Halbjahrestreffen Opec lässt tägliche Ölfördermenge unverändert

Der Ölpreis ist niedrig wie selten zuvor. Trotzdem will die Opec nicht gegensteuern - sie hat jetzt entschieden, die tägliche Fördermenge nicht zu verknappen. Gut für die deutschen Verbraucher: Das Heizöl hierzulande ist günstig wie seit langem nicht mehr.

Erdölraffinerie in Durban City, Südafrika (Archivbild): Preisverfall auf den Märkten
AFP

Erdölraffinerie in Durban City, Südafrika (Archivbild): Preisverfall auf den Märkten


Wien - Trotz des jüngsten Absturzes der Ölpreise will die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) ihr bisheriges Förderziel von 30 Millionen Barrel am Tag nicht kürzen. Darauf verständigten sich die Energieminister der zwölf Mitgliedstaaten bei ihrer Halbjahreskonferenz in Wien.

Es gebe "keine Veränderung" zum bisherigen Niveau von 30 Millionen Barrel pro Tag, sagte der kuwaitische Ölminister Ali Al-Omair. "Wir wollen abwarten, wie sich der Markt entwickelt", kündigte Opec-Generalsekretär Abdalla El-Badri an. Seit Juni sind die Preise für Rohöl bereits um gut ein Drittel gesunken.

Am Donnerstag gaben sie erneut stark nach, sie fielen auf den tiefsten Stand seit mehr als vier Jahren. Auf die Opec-Entscheidung hin sank der Ölpreis am frühen Abend weiter, im Tagesverlauf gab er um mehr als sechs Dollar nach: Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent verbilligte sich auf etwa 73 Dollar; zeitweilig war der Preis zuvor gar auf 71,25 Dollar gefallen.

Die fallenden Ölpreise machen das Heizöl in Deutschland so günstig wie seit langem nicht mehr. Erstmals seit mehr als vier Jahren kosteten 100 Liter Heizöl am Donnerstag weniger als 70 Euro.

"Wir haben keinen Zielpreis"

US-Leichtöl der Marke WTI gab ebenfalls nach - auf 68,90 Dollar je Barrel. Dies der niedrigste Preis seit Mai 2010, als er auf 67,75 Dollar einbrach. "Wir haben keinen Zielpreis", erklärte El-Badri.

Hintergrund für die Entwicklung ist ein wachsendes Angebot und zugleich eine schwächelnde Nachfrage. Eine Reduzierung der Fördermenge durch die Opec hätte diese Entwicklung bremsen können. Der Umgang mit dem Preisverfall hatte die Organisation gespalten. Ärmere Opec-Mitglieder wie Venezuela hatten auf eine Kürzung gedrängt, um dem Preisverfall auf den Ölmärkten Einhalt zu gebieten.

Der venezolanische Außenminister Rafael Ramírez sagte vor Beginn der Gespräche in Wien, es seien rund zwei Millionen Barrel pro Tag zu viel auf dem Markt. Auch der iranische Ölminister Bijan Namdar Zanganeh erklärte, es müsse etwas unternommen werden, um den Markt kurzfristig zu beeinflussen.

Dagegen sagte der Ölminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Suhail al-Masruei, der Markt werde sich selbst stabilisieren. Minister Al-Omair aus Kuwait erklärte, selbst eine Reduzierung der Opec-Fördermenge werde das Überangebot im Markt nicht aufwiegen. Der besonders einflussreiche saudi-arabische Ölminister Ali al-Naimi äußerte sich vor der Sitzung in Wien nicht, hatte aber schon im Vorfeld seine Ablehnung einer niedrigeren Fördermenge deutlich gemacht.

Das derzeitige Förderziel besteht seit Dezember 2011, es wird aber seit Längerem deutlich überschritten. Die konjunkturbedingt schwache Ölnachfrage und der derzeitige Schieferölboom in den USA hatten zuletzt ein Überangebot auf dem Ölmarkt ausgelöst - und damit sinkende Preise.

Die Opec liefert derzeit etwa ein Drittel des weltweiten Erdöls. Die Organisation besitzt rund drei Viertel der Reserven.

bos/AFP/dpa



insgesamt 62 Beiträge
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schwaebischehausfrau 27.11.2014
1. Spannend...
spannend, denn jetzt wird sich bald rausstellen, wie profitabel Fracking wirklich betrieben werden kann und ab welchem Ölpreis man nur noch mit Verlust "fracken" kann. Wenn einige Kritiker recht behalten mit ihrer Vermutung, dann dürfte gerade den kleineren, privaten Fracking-Unternehmen (ohne großen Konzern im Rücken, der Verluste auch mal ein paar Monate abfedern kann durch seine Cash-Reserven) bald die Luft ausgehen - denn die haben sich für ihre Fracking-Ausrüstung massiv verschuldet und müssen ihre Gläubiger bedienen. Let's see, den privaten Konsumenten kann's nur freuen, wenn sich Scheichs, Putin und Fracker gegenseitig die Ölpreise in den Keller treiben :-).
lachina 27.11.2014
2. Wenn die Erdölpreise so niedrig sind,
und die OPEC das Gut auch nicht künstlich verknappen möchte - weshalb kostet dann die Heizung so viel und werden die Preise nicht gesenkt? ( Lachina, die bisher noch NICHT heizt, aus dem Grund, weil sie es sich eigentlich nicht leisten kann)
taypan 27.11.2014
3. Opec
Da lohnt sich mal wieder V 8 zu fahren.
uwelmeyer 27.11.2014
4. Konsum statt Nachhaltigkeit
Gute Nachricht für die Konsumenten, schlechte für die Bank Erde.
pubsfried 27.11.2014
5. 1,179 wäre dann der Zielpreis für Diesel,...
...wenn die Referenz 08/2010 wäre (Tankbeleg von damlas)! Und das war auch damals schon eine unverschämte Steigerung von 15 Cent innerhalb von 2 Jahren trotz Rezession! Und wo sind wir heute ? Unter 1,25 ist noch immer fast nix zu bekommen
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