Österreich: Freispruch für sechs Bawag-Manager

Die Angeklagten wurden von den früheren Bankchefs getäuscht und später zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Nun sind die Manager der österreichischen Gewerkschaftsbank endgültig freigesprochen worden.

Wien - Im größten Finanzskandal in der Geschichte Österreichs sind sechs frühere Manager der Gewerkschaftsbank Bawag in einem Berufungsprozess freigesprochen worden. Der ebenfalls angeklagte frühere Aufsichtsratspräsident Günter Weninger wurde am Dienstag zu einem Monat Haft verurteilt. Der Vorsitzende Richter Christian Böhm erklärte zur Begründung, er habe keine ausreichenden Beweise gefunden, dass die Angeklagten der Bank vorsätzlich schaden wollten.

Demnach wurden die Angeklagten von dem früheren Bankpräsidenten Helmut Elsner und seinem Nachfolger Johann Zwettler gezielt getäuscht. Die sieben Angeklagten waren im Juli 2008 wegen Betrugs und Vertrauensbruchs zu Haftstrafen zwischen 18 Monaten und vier Jahren verurteilt worden. Das Urteil war jedoch anschließend wegen Verfahrensfehlern vom Obersten Gerichtshof aufgehoben worden. Unter den nun Freigesprochenen ist auch der Investor und Kunstsammler Wolfgang Flöttl, der bisher als einer der Hauptschuldigen galt.

Die traditionsreiche Bank für Arbeit und Wirtschaft (Bawag) war 2006 nach hochriskanten Geldgeschäften in Steuerparadiesen an den Rand des Bankrotts geraten. Das Institut, das einst im Besitz des Österreichischen Gewerkschaftsbundes gewesen war, musste vom Staat mit 450 Millionen Euro und weiteren 900 Millionen Euro als Garantie vor der Pleite gerettet werden. 2007 wurde sie an den US-Investor Cerberus verkauft.

Elsner und sein Nachfolger Zwettler wurden im Juli 2008 wegen Betrugs und Bilanzfälschung zu neuneinhalb und fünf Jahren Haft verurteilt. Die beiden Vorstandsvorsitzenden hätten ihre Befugnisse missbraucht und der Bank mit hochriskanten Geldgeschäften einen Schaden in Milliardenhöhe zugefügt, hieß es damals. Später wurde Elsners Strafe auf sieben Jahre reduziert. Nach viereinhalb Jahren wurde er wegen Gesundheitsproblemen aus dem Gefängnis entlassen.

cte/AFP

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