Beschluss des Förderkartells Opec-Staaten erhöhen Ölproduktion

Die Opec hat eine Erhöhung der Ölförderung beschlossen. Geplant ist ein Anstieg um eine Million Barrel pro Tag. Tatsächlich dürfte die Steigerung aber geringer ausfallen.

Saudischer Ölminister Khalid al-Falih
REUTERS

Saudischer Ölminister Khalid al-Falih


Die Mitglieder des Ölförderkartells Opec haben bei ihrem Treffen in Wien eine Ausweitung der Produktionsmenge beschlossen. Aus Kreisen der Förderländer verlautete, man habe sich gemeinsam mit anderen Förderländern auf einen Anstieg um eine Million Barrel pro Tag geeinigt. Die Erhöhung soll von Juli an gelten.

Nach der beschlossenen Ausweitung der Öl-Förderung verhandelt das Kartell nun auch mit den kooperierenden Nicht-Opec-Staaten. Russland als führender Ölproduzent in der Runde der Nicht-Opec-Staaten hatte sich zuletzt offen für ein Förderplus gezeigt.

Bereits zum Auftakt des Treffens hatte sich abgezeichnet, dass die 14 Opec-Staaten zu einer höheren Produktion tendieren und die bisherige Förderbremse lockern wollen. "Wir bereiten etwas vor", hatte Irans Ölminister Bijan Zanganeh nach einem Vorgespräch mit seinem saudi-arabischen Kollegen Khalid al-Falih gesagt.

Tatsächlich dürfte die beschlossene Ausweitung um eine Million Barrel pro Tag nicht erreicht werden. Wie es hieß, werde der reale Anstieg geringer sein. Denn einige Länder hätten nach der Phase der Förderkürzung nun Schwierigkeiten, zu den vollen Kontingenten zurückzukehren. Andere Länder wiederum könnten diese Lücke nicht so schnell schließen, sagten Insider.

Steigt die Produktion, dürfte der Ölpreis sinken - auch, wenn die Ausweitung der Fördermenge etwas geringer ausfällt als eine Million Barrel. Autofahrer dürften dadurch wohl zumindest kurzfristig günstiger tanken.

Eine höhere Produktion haben zuletzt wichtige Opec-Kunden wie die USA, China und Indien gefordert. Falih zufolge ist eine Erhöhung um mindestens eine Million Barrel pro Tag erforderlich, um in der zweiten Jahreshälfte Engpässe zu vermeiden. "Wir wollen die Knappheit und den Druck vermeiden, den wir 2007 und 2008 erlebt haben," sagte Falih mit Blick auf die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise, als ein Barrel fast 150 Dollar kostete. Derzeit liegt der Preis für ein Fass (159 Liter) bei 74 Dollar.

Iran - der drittgrößte Opec-Produzent - galt zuletzt als Bremser für eine höhere Produktion. Denn nach den jüngsten von US-Präsident Donald Trump verhängten Sanktionen gegen das Land erwarten Experten, dass die iranische Produktion bis Ende 2018 um ein Drittel zurückgeht. Iran würde also weniger von einer größeren Fördermenge profitieren als etwa Saudi-Arabien.

Ende 2016 hatten sich die Opec- und Nicht-Opec-Länder gemeinsam auf ein Förderlimit verständigt. Die Opec produzierte seither nicht mehr als 32,5 Millionen Barrel Öl am Tag. Die tatsächliche Produktion unterschritt dieses Limit in den vergangenen Monaten allerdings deutlich, weil vor allem Venezuela wegen seiner Wirtschaftskrise die Quoten nicht erfüllen konnte. Weltweit wurden im Mai 97,9 Millionen Barrel Öl täglich angeboten, ein Drittel davon von den 15 Opec-Staaten.

mmq/Reuters/dpa



insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
hoeffertobias 22.06.2018
1. Ursache und Wirkung!
"..., weil vor allem Venezuela wegen seiner Wirtschaftskrise die Quoten nicht erfüllen konnte." Aha, also wegen der Wirtschaftskrise...?! Es dürfte sich genau anders rum verhalten: Weil Venezuela eine sozialistisch verkorkste Wirtschaft hat, ist es nicht einmal mehr in der Lage, das massenhaft vorhandene Öl zu fördern (geschweige denn, Medikamente, Nahrungsmittel oder Hygieneartikel herzustellen). Diese Unfähigkeit ist dann zu einer Wirtschaftskrise geworden. Also mal kurz Ursache und Wirkung verwechselt! Germanist?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.