Skandalbank Österreich will Hypo Alpe Adria möglichst billig loswerden

Sie hatte die BayernLB fast in den Abgrund gerissen - jetzt könnte sie den Ruf Österreichs an den Finanzmärkten ruinieren: Die Hypo Alpe Adria erweist sich als unsanierbar. Die Fachleute in der Alpenrepublik diskutieren deshalb, wie sich die Skandalbank zu möglichst geringen Kosten abwickeln lässt.

Hypo-Alpe-Adria-Zentrale in Klagenfurt: Nicht kalkulierbares Abenteuer
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Hypo-Alpe-Adria-Zentrale in Klagenfurt: Nicht kalkulierbares Abenteuer


Wien - Die österreichischen Bankenaufseher warnen vor einer Pleite der verstaatlichten Krisenbank Hypo Alpe Adria. Die Risiken bei einer Insolvenz der ehemaligen BayernLB-Tochter seien nicht abschätzbar, sagte FMA-Vorstand Helmut Ettl am Montag. "Vor einer Insolvenz können wir nur warnen. Das ist ein nicht kalkulierbares Abenteuer. Wir sollten uns orientieren an Ländern wie Deutschland, die Banken geordnet abwickeln. Wir sollten uns nicht orientieren an Ländern wie Zypern."

Das Mittelmeerland musste mit milliardenschweren Hilfen vor dem Kollaps bewahrt werden, nachdem seine Banken vor dem Aus gestanden hatten. Österreich ringt bereits seit Monaten um ein Modell zur Abwicklung der maroden ehemaligen Kärntner Landesbank - debattiert wird auch, die Bank pleite gehen zu lassen. Bei einer Pleite der Hypo stehe der Ruf Österreichs am Kapitalmarkt auf dem Spiel, sagte Ettl dazu. "Die größten Risiken liegen in einer Schädigung der Glaubwürdigkeit der Republik."

Besonders groß sind die Risiken für das Bundesland Kärnten. Jahrelang hatte die Landesregierung Kredite für die Hypo Alpe Adria mit umfassenden Garantien abgesichert und so für günstige Zinsen gesorgt. Im Zuge der Trennung von der BayernLB musste jedoch Österreich einspringen und die Hypo verstaatlichen, um eine Pleite zu verhindern. Zuletzt haftete Kärnten noch mit 12,5 Milliarden Euro für die Hypo.

Private Banken zeigen wenig Interesse

Die Regierung versucht derzeit, andere private Banken dazu zu bewegen, sich an einer sogenannten Bad Bank für die Hypo zu beteiligen, um so die Staatsverschuldung möglichst gering zu halten. Als weitere Möglichkeiten werden eine Abwicklung und eine Insolvenz diskutiert. Auch Finanzminister Michael Spindelegger hatte zuletzt eine Pleite als mögliche Variante ins Spiel gebracht. "Falls keine Lösung mit den Banken gefunden wird, ist nichts ausgeschlossen. Mir geht es darum, die günstigste Lösung für den Steuerzahler zu finden. Da gibt es keine Tabus", sagte Spindelegger der Zeitung "Österreich".

Die Banken zeigen bislang wenig Bereitschaft, sich an einer Bad Bank zu beteiligen. Auch Raiffeisen-Bank-International-Chef Karl Sevelda winkt ab. "Das kann ich gar nicht als börsennotiertes Unternehmen. Die Aktionäre würden sich querlegen", sagte er der "Presse".

Nach Einschätzung der FMA kommen auf Österreich bei jeder der Varianten hohe Kosten zu. "Wir stehen vor der Situation, dass es keine wirklich gute Option gibt. Jede Option die hier gezogen wird, ist sehr, sehr teuer", sagte Ettl.

BayernLB-Manager waschen Hände in Unschuld

Vor dem Landgericht München hat derweil die juristische Aufarbeitung der Hypo-Alpe-Adria-Übernahme begonnen. Nach den Ex-Chefs Werner Schmidt und Michael Kemmer wiesen am zweiten Prozesstag auch die übrigen fünf Vorstandsmitglieder jedes eigene Versagen beim Kauf der Skandalbank zurück. Der gesamte Vorstand sei bei dem Erwerb der Hypo Alpe Adria hochprofessionell und gewissenhaft vorgegangen, sagte der ehemalige Risikovorstand Gerhard Gribkowsky am Montag: "Eine Maxime 'Kaufen um jeden Preis' bestand zu keinem Zeitpunkt." Ex-Vorstand Rudolf Hanisch nannte die Anklage einseitig, unschlüssig und haltlos.

