3,6 Milliarden Schulden Brasilianischer Öltycoon Batista kann Zinsen nicht mehr zahlen

Der ehemals reichste Mann Brasiliens steckt in der Klemme: Eike Batista hat in nur rund 15 Monaten den Großteil seines Vermögens verloren, eine Schuldenlast von 3,6 Milliarden Dollar drückt seinen Ölkonzern OGX. Jetzt kann der einstige Star-Unternehmer offenbar seine Zinsen nicht mehr bezahlen.

Von Luciana Magalhaes, Wall Street Journal Deutschland

Batista: In 15 Monaten den Großteil des Vermögens eingebüßt
REUTERS

Batista: In 15 Monaten den Großteil des Vermögens eingebüßt


OGX Petroleo e Gas Participacoes, das Flaggschiff des Firmennetzes von Eike Batista, plant eine am Dienstag fällige Zinszahlung auf seine Anleihen in Höhe von 44,5 Millionen US-Dollar auszulassen. Das sagte eine Person, die mit der Situation vertraut ist.

OGX hat Anleihen im Gesamtwert von mehr als 3,6 Milliarden Dollar ausstehen. Ein Zahlungsausfall des Unternehmens, das zum einbrechenden Firmenimperium von Geschäftsmann Batista gehört, wäre der größte eines lateinamerikanischen Unternehmens überhaupt. Den Rekord hält bisher der argentinische Finanzdienstleister Banco de Galicia y Buenos Aires, der im Jahr 2002 Schulden im Wert von 1,9 Milliarden Dollar nicht zurückzahlen konnte, wie Daten der Rating-Agentur Moody's Investors Service zeigen.

OGX hat Finanzberater damit beauftragt, eine Umschuldung seiner Verbindlichkeiten zu organisieren. Diese setzen sich zusammen aus Anleihen im Wert von 1,06 Milliarden Dollar, die im Jahr 2022 fällig werden, und Bonds über 2,6 Milliarden Dollar, die bis 2018 laufen. Die Zahlung am Dienstag betrifft die 2022er-Anleihen, bei den kürzer laufenden Papieren werden im Dezember wieder Zinsen fällig.

Die wichtigsten Gläubiger von OGX gingen bereits davon aus, dass das Unternehmen am Dienstag nicht zahlen wird, berichtet ein Insider. Sie hätten ihre Bereitschaft signalisiert, mit OGX weiter über finanzielle Alternativen zu verhandeln. Eine OGX-Sprecherin beantwortete eine Gesprächsanfrage zunächst nicht.

Dieser Artikel ist im Wall Street Journal Deutschland erschienen.
Der Aktienkurs des Unternehmens ist seit Jahresbeginn um mehr als 90 Prozent eingebrochen. Auch die Anleihen notieren derzeit bei weniger als 18 Prozent des Nennwerts - ein deutlicher Beleg für die vorherrschende Erwartung, dass der Ölkonzern seinen Zinspflichten nicht nachkommen wird.

30 Tage Gnadenfrist für OGX

Laut den Regeln, die im Wertpapierprospekt für die Anleihen festgelegt sind, hat OGX im Fall einer verpassten Zinszahlung 30 Tage Zeit, um das Problem zu "kurieren". Solange greifen keine Strafen.

Das Unternehmen beabsichtige, die Zahlung am Dienstag auszulassen und von der Gnadenfrist Gebrauch zu machen, um die Verhandlungen über eine Umschuldung zu Ende zu bringen, sagte der Insider. Möglich sei aber auch, dass OGX in den kommenden Wochen Gläubigerschutz beantrage, wobei dies gegen Ende der Gnadenfrist Ende Oktober wahrscheinlicher sei, heißt es.

Batista, einst der reichste Mann Brasiliens, hat in den vergangenen 15 Monaten den Großteil seines Vermögens verloren. Der Niedergang nahm seinen Ursprung, als OGX seine Ziele für die Ölproduktion nicht erreichte. Eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in Brasilien schürte gleichzeitig Sorgen über das Zahlungsvermögen seiner Firmengruppe. Diese hatte Batista im vergangenen Jahrzehnt aus dem Nichts geschaffen, indem er Milliarden an Fremd- und Eigenkapital aufnahm und damit kapitalintensive Infrastrukturprojekte finanzierte.

OGX brachte Batista im Jahr 2007 an den Markt, ein Jahr später sammelte er in einem Rekord-IPO 4,1 Milliarden Dollar ein. Der rasante Abstieg von OGX setzte 2012 ein, als das Unternehmen seine ehrgeizigen Produktionsziele verfehlte. Kurz zuvor hatte OGX erklärt, dass der Großteil seiner Ölfelder ökonomisch nicht brauchbar sei, weshalb man die Entwicklungsaktivitäten einstelle.

