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Sorge um Wohlstand: Oettinger will Industrie wie Klima schützen

Günther Oettinger schlägt Alarm: Europa drohe der Verlust seines produzierenden Gewerbes, warnt der Energiekommissar. Die EU müsse den Schutz der Industrie zum Ziel machen - ähnlich wie beim Klimaschutz.

Autoproduktion (bei Audi): "Wir brauchen eine Strategie für die Re-Industrialisierung" Zur Großansicht
dapd

Autoproduktion (bei Audi): "Wir brauchen eine Strategie für die Re-Industrialisierung"

Düsseldorf - Der EU droht eine schleichenden De-Industrialisierung. Mit dieser Warnung hat sich Energiekommissar Günther Oettinger für eine Stärkung des produzierenden Gewerbes ausgesprochen. "Wenn Europa sein Wohlstandsniveau halten will, muss es seine industrielle Basis erhalten und ausbauen", schreibt Oettinger im "Handelsblatt" vom Montag.

Oettinger verweist darauf, dass der Anteil der industriellen Wertschöpfung am Bruttoinlandsprodukt in der EU innerhalb eines Jahrzehnts von 22 auf etwa 18 Prozent im Jahr 2010 gesunken sei. "Wir brauchen eine Strategie für die Re-Industrialisierung Europas", folgert der ehemalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg.

Oettinger schlägt eine Erweiterung der sogenannten 20-20-20-Ziele der EU vor. Bislang sehen diese vor, die Treibhausgasemissionen bis 2020 um 20 Prozent zu reduzieren und den Anteil Erneuerbarer Energien sowie die Energieeffizienz um denselben Prozentsatz zu erhöhen. Laut Oettinger könnte es nun ein weiteres Ziel der EU werden, einen Anteil von 20 Prozent industrieller Wertschöpfung am Bruttoinlandsprodukt zu sichern.

Entscheidend für die Zukunft der Industrie seien die in seine Zuständigkeit fallenden Energiepreise, schreibt Oettinger. "In zahlreichen Branchen sind die Preise für Energie und Rohstoffe längst wichtiger als Arbeitskosten", schreibt Oettinger. Der Weltmarkt-Konkurrent USA stehe dank niedriger Energiepreise vor einer Re-Industrialisierung.

Für eine Re-Industrialisierung Europas spricht nach Oettingers Ansicht auch die jüngste Wirtschafts- und Finanzkrise. Diese hätten EU-Staaten mit stärkerem industriellen Sektor vergleichsweise besser überstanden. Einen Widerspruch zwischen dem Erhalt von Industrien und Klimaschutz sieht der EU-Kommissar nicht. Schließlich seien energieintensiv hergestellte Produkte "unverzichtbare Grundlage für Zukunftsbranchen: Ohne Stahl kein Windrad, ohne Aluminium oder Kupfer kein Stromkabel."

dpa/dab

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