Die Staatsanwaltschaft wirft den ehemaligen Top-Managern Untreue vor. Sie hätten die Hypo Group Alpe Adria (HGAA) im Jahr 2007 völlig überteuert gekauft und die Kontrolleure der BayernLB getäuscht, um als erfolgreiche Macher dazustehen. Aus dem Verwaltungsrat der Landesbank sei damals die Frage gekommen, ob der Vorstand denn "zu blöd" sei, eine Bank zu kaufen. Diese Bemerkung hätten die Angeklagten als Demütigung empfunden und seien sich deshalb einig gewesen, bei der Übernahme über Risiken hinwegzusehen. "Sie handelten nach dem Motto "Augen zu und durch" - im Bestreben, die HGAA um fast jeden Preis zu Lasten der BayernLB zu erwerben", heißt es in der Anklage.

mik/Reuters/dpa-AFX



insgesamt 10 Beiträge
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Pfaffenwinkel 10.02.2014
1. Warum
macht man die Skandalbank nicht einfach dicht?
Algol-Paradoxon 10.02.2014
2. optional
> "Die größten Risiken liegen in einer Schädigung der Glaubwürdigkeit der Republik". Gibt es die überhaupt noch?? M.E. stehen sie nicht wirklich besser da als die sich aktuell einmauernden Nachbarn. > "Zuletzt haftete Kärnten noch mit 12,5 Milliarden Euro für die Hypo." Präteritum ist hier die falsche Wahl (oder wer haftet jetzt stattdessen - bitte recherchieren!)? > "Nach Einschätzung der FMA kommen auf Österreich bei jeder der Varianten hohe Kosten zu. "Wir stehen vor der Situation, > dass es keine wirklich gute Option gibt. Jede Option die hier gezogen wird, ist sehr, sehr teuer", sagte Ettl." Die Steuerzahler werdens schon richten - hat sich bewährt und klappt immer wieder.
peterkamm-mueller 10.02.2014
3. Dr.No
Denk ich auch. Es wird wohl auch in Österreich ein paar Dumme (=Steuerzahler) geben, die den Karren nun aus dem Dreck ziehen werden. Passt.
JanosX 10.02.2014
4. Lieber Algol-Paradoxon,
Zitat Algol-Paradoxon: "> "Zuletzt haftete Kärnten noch mit 12,5 Milliarden Euro für die Hypo." Präteritum ist hier die falsche Wahl (oder wer haftet jetzt stattdessen - bitte recherchieren!)? >" - Hat Spiegel Online gemacht, steht im Satz vorher: "Im Zuge der Trennung von der BayernLB musste jedoch Österreich einspringen und die Hypo verstaatlichen, um eine Pleite zu verhindern." somit ist Präteritum die richtige Wahl - aktuell haftet der österreichische Staat.
silverhair 10.02.2014
5.
Zitat von Pfaffenwinkelmacht man die Skandalbank nicht einfach dicht?
Weil Banken von ihrer Konstruktion keine eigenen Wirtschaftsunternehmen sind - sie sind die Schnittpunkte von Wirtschaftsunternehmen. Erinnern Sie sich mal daran , was eine Bank tut - nämlich Geld von dem einem nehmen, und an jemand anderen weiterreichen - und das ist eben dann eine andere Bank! Und im Gegensatz zu Bargeld , wo die "Schuld" quasi mitwandert, bauen banken mit Giralgeld ein Verrechnungsystem auf das ein Netz ZWISCHEN den Unternehmen und den Banken besteht, Kurz - 95% einer Bank bestehen aus "Forderungen und Verflichtungen" von anderen - und wenn diese nicht erfüllt werden - dann gehen andere eben mit den Bach runter - der Berühmte Dominoeffekt! Und da Bargeld btw. Zentralbankgeld im heutigen Wirtschaftsystem eben keine grosse Rolle mehr spielen (nur 5% allen Geldes existiert noch als Zentralbankgeld) haben sie den tödlichen Effekt das sie selbst bei einer kleinen Bank alle ringrum mit in den Abgrund ziehen!
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