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29. Mai 2015, 10:05 Uhr

Offshore-Zulieferer

Nordseewerke beantragen Insolvenz

Der ehemaligen Traditionswerft Nordseewerke droht die Zahlungsunfähigkeit. Jetzt hat der Offshore-Zulieferer einen Insolvenzantrag gestellt. 188 Mitarbeiter sind betroffen.

Die Nordseewerke im ostfriesischen Emden blicken auf mehr als 110 Jahre Schiffbau zurück, seit 2009 entwickelt sich die frühere Traditionswerft weg vom Schiffbau und hin zu neuen Energien und Spezialaufträgen. Nun hat die Firma Insolvenz beantragt.

Grund sei die demnächst drohende Zahlungsunfähigkeit, sagte Geschäftsführer Thierry Putters der Nachrichtenagentur dpa. Das Insolvenzverfahren solle in Eigenverwaltung erfolgen. Betroffen seien 188 Mitarbeiter, von denen 80 Prozent bereits seit September 2014 in Kurzarbeit seien.

Im Jahr 2010 war bei der 1903 gegründeten Werft das Stahlunternehmen Siag Stahl eingestiegen. Nach dessen Insolvenz hatte 2013 der Stahlkonzern DSD aus dem Saarland die Siag Nordseewerke übernommen. Die Firma produzierte zuletzt Gründungselemente für den Bau von Offshore-Windkraftanlagen.

Die politischen Rahmenbedingungen seien jedoch von erheblichen Unsicherheiten über die Förderung der Offshore-Windenergie nach 2020 geprägt, teilte das Unternehmen mit. So reagierten Kraftwerksprojektierer und -betreiber abwartend angesichts der mehrjährigen Planungs- und Genehmigungsvorläufe für Offshore-Windkraftwerke. Dadurch verzögere sich die Vergabe von Aufträgen.

In Spitzenzeiten hatten die Nordseewerke 5000 Beschäftigte, unter DSD Steel nur noch 240. "Das ist der traurige Höhepunkt der Entwicklung der letzten sieben Jahre", sagte Michael Hehemann von der Gewerkschaft IG Metall in Emden. Dabei habe die derzeitige Geschäftsführung viel Vertrauen verspielt, kritisierte der Gewerkschafter. Die Unternehmensleitung können mit der Marktlage nicht eigene Versäumnisse rechtfertigen.

bos/dpa

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