Offshore-Energie Größter Windpark der Welt geht ans Netz

Der Stromriese Vattenfall eröffnet vor der englischen Küste den größten Offshore-Windpark der Welt. Für die Branche ist es erst der Anfang, es sollen noch gigantischere Projekte entstehen. Doch Windenergie ist teuer - der Sparkurs der britischen Regierung könnte viele Pläne zunichte machen.

Von , London

Offshore-Windpark Thanet: Die Turbinen sollen bis zu 300 Megawatt Strom liefern

Offshore-Windpark Thanet: Die Turbinen sollen bis zu 300 Megawatt Strom liefern


Für einen grün angehauchten Politiker ist es der Traum von einem Fototermin. Über 35 Quadratkilometer hinweg erstreckt sich ein Wald von Windrädern, jedes ragt 115 Meter aus dem Meer empor. Vor der Küste der englischen Grafschaft Kent wird am Donnerstag Thanet, der größte Offshore-Windpark der Welt, eingeweiht.

Der britische Energieminister Chris Huhne lässt es sich nicht nehmen, persönlich dabei zu sein. Mit einem Boot wollen der Liberaldemokrat und Vattenfall-Chef Øystein Løseth im Hafen von Ramsgate ablegen und rausfahren auf die Nordsee. Zwölf Kilometer vor der Küste erheben sich die gewaltigen Türme, insgesamt hundert Stück.

Bis zu 300 Megawatt beträgt die Leistung der Turbinen, das reicht bei optimalen Windverhältnissen, um den Strombedarf von 200.000 Haushalten zu decken. Das ist zwar deutlich weniger als die Leistung eines Atomkraftwerks, aber die Branche ist dennoch begeistert. Großbritannien produziere nun mehr Offshore-Windenergie als der gesamte Rest der Welt, jubelte der Branchenverband für erneuerbare Energien, Renewable UK.

Die windige Insel ist seit 2008 der führende Offshore-Stromlieferant der Welt. Durch Thanet wird der nationale Output um ein weiteres Drittel gesteigert. Die britischen Windparks in Nordsee und Atlantik haben nun eine Kapazität von insgesamt 1340 Megawatt - gegenüber 1100 Megawatt in allen übrigen Ländern.

Subventionen in zweistelliger Milliardenhöhe

Die Labour-Regierung hatte Anfang des Jahres zweistellige Milliardensubventionen für den Ausbau der Offshore-Energie angekündigt. Der Anschub war nötig, denn das Königreich hinkt bei den erneuerbaren Energien im europäischen Vergleich deutlich hinterher. Nur sechs Prozent des britischen Stroms kommen aus Sonne, Wasser und Wind - in Deutschland sind es rund dreimal so viel. Um das EU-Ziel von 20 Prozent erneuerbaren Energien am Energiemix bis 2020 zu erreichen, müssen die Briten sich anstrengen.

Nach dem Regierungswechsel ist jedoch unklar, was aus der Offshore-Offensive wird. Umweltorganisationen wie Greenpeace fürchten, dass die liberalkonservative Regierung im Zuge ihres Sparkurses das Budget für erneuerbare Energien kürzen wird. Wie stark, wird sich am 20. Oktober zeigen, wenn Schatzkanzler George Osborne den Kassensturz abgeschlossen hat.

Energieminister Huhne betonte diese Woche auf dem Parteitag der Liberaldemokraten die Bedeutung der Windressourcen. "Vierzig Meilen von hier", sagte er in Liverpool, "wird nächstes Jahr ein neuer Offshore-Windpark gebaut, groß genug, um ein Drittel der Haushalte in Wales mit Strom zu versorgen. Davon will ich noch mehr an Britanniens Küsten sehen."

Unternehmen scheuen die Investitionen

Doch laut Renewable UK steht unter anderem ein 60-Millionen-Pfund-Fonds zur Disposition, der für den Ausbau von Häfen vorgesehen war. Investoren wie Siemens hatten Interesse an Offshore-Investitionen bekundet, wenn die nötige Infrastruktur bereitstehe.

Offshore-Windenergie gilt in Großbritannien als Königsweg, doch ist es eine vergleichsweise teure Energieform. Die technischen Anforderungen sind viel höher als bei Windparks auf dem Festland. Die Investitionskosten betragen 3,5 Millionen Euro pro Megawatt Stromkapazität - Tendenz steigend. Dazu kommt, dass die Energieproduktion nicht stetig ist. Wegen der schwankenden Windstärken müsse man dreimal so viel Kapazität bauen, wie man eigentlich brauche, sagt Ian Parrett, Analyst bei der britischen Energieberatung Inenco.

Kein Wunder also, dass die Branche in der Wirtschaftskrise stark gelitten hat. Viele Energieversorger scheuten vor den großen Investitionen zurück. Der US-Turbinenhersteller Clipper verkaufte im ersten Halbjahr 2010 nur 43 Turbinen - gegenüber 127 im gleichen Vorjahreszeitraum. Um zu überleben, hat sich das Management gerade mit der Bitte um Hilfe an den größten Anteilseigner gewandt. Ein anderer Turbinenhersteller, die dänische Firma Vestas, hatte aufgrund schwacher Nachfrage bereits im vergangenen Jahr eine Fabrik auf der englischen Isle of Wight geschlossen.

