Enthüllungsjournalismus: Geheimsache Offshore-Leaks

Von und Friedrich Lindenberg

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Hongkong: Nicht nur hier stießen Journalisten auf geheime Finanzgeschäfte

Die Datenmenge ist gigantisch: Das Offshore-Leaks-Projekt über die Praktiken in Steueroasen beruht auf rund 2,5 Millionen Dokumenten. Mehr als 80 Journalisten und Forensiker arbeiteten ein Jahr lang an der Geheimsache. Dass nichts aufflog, grenzt für sie an ein Wunder.

Hamburg - Es war ein Glücksfall, dass der hochexplosive Datensatz 2012 ausgerechnet auf Gerard Ryles Schreibtisch landete. Der Journalist und Direktor des Internationalen Konsortiums investigativer Journalisten (ICIJ)wusste dank früherer Recherchen bereits einiges über die Geschäftspraktiken von Offshore-Firmen. Nun also wurden Ryle anonym insgesamt 260 Gigabyte Daten zugestellt, verborgen darin die Geheimnisse über Kunden und Praktiken internationaler Finanzdienstleister in Offshore-Zentren. Ein weltweites Journalistenkonsortium macht die Daten seit Donnerstag publik.

"Aufgrund seiner Erfahrung konnte Gerard die Authentizität der Daten zwar verifizieren", sagt Sebastian Mondial, einer der Offshore-Leaker. Doch damit habe das eigentliche Problem begonnen: Wie sollte man einen solchen gigantischen Informationsberg auswerten? 130.000 Personen aus mehr als 170 Ländern sind auf den Beständen verzeichnet, rund 2,5 Millionen Dokumente zu zehn der beliebtesten Steueroasen der Welt.

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Steueroasen: Wohin die Datenspuren führen
Von dem, was Insider bereits heute als den "größten Schlag gegen das große schwarze Loch der Weltwirtschaft" bezeichnen, war damals nicht viel zu sehen, sagt Mondial. Eine wilde Mischung Daten habe sich auf der Festplatte befunden. E-Mails, Scans, Briefe, Firmendatenbanken, alles durcheinander. Neben brisanten Nachrichten über Geldtransfers stießen die Kollegen des ICIJ, die Gerard Ryle mittlerweile eingeweiht hatte, auf E-Mails, mittels derer sich Menschen zum Mittagessen verabredet hatten.

Gegenentwurf zu WikiLeaks

Bei Mondial klopfte der ICIJ an, da dieser sich durch datenjournalistische Projekte einen Namen gemacht hatte. Zunächst arbeitete er mit mehr als zehn Journalisten und Forensikern aus der ganzen Welt zusammen, schlussendlich waren es 86 im Team. Mondials Job und der seines Kollegen Duncan Campbell war es, die Vielzahl von Quellen für jeden einzelnen Rechercheur zugänglich zu machen. "Das braucht einen elektronischen Workflow, so viel Material druckst du nicht mehr aus." Gerade für die Suche nach bekannten Personen in dem Datenberg und die Analyse von Beziehungen zwischen einzelnen Firmen seien spezialisierte Werkzeuge unerlässlich.

"Wir hatten Gäste im ersten Meeting, die uns Dinge über die Finanzwelt erklärt haben. Sie selbst wussten aber nicht, worum es in unserer Recherche genau geht", erinnert sich Mondial. Dass die Geheimhaltung - knapp ein Jahr lang - geklappt hat, sei fast unglaublich: "Das eine multinationale Kooperation so vertraulich funktioniert hat, das ist für mich eine der größten Leistungen des Projekts."

Nach und nach dehnte der ICIJ die Recherchen zur Entschlüsselung der Festplatte aus, viele Treffen fanden in Europa statt. Renommierte Journalisten wurden hinzugezogen, um für ihr Land eigene Recherchen anzustrengen, die jetzt in die international publizierten Artikeln münden.

Dass die anonyme Quelle nicht enttarnt wird, dafür haben die Journalisten diverse Vorkehrungen getroffen. "Das Projekt ist aus meiner Sicht auch ein Gegenentwurf zu WikiLeaks", sagt Mondial.

Das von Julian Assange gegründete WikiLeaks-Projekt hatte beispielsweise mehr als 250.000 Berichte von diplomatischen Vertretungen der USA im Internet oder ein Video zu einem US-Luftangriff in Bagdad veröffentlicht. Zum Schluss wurden allerdings auch die Namen von Informanten bekannt. Das werde bei Offshore-Leaks nicht passieren, versichert Mondial. "Das ICIJ will diese Daten nicht veröffentlichen, weil man auch großen Schaden bei unbeteiligten Dritten anrichten kann, die in den Daten genannt sind."

