Bunkern, also Lagern auf See missbraucht wurde. Hat man nicht aus der Vergangenheit gelernt? Aufgepasst! Exxon Valdez lässt grüßen. Auf hoher Bunkern mit einer Umweltkatastrophe als Folge? Die Folgen müssen den Lebensnerv der Spekulanten treffen.
2. Und wenn so ein Lagertanker untergeht
monolithos 09.01.2015
Neu ist die Idee tatsächlich keineswegs: Der Iran bunkert auch schon seit Jahren Öl auf Tankern in der Hoffnung, es irgendwann wieder auf dem Weltmarkt verkaufen zu können. Grund war hier nicht der Ölpreis, sondern die Sanktionen gegen ihn. Bedenklich finde ich, dass es sich auch bei nichtsanktionierten Ölhändlern um Lagerkapazitäten auf älteren Schiffen handelt, von denen man nicht so richtig weiß, ob sie die Zeit, bis das Öl wieder teurer wird, überstehen. Wenn so ein Lagertanker leckschlägt und/oder untergeht, dürfte der Kostenvorteil einer ganzen Flotte dahin sein. Außerdem dürfte es ja ein attraktives Ziel für Piraten und andere Terroristen sein. Oder für die US-Luftwaffe (in Abhängigkeit davon, wem der Tanker bzw. das Öl darauf gehört).
3. Gier schaltet Hirn aus?
Bin_der_Neue 09.01.2015
Na hoffentlich verzetteln sich diese gierigen Händler jetzt aber mal so richtig. Bleibt zu hoffen, dass die Schiffsladungen möglichst schnell unter den Hammer kommen. Bevor noch so ein "Supertanker" havariert und die ganze Brühe ins Meer läuft. Je mehr von den Dingern da draussen (überflüssig) herumschippern, umso höher ist Gefahr, das einer davon leck schlägt. Ganz einfache Rechnung.
4. Abwarten
gerhard2010 09.01.2015
bis ein paar dieser schwimmenden Eierschalen auf See mal durchbrechen. Dann sehen wir mal wo unsere Benzingeile Gesellschaft ihren Fishburger herkriegt. G2010
5. Angebot und Nachfrage
toptip 09.01.2015
Wenn, wie oben geschrieben, mehr produziert wird als abgenommen wird, dann muss das physische Überangebot physisch wohin. Ob das gleich sinistre Spekulation auf höhere Preise ist? Die kommen wahrscheinlich auch mit steigender Nachfrage wieder, aber wann die kommt?! Muss aber schon ziemlich steigen, um bei $40k am Tag noch einen Gewinn zu machen. Wäre interessant zu wissen, woher das all stammt und durch welche Raffinerien es müsste (ggf. ist da das Nadelöhr). In welchem Verhältnis so ein Supertanker zum täglichen Verbrauch steht, wäre auch interessant, aber da müsste unser Journalist ja googeln.
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