Gläubiger prüfen Unternehmens-Substanz

OGX brauche kurzfristig bis zu 500 Millionen Dollar, Zugang zu neuen Kreditlinien habe das Unternehmen nicht, sagte einer der Sachkenner. Die Liquiditätsklemme des Konzerns sei zuletzt bei einem Treffen mit den Gläubigern in New York diskutiert worden, berichten mehrere Insider.

OGX hat die Beratungsfirmen Lazard und Blackstone Group angeheuert, um mit den Gläubigern über Möglichkeiten für eine Umschuldung zu diskutieren. Die Geldgeber hätten bereits Vertraulichkeitsvereinbarungen unterschrieben, die es ihnen erlaubten, nicht-öffentliche Unternehmensinformationen einzusehen, die für einen Umschuldungsplan bedeutsam sind, sagte eine Person, die mit den Vorgängen vertraut ist.

Die wichtigsten Gläubiger von OGX - das sind insbesondere die Allianz-Tochter Pimco sowie Blackrock - werden in den Verhandlungen von der Investmentbank Rothschild beraten.

Originalartikel auf "Wall Street Journal Deutschland"

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insgesamt 39 Beiträge
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Seite 1
xxbigj 30.09.2013
1. optional
Hmm dann noch die WM wo soll das hinführen..? Die Menschen leben in größter Armut und müssen dann so was ertragen. Kein Wunder das die auf die Strasse gehen. Denkt doch mal nach!! Wenn wir nicht Geld hätten würden doch bei uns auch Hundertausende auf die Strasse gehen wenn die nächste Finanzblase platzt
hatomune 30.09.2013
2. Das macht Freude!
Zitat von sysopREUTERSDer ehemals reichste Mann Brasiliens steckt in der Klemme: Eike Batista hat in nur rund 15 Monaten den Großteil seines Vermögens verloren, eine Schuldenlast von 3,6 Milliarden Dollar drückt seinen Ölkonzern OGX. Jetzt kann der einstige Star-Unternehmer offenbar seine Zinsen nicht mehr bezahlen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/ogx-der-oelkonzern-von-eike-batista-kann-zinsen-nicht-mehr-zahlen-a-925236.html
Heike, der Ex-Star hat sich mit Haut und Haaren dem maliziösen Zins- und Zinseszinssystem verschrieben. Er kann seine Zinsen nicht mehr zahlen. Ein Bissle wird er aber irgendwo versteckt haben. Ein Milliönchen vielleicht oder fünf. Damit muss er dann in Zukunft darben - als Bankrotteur.
johannesmapro 30.09.2013
3.
Wir leben in einer Zeit der Beliebigkeit und der Begriffsverwirungen, scheinbar wissen die einen nicht mehr was links ist und hier weis man scheinbar nicht mehr was Reichtum ist, das ist schon der zweite Fall nach Anton Schlecker auf dieser Art. Der historische Fall ist Ivar Kreuker.
wurzelbär 30.09.2013
4. Die Frage ist doch
Zitat von xxbigjHmm dann noch die WM wo soll das hinführen..? Die Menschen leben in größter Armut und müssen dann so was ertragen. Kein Wunder das die auf die Strasse gehen. Denkt doch mal nach!! Wenn wir nicht Geld hätten würden doch bei uns auch Hundertausende auf die Strasse gehen wenn die nächste Finanzblase platzt
wenn der bei 3,6 Milliarden Schulden die Zinsen nicht mehr zahlen kann, wie läuft dann das Spiel erst ab, bei 2,7 Billionen Euro Volksüberschuldung durch die Politik. Der korrupte Staat ist finanziell volksvernichtend - um mit dem Rest der nach der Bereinigung übrigbleibt wieder von neuem anzufangen. Der Bürger, das Volk muß das selbstständige Denken erlernen, wohin uns der Glauben bringt sehen wir doch. Ab 1945 sollte es für Deutschland immer besser werden? Niedriglohn, Hartz IV, über eine Million Wohnungen ohne Strom, die Bildung im Keller, Sozialabbau, etc. Da spricht noch einer von Wohlstand, Demokratie und den Deutschen geht es gut. Wie die FS-Kochsendungen, damit die Menschen vorm Bildschirm satt werden!
markusma 30.09.2013
5. dass der Großteil seiner Ölfelder ökonomisch ....
Bin kein Fachmann, aber was heißt so was? > "dass der Großteil seiner Ölfelder ökonomisch nicht brauchbar sei" Das in den letzten jahren gehofft wurde, das mehr Öl vorhanden ist bzw. retabel abgebaut werden kann als es letztlich der Fall ist? Luftblase?
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