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insgesamt 37 Beiträge
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1. juristische Personen....
tuchholzky 04.04.2013
Das Problem sind u.a. die anonym möglichen Gründungen einer offshore-gesellschaft durch einen Treuhänder. Lösung: Jeder kann nur mit seinem Namen und seiner Adresse lt. Passport oder Personalausweis eine Firma gründen, keine GmbH, sondern eine mit voller privater Haftung. Das ist generell auch in Deutschland wünschenswert. Aber das alles ist Träumerei. Vor allem die Briten werden ihr Rechtssystem niemals ändern, sodass jedermann für ein paar Euro eine GmbH offshore via England etc. anonym gründen kann. Gründet er unter seinem Namen, erfährt das Finanzamt Hannover-Nord von der Eintragung im Registrierungsoffice in Wales.
2. Ja und nu ?
vrdeutschland 04.04.2013
Wie geht´s weiter ? Haben sich hier nur ein paar Journalisten auf die Schulter zu klopfen, welch tollen investigativen Journalismus sie geleistet haben oder kommen jetzt mal ein paar Namen ans Licht ? Mich ärgern weniger die Leute die Steuern hinterziehen, das kann ich nachvollziehen, wenn man sieht wie z.B. in der EUdSSR Steuergelder vergeigt werden. Nur, daß einige Länder nur bestehen und in Wohlstand leben, weil sie derartig perverse "Industriezweige" installieren, ohne jegliche Wertschöpfung, ohne Sinn und Verstand. Was in der Langfristbetrachtung daraus werden kann, sieht man aktuell in Zypern. Eine Gesellschaft versottet bei solchen Umständen, man könnte auch sagen, sie verblödet, sie weiß sich noch nicht einmal durch eigene Hände Arbeit selbst zu ernähren.
3. Datenherkunft ist auch von interesse ...
jochench 04.04.2013
Der Ursprung der Datensätze interessiert mich schon... Welche Organisation kann soviele Daten zu soviel unterschiedlichen Orten und soviel unterschiedlichen Personen sammeln? Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine einzelle Bankmitarbeiter daten von 130.000 Personen aus mehr als 170 Ländern sammeln kann... etwa Berater oder etwa doch Geheimdienste (z.B. NSA) ... wäre doch ideal um mit diesen Informationen "sanfte Erpessung" zu betreiben??? Bitte nicht falsch verstehen mich interessiert nicht die Person die es veröffentlich hat (deren Sicherheit sollte gewährleistet sein) aber die Organisation die dies Daten sammelte würde mich sehr interssieren ...
4. Da sage noch einer, es gäbe keine Helden...
der Krieger 04.04.2013
Ich finde es einfach toll, was da gelaufen ist und beglückwünsche alle, die daran teilhatten. Es mag ein guter Gegenentwurf gegen "WikiLeaks" sein, in jedem Fall ist es eine gute Messlatte für viele selbsternannte "Pioniere" der Tansparanz im Netzzeitalter, denn das ist nun wirklich einmal ein gelungenes Beispiel für die neuen Möglichkeiten für kritische Öffentlichkeit. Im Übrigen finde ich persönlich, dass selbstverständlich zuallererst einmal die einheimischen Kunden solcher Netzwerke, die naturgemäß ohnehin schon reich sind und unserer Volkswirtschaft mehr Geld entziehen als alle "Asylbetrüger", "Sozialschmarotzer", etc. zusammen in 100 Jahren. An zweiter Stelle die hiesigen Banken, die ihnen dabei Beihilfe leisten, die kennen wir ja nun mittlerweile wohl hoffentlich. Erst an allerletzter Stelle würde ich mich über ferne und häufig arme Länder ärgern, die sich für solche Unternehmungen einkaufen lassen. In der Not frisst der Teufel Fliegen...
5.
meckeronkel 04.04.2013
Warum nicht, wenn die Daten für einzelne zu umfangreich sind, diese zum Download freigeben und in einem "Offshore Plag" auf Freiwillige verteilt zunächst inhaltlich zu verlinken und dann nach dieser Indizierung auswerten zu lassen? Natürlich ersetzt das weder die Journalistenrecherche noch amtlich Ermittlungen, wäre aber eine gute Beschleunigung der Sache.
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