Offshore-Zulieferer Nordseewerke beantragen Insolvenz

Der ehemaligen Traditionswerft Nordseewerke droht die Zahlungsunfähigkeit. Jetzt hat der Offshore-Zulieferer einen Insolvenzantrag gestellt. 188 Mitarbeiter sind betroffen.

Nordseewerke in Emden: Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung
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Nordseewerke in Emden: Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung


Die Nordseewerke im ostfriesischen Emden blicken auf mehr als 110 Jahre Schiffbau zurück, seit 2009 entwickelt sich die frühere Traditionswerft weg vom Schiffbau und hin zu neuen Energien und Spezialaufträgen. Nun hat die Firma Insolvenz beantragt.

Grund sei die demnächst drohende Zahlungsunfähigkeit, sagte Geschäftsführer Thierry Putters der Nachrichtenagentur dpa. Das Insolvenzverfahren solle in Eigenverwaltung erfolgen. Betroffen seien 188 Mitarbeiter, von denen 80 Prozent bereits seit September 2014 in Kurzarbeit seien.

Im Jahr 2010 war bei der 1903 gegründeten Werft das Stahlunternehmen Siag Stahl eingestiegen. Nach dessen Insolvenz hatte 2013 der Stahlkonzern DSD aus dem Saarland die Siag Nordseewerke übernommen. Die Firma produzierte zuletzt Gründungselemente für den Bau von Offshore-Windkraftanlagen.

Die politischen Rahmenbedingungen seien jedoch von erheblichen Unsicherheiten über die Förderung der Offshore-Windenergie nach 2020 geprägt, teilte das Unternehmen mit. So reagierten Kraftwerksprojektierer und -betreiber abwartend angesichts der mehrjährigen Planungs- und Genehmigungsvorläufe für Offshore-Windkraftwerke. Dadurch verzögere sich die Vergabe von Aufträgen.

In Spitzenzeiten hatten die Nordseewerke 5000 Beschäftigte, unter DSD Steel nur noch 240. "Das ist der traurige Höhepunkt der Entwicklung der letzten sieben Jahre", sagte Michael Hehemann von der Gewerkschaft IG Metall in Emden. Dabei habe die derzeitige Geschäftsführung viel Vertrauen verspielt, kritisierte der Gewerkschafter. Die Unternehmensleitung können mit der Marktlage nicht eigene Versäumnisse rechtfertigen.

bos/dpa



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insgesamt 62 Beiträge
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ctwalt 29.05.2015
1. typisch deutsch
beantragen, prüfen, prüfen, prüfen und dan feststellen, dass der Antragsteller inzwischen pleite gegangen ist. Ob unsere Umnutzung eines Wirtschaftsgebäudes zum Büro oder das Pachten einer städtischen Wiese, NUR warten, nachfragen, ergänzen und nach JAHREN dann einfach abgelehnt bekommen. Deutschland - ein Trauerspiel
ir² 29.05.2015
2.
Siemens entlässt Mitarbeiter wegen der "Energiewende" und auch sonst sind die angeblichen neuen Jobs durch EE nur Lügen mit Zahlen. In Wirklichkeit vernichtet die "Energiewende" Industriearbeitsplätze in Deutschland! Aber so lange Lidel ja 11,50 €/h zahlt, kann Deutschland nichts erschüttern....
ir² 29.05.2015
3.
Und das hat nicht nur mit der politischen Lage zu tun, off-shore ist auch technisch wie wirtschaftlich ein Reinfall: http://www.friendsofscience.org/assets/documents/WindFarmsUK_Denmark_hughes2012.pdf ... Noch dramatischer war der Leistungsabfall bei den Anlagen auf hoher See. Hier konnten Forscher bei Windparks in Dänemark einen Rückgang der Leistung von über 6 Prozent pro Jahr über die ersten 10 Jahre feststellen. Als Gründe hierfür werden der hohe Verschleiß und die vermehrten Ausfallzeiten von Anlagen mit steigendem Alter genannt. Windräder, die mit über 40 Prozent Auslastung gestartet waren, lagen kaum 10 Jahre später bei unter 15 Prozent. .... Das ist wirtschaftlich untragbar, aber das gibt niemand gerne zu. Zu laut wird ja das Märchen vom Windstrom statt Kohle- und Atomstrom gesungen.
Blaumännchen 29.05.2015
4. Im Zweifelsfall......
ist natürlich das Management schuld und nicht die Politik die diese Subventionswirtschaft geschaffen hat. Aber die Legendenbildung läuft ja schon. Statt sich mal zu fragen warum bestehende Anlage immer noch so große technische Probleme haben das sie mit Dieselmotoren in Gang gehalten werden müssen statt sie ans Netz zu kriegen will man einfach unverdrossen weiter zubauen. Dank Politik darf der Verbraucher dafür haften. Ich komme mehr und mehr zu dem Schluß das wir jahrzehnte lang nur Mist erzählt bekommen. Die Werften sind nur untergegangen weil der Staat sich eingemischt hat. Seitdem hat sich diese Branche in einen Subventionszombie verwandelt der mit der Energiewende der Rest verpasst bekommt. Bestens ausgebildete Leute die Spezialschiffe für alles mögliche bauen könnte stehen dumm da. Die Meyer Werft in Papenburg zeigt was deutscher Schiffbau sein könnte wenn Staat und Politik die Pfoten weg lassen würden. Armes Deutschland.
aurichter 29.05.2015
5. Wenn man einmal genau nachrechnet
wieviel Geld, einerseits Emsvertiefung jahrelang durch Bagger Nordsee andererseits mit dem Gerhard-Schröder-Gedächtnisdamm (Emssperrwerk bei Gandersum), seit Ernst Albrecht dem Kumpel J.L.Meyer an Subventionen hinterher geworfen wurden, dann hätte man mit einem Bruchteil dieser Gelder die Thyssen Nordseewerke retten können. Aber dem Einen, hier bspw auch in den siebziger Jahren Schulte&Bruns und auch die Janssen Werft in Leer, werden Gelder oder auch nur Bürgschaften verweigert und dem Anderen werden hunderte von Millionen an Steuergeldern in den A......geblasen, weil Der es versteht mit der Erpresserkeule Personalfreisetzung bzw Abwanderung ordentlich Druck ausüben kann. Diese Werft, wo die ach so schönen Kreuzfahrtschiffe mit viel Brimborium über führt werden, gehört eigentlich den Niedersachen, die mit extremen Steuergeldern bluten mussten. Das eine Hafenstadt direkt am Meer noch einen Arbeitgeber verliert interessiert kein Aas in Hannover, Hauptsache das Fernsehen ist beim nächsten Überführungsirrsinn dabei.
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