Offensive Chinesischer Hersteller will Autos für Europa bauen

Kritisches Fahrverhalten, billig wirkendes Plastik, katastrophale Crash-Ergebnisse: Chinesische Autos genießen in Europa keinen guten Ruf. Der Hersteller Chery will es trotzdem noch einmal versuchen - diesmal mit einer ganzen Modellfamilie.

Produktion bei Chery: Westliche Partner sollen Weg auf den europäischen Markt ebnen
AFP

Produktion bei Chery: Westliche Partner sollen Weg auf den europäischen Markt ebnen


Hamburg - Die ersten Anläufe mit Eigenkreationen haben dem Ruf der chinesischen Autobauer eher geschadet. Trotzdem ist ihr Ergeiz ungebrochen. Jetzt wagt Chery, der größte Autoexporteur des Riesenreichs, einem Bericht der "Financial Times Deutschland" zufolge einen neuen Anlauf - und zwar gleich mit einer ganzen Modellfamilie.

Das fehlende Know how kaufen die Chinesen sich diesmal dazu. Gemeinsam mit dem israelischen Mischkonzern Israel Corporation gründeten sie ein Gemeinschaftsunternehmen namens Chery Quantum Auto. Und auch zum italienischen Fiat-Konzern bestehen Verbindungen: Der 2009 auf dem Genfer Autosalon vorgestellte Chery DR2 basiert auf dem Panda, und in einigen anderen Chery-Modellen arbeiten Fiat-Motoren.

Die jetzt für den europäischen Markt geplanten Autos sollen dem Bericht nach jedoch maßgeblich vom kanadisch-österreichischen Zulieferer Magna entwickelt werden, der etwa den Geländewagen Mini Countryman oder das G-Modell im Auftrag von Mercedes-Benz fertigt. Magna-Sprecher Daniel Witzani wollte die Zusammenarbeit gegenüber SPIEGEL ONLINE nicht konkret bestätigen. "Wir sind Entwicklungspartner von verschiedenen Auto-Herstellern", sagte er.

Das Magna das komplette Auto entwickelt, ist allerdings unwahrscheinlich. Der Zulieferer dürfte lediglich Komponenten liefern. Welche das sind, wollte Witzani jedoch nicht sagen.

Ohnehin dürfte die Entwicklung schon einigermaßen weit vorangeschritten sein. Bereits im kommenden Jahr solle die Produktion dreier Modelle in China anlaufen, schreibt die "FTD". Geplant seien Fahrzeuge etwa in der Größe des Skoda Octavia, die auch nach Europa exportiert werden sollen. Damit dürften erstmals Wagen aus China kommen, die westlichen Standards entsprechen und den etablierten Herstellern Konkurrenz machen.

Offiziell wollte sich das Gemeinschaftsunternehmen CQAC der Zeitung gegenüber zu dem Projekt nicht äußern. "Wir sind noch dabei, die Bekanntgabe unserer Marke zu planen", zitiert die "FTD" einen Firmensprecher. Dies solle voraussichtlich im November erfolgen.

Die chinesische Staatsregierung betrachtet die Autobranche als strategische Industrie und drängt westliche Hersteller zur Kooperation mit heimischen Anbietern. Dadurch erhoffen sich die Chinesen einen Technologietransfer. Gleichzeitig stehen alternative Antriebe besonders im Fokus, denn eine Massenmotorisierung der chinesischen Bevölkerung könnte gravierende Folgen für die Umwelt haben.

mik/dpa-AFX



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