Doch sagen Experten dem Markt in Großbritannien weiteres Wachstum voraus. Zahlreiche Projekte sind bereits in Planung. Auch Thanet wird seinen Status als weltgrößter Windpark bald schon wieder verlieren. 2012 sollen die ersten 175 Turbinen von London Array ans Netz gehen. Mit einer Endgröße von 340 Windrädern ist das Projekt in der Themse-Mündung mehr als dreimal so groß wie der kleine Bruder in Kent.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 31 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
MarkH, 23.09.2010
1. Windenergie nicht sinnvoll ?
Zitat von sysopDer Stromriese Vattenfall eröffnet vor der englischen Küste den größten Offshore-Windpark der Welt. Für die Branche*ist es erst der Anfang, es sollen noch*gigantischere Projekte entstehen. Doch Windenergie ist*teuer - der Sparkurs der britischen Regierung könnte viele Pläne zunichte machen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,719058,00.html
Windenergie ist um Einiges sinnvoller wie Solar in einem Regenland - v.a. da wo er weht, der Wind ..und dies ist vor der Nordseeküste tatsächlich der Fall.
stanis laus 23.09.2010
2. Was für eine dämliche Bezeichnung
"Windpark". Wikipedia: "Das Wort Park (von mlat. parricus „Gehege“) bezeichnet nach den Regeln der Gartenkunst gestaltete größere Grünflächen, die der Verschönerung und der Erholung dienen." Unreflektiert wird hier ein vorgegebener falscher Begriff nachgeschwätzt. Zeigt immer eine gewisse Unintelligenz. Das sind Stromfächer :-)
tomtomtomtomtom 23.09.2010
3. Strom usw.
"Wegen der schwankenden Windstärken müsse man dreimal so viel Kapazität bauen, wie man eigentlich brauche," Das wurde also richtig erkannt. Aus "Bis zu 300 Megawatt Strom sollen die Turbinen liefern" entnehme ich dann, daß im Mittel nur mit 100 MW elektrischer Leistung (bitte nicht "Strom"...) zu rechnen ist, was leider nicht mehr "ein Zehntel eines Atomkraftwerks" ist, sondern nur noch ein Dreißigstel... :-( Mal abgesehen davon, daß "Atomkraftwerk" ja auch keine Normgröße darstellt, sondern es auch da ganz unterschiedliche Leistungen gibt. Ich finde Windparks trotzdem besser - schon weil der Ausstoß an radioaktivem Müll so erfreulich gering ist.
Goldschwund 23.09.2010
4. Keine Sorgen...
Zitat von stanis laus"Windpark". Wikipedia: "Das Wort Park (von mlat. parricus „Gehege“) bezeichnet nach den Regeln der Gartenkunst gestaltete größere Grünflächen, die der Verschönerung und der Erholung dienen." Unreflektiert wird hier ein vorgegebener falscher Begriff nachgeschwätzt. Zeigt immer eine gewisse Unintelligenz. Das sind Stromfächer :-)
Wobei ich die wunderschöne und ins Amtsdeutsch eingeflossene Bezeichnung "Entsorgungspark" um einiges bedenklicher finde. Aber bitte: Letztlich gewöhnt sich der Mensch doch an alles.
Der_Alex 23.09.2010
5. Ich verstehe nichts.
Zitat von sysopDer Stromriese Vattenfall eröffnet vor der englischen Küste den größten Offshore-Windpark der Welt. Für die Branche*ist es erst der Anfang, es sollen noch*gigantischere Projekte entstehen. Doch Windenergie ist*teuer - der Sparkurs der britischen Regierung könnte viele Pläne zunichte machen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,719058,00.html
Kann mir jemand hier bei einer Verständnissache helfe? Ich bin nur ein Software Entwickler und kein Techniker im Bereich Energie & Co. Also, Deutschland, Niederlande, UK sind ziemlich große Rinderzüchter. Rinder produzieren, ohne dass es sie wissen, Methan und Bio-Dünger, welches aber auch zur Gasherstellung sich gut eignet. So kann jeder Bauer zu einem Gaslieferanten werden. Wieso nehmen wir nicht dann die Milliarden und fangen an die Rinderzüchter zu GAZPROM umzubauen. Dann hätten wir doch bei jedem Bauern eine Gastankstelle und einen Gaslieferanten für den nahesten Gaskraftwerk. Dann können wir noch von dem Geld paar gute Filter (made in Germany) einabauen und schon haben wir eine Offshore Energie Versorgung mit natürlichen Mitteln. Dann könnten wir uns schneller vom Erdöl lösen und die Autos würden weiter fahren. Mir geht etwas nicht in mein Kopf hinein, warum es so schwer zu sein scheint. Schließlich heizen und kochen Millionen von Afrikanern mit solchen Mini-Gaskraftwerken in ihren Dörfern. Oder sind wir zu fein mit Mist unsere Autos zu tanken?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.