Ölpreisverfall Shell streicht 10.000 Arbeitsplätze

Der niedrige Ölpreis lässt die Gewinne des Energiemultis Shell implodieren. Im Zuge der Übernahme des britischen Gasförderers BG sollen zudem 10.000 Stellen gestrichen werden.

Kerosin-Tank von Shell: Der Ölkonzern baut 10.000 Stellen ab
DPA

Kerosin-Tank von Shell: Der Ölkonzern baut 10.000 Stellen ab


Der britisch-niederländische Energiekonzern Shell muss wegen des Ölpreisverfalls schwere Gewinneinbußen hinnehmen. Im Schlussquartal 2015, so befürchtet die Geschäftsleitung, werden unter dem Strich nur 1,6 bis 1,9 Milliarden US-Dollar übrig bleiben. Ein Jahr zuvor waren es noch 3,3 Milliarden Dollar gewesen.

Die notwendigen Sparmaßnahmen bekommen die Mitarbeiter zu spüren. Im Zuge der geplanten Übernahme des britischen Gasförderers BG sei 2015 und 2016 ein Abbau von 10.000 Stellen in beiden Unternehmen geplant, hieß es. Die Kosten sollen im laufenden Jahr um weitere drei Milliarden Dollar gesenkt werden.

Die großen Ölkonzerne sind wegen stark gesunkener Ölpreise massiv unter Druck geraten. Der Preis für die Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich am Morgen um 2,1 Prozent auf 28,15 Dollar je Barrel und lag damit nur noch etwa einen halben Dollar über ihrem Zwölfjahrestief vom Montag. Die US-Sorte WTI war mit 27,49 Dollar zeitweise so billig wie zuletzt im September 2003.

Shell hält an BG-Übernahme fest

Trotz des Preisverfalls hält Shell an der geplanten Übernahme der BG Group fest. Diese sei nur noch eine Frage von Wochen, hieß es. Der Konzern hatte Anfang April 2015 der Fusion mit Shell zugestimmt. Der Wettbewerber wollte damals umgerechnet knapp 70 Milliarden Dollar in Aktien und Bargeld für die BG Group auf den Tisch legen. Shell will sich gemeinsam mit dem Partner verstärkt Tiefseebohrungen und dem Flüssiggas LNG zuwenden.

BG Group konnte dank eines höheren Ausstoßes die Auswirkungen der niedrigen Energiepreise im vergangenen Jahr etwas abfedern. 2015 dürfte der Gewinn bei mindestens 2,3 Milliarden US-Dollar liegen, teilte der Konzern mit. Wie allen Öl- und Gasproduzenten macht auch BG der Ölpreisverfall zu schaffen. BG-Chef Helge Lund sieht den Konzern nun auf Kurs oder sogar etwas über den Zielvorgaben.

brt/dpa



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insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
sogehtdasnicht 20.01.2016
1. Da muss man Verständnis haben...
Wenn man nicht mal mehr 2 Mrd. Dollar in drei Monaten NACH ABZUG aller Kosten übrig hat, dann muss man 10.000 Leute rauskegeln... Das sind halt harte Zeiten...
reflectionman 20.01.2016
2. Es fehlen einem die Worte!!
Ein UNternehmen macht einen Milliarden-Gewinn und entlässt trotzdem Mitarbeiter. Das kann nicht richtig und logisch sein, auch wenn die gläubigen Anhänger und Jünger des kapitalistischen Denkmodells das immer behaupten. Beispiel: Meine Familie führt ein mittelständisches Unternehmen seit 1927. Mein Opa sagte immer "es gibt nicht nur gute sondern auch schlechte Zeiten". Es wurden noch nie Mitarbeiter aus wirtschaftlichen Gründen entlassen, selbst nicht in den schlechten Zeiten (von WWII mal abgesehen, da gab es natürlich gar nix mehr :) ) das ist in meinen Augen echtes Unternehmertum!!
smartphone 20.01.2016
3. Interessante Denkmodelle
Offen gesagt wundert mich es, daß gewisse Führungskräfte noch ohne Panzerwagen sich bewegen können. Die Denkmodelle, mit welchen die Mitarbeiter ( Arbeitssklaven?! ) losgehen .... @#2 selebt im sog kleinen Mittelstand agieren div Chefs mit einer Attitüde,die hochtendenziös ist .... Da wird mutwillig udn grundlos praktisch die komplette Lebenskarriere von jungen leuten zerstört udn dann schreit man in der (Lokal)Presse noch vom FKM ---also die Leute ,die man gerade gefeuert hat ( zB SORG Lohr
utfcmac 20.01.2016
4.
Zitat von sogehtdasnichtWenn man nicht mal mehr 2 Mrd. Dollar in drei Monaten NACH ABZUG aller Kosten übrig hat, dann muss man 10.000 Leute rauskegeln... Das sind halt harte Zeiten...
Ja nun, seit dem zweiten Weltkrieg wurde die Dividende nicht mehr gekürzt und ich will weiterhin meine 1,88 pro Aktie haben ;). So läuft es im Kapitalismus.
Charlie Hebdo 20.01.2016
5. man muss sich mal in die Lage der Verantwortlichen und Investoren
versetzen. Wenn man in einen Konzern sehr viel Geld investiert, möchte man auch eine Rendite haben, die über dem Sparzins liegt. Leider gibt es zu viele Führungskräfte, die diese Vorgaben von Investoren durch Entlassung von Mitarbeitern erreichen wollen, anstelle durch Innovation, Wachstum, Produktivitätssteigerungen. JEDER von uns, der von einem Vorgesetzten (betrachten wir die Eigentümer [= Aktionäre] eines Unternehmens als Vorgesetzte) Zielvorgaben hat, wird diese zu erreichen versuchen, wenn er dadurch eine Jahresprämie bekommt. Durch das Senken von Kosten steigt meistens der Aktienkurs. Dadurch steigt das Vermögen der Investoren. Durch das Senken der Kosten steigt meistens der Profit des Unternehmens. Dadurch steigen die Dividenden der Aktionäre. So verwerflich das alles ist: JEDER von uns, der sein Geld investiert (Sparbuch, Aktien, Immobilien), möchte nicht nur sein Geld SICHER parken, er möchte es auch VERMEHREN. Wie verwerflich das ist, muss jeder mit sich selbst ausmachen.
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