Olympus-Skandal Spur des Geldes deutet in die Unterwelt

Eine unabhängige Prüfkommission hat gewaltige Bilanzfälschungen beim japanischen Kamera-Konzern Olympus nachgewiesen, findet aber keine Verbindungen zum organisierten Verbrechen. SPIEGEL-ONLINE-Recherchen zeigen jedoch, wie in dem Skandal die Grenzen zwischen Unternehmens- und Unterwelt verwischen.

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Olympus-Logo: Dubioses Firmengeflecht
REUTERS

Olympus-Logo: Dubioses Firmengeflecht


Hamburg/London - Die Zusammenfassung des Olympus-Prüfberichts ist ein bemerkenswert widersprüchliches Schriftstück. Die vom aktuellen Management eingesetzte Expertenkommission kritisiert die Machenschaften in dem Unternehmen in einer Schärfe, die für japanische Verhältnisse ungewöhnlich ist. Von einem Konzern ist da die Rede, der "bis zum Kern verrottet ist"; von einem Vorstand aus Ja-Sagern, durch den eine der größten Bilanzverschleierungen aller Zeiten wohl erst möglich wurde.

Verluste in Höhe von rund 1,3 Milliarden Euro hat der Konzern laut Prüfbericht verschleiert, über ein komplexes Geflecht aus Dutzenden obskuren Fonds, auf verschiedenen Routen rund um die Welt. In Kürze wird wegen der Affäre der komplette Vorstand zurücktreten.

Gleichzeitig erteilt der Bericht dem Konzern eine Art Absolution: Es gebe keine Hinweise, dass es bei den Bilanzfälschungen Verbindungen zum organisierten Verbrechen gegeben habe, geben die Prüfer zu Protokoll. Vor allem die Yakuza, Japans Pendant zur Mafia, sei, anders als zuvor kolportiert, wohl nicht involviert gewesen.

Tatsächlich ist das noch gar nicht klar - was der Chef der Prüfkommission später auch einräumte. Man habe bislang eben "keine Beweise gefunden, dass Geld an die Yakuza geflossen ist", sagte Tatsuo Kainaka auf einer Pressekonferenz. Allerdings habe man auch nicht alle Geldflüsse nachverfolgen können.

Das versuchen nun japanische Ermittler - und die sind mit ihrer Spurensuche noch ganz am Anfang. "Es wird Monate dauern, ehe alle Geldflüsse rekonstruiert sind", sagt Michael Woodford, der frühere Chef des Konzerns, SPIEGEL ONLINE. Er selbst denke, "dass kriminelle Verwicklungen bei einer Affäre von derartigem Ausmaß eher wahrscheinlich sind".Woodford hatte die Bilanzaffäre vor rund zwei Monaten ins Rollen gebracht, mit einer Reihe Interviews in großen Tageszeitungen, in denen er Unregelmäßigkeiten in der Bilanz und die Krisenpolitik von Olympus anprangerte.

In dem Firmengeflecht um Olympus liegt also der Schlüssel zur Aufklärung der Affäre. Einen Teil der Verbindungen hat SPIEGEL ONLINE rekonstruiert - durch Auswertung von Wirtschaftsdatenbanken, archivierten Firmen-Websites, Prüfberichten von Kreditbewertern und Unternehmensberatern, japanischen Handelsregisterauszügen, Dokumenten aus dem Zentralregister der Cayman Islands, internen Olympus-Dokumenten und durch Interviews mit Insidern, Yakuza-Kennern und Experten der japanischen Wirtschaft.

Die Spurensuche beleuchtet einen Ausschnitt aus dem System Olympus, der über die Ergebnisse des Prüfberichts hinausgeht. Ein Blick in ein Milieu, in dem die Grenzen zwischen Geschäfts- und Unterwelt verwischen. Schicht für Schicht lässt sich das Firmengeflecht freilegen; je tiefer man vordringt, desto abenteuerlicher wird es.

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carlos451 08.12.2011
1.
Zitat von sysopEine unabhängige Prüfkommission hat gewaltige Bilanzfälschungen beim japanischen*Kamera-Konzern*Olympus nachgewiesen, findet aber keine Verbindungen zum organisierten Verbrechen.*SPIEGEL-ONLINE-Recherchen zeigen jedoch, wie in dem Skandal die Grenzen zwischen Unternehmens- und Unterwelt verwischen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,801190,00.html
[QUOTE=sysop;9275687]Eine unabhängige Prüfkommission hat gewaltige Bilanzfälschungen beim japanischen*Kamera-Konzern*Olympus nachgewiesen, findet aber keine Verbindungen zum organisierten Verbrechen.*SPIEGEL-ONLINE-Recherchen zeigen jedoch, wie in dem Skandal die Grenzen zwischen Unternehmens- und Unterwelt verwischen. Hier handelt es sich vermutlich um Geldwäsche: Mit Drogengeldern (oder aus anderen inkriminierten Quellen) werden von vielen Strohmännern in Cash oder per Überweisung Olympus Geräte weltweit gekauft. (Phase 1 der Geldwäsche: aus Cash mache Buchgeld). Dann wird das Geld innerhalb von Olympus gesammelt auf Investitionskonten. Schliesslich werden Firmen im Besitz derselben Drogenorganisation zu überhöhten Preisen gekauft. (Phase 2 der Geldwäsche: Verschleierung der Geldströme und Rückführung der gewaschenen Gelder an die Organisation. Die Verkäufer der Firmen (Gesellschaften auf den Cayman Islands) verschwinden auf der Bildfläche und investieren (Phase 3 der Geldwäsche) die eingenommenen Summen in Immobilien, Kunst Luxusgegenstände und weitere Firmen, Aktien etc. Kind Regards Carlos
carlos451 08.12.2011
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Zitat von carlos451[QUOTE=sysop;9275687]Eine unabhängige Prüfkommission hat gewaltige Bilanzfälschungen beim japanischen*Kamera-Konzern*Olympus nachgewiesen, findet aber keine Verbindungen zum organisierten Verbrechen.*SPIEGEL-ONLINE-Recherchen zeigen jedoch, wie in dem Skandal die Grenzen zwischen Unternehmens- und Unterwelt verwischen. Hier handelt es sich vermutlich um Geldwäsche: Mit Drogengeldern (oder aus anderen inkriminierten Quellen) werden von vielen Strohmännern in Cash oder per Überweisung Olympus Geräte weltweit gekauft. (Phase 1 der Geldwäsche: aus Cash mache Buchgeld). Dann wird das Geld innerhalb von Olympus gesammelt auf Investitionskonten. Schliesslich werden Firmen im Besitz derselben Drogenorganisation zu überhöhten Preisen gekauft. (Phase 2 der Geldwäsche: Verschleierung der Geldströme und Rückführung der gewaschenen Gelder an die Organisation. Die Verkäufer der Firmen (Gesellschaften auf den Cayman Islands) verschwinden auf der Bildfläche und investieren (Phase 3 der Geldwäsche) die eingenommenen Summen in Immobilien, Kunst Luxusgegenstände und weitere Firmen, Aktien etc. Kind Regards Carlos
[QUOTE=carlos451;9276108] Anzumerken wäre noch, dass bei den Käufen von Olympus Produkten durch Strohmmänner keine Waren sondern lediglich Geld fliesst. (Scheingeschäfte)
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