Streit um Sanierung Opel-Betriebsrat blockiert Abfindungsprogramm

Das freiwillige Abfindungsprogramm bei Opel wird offenbar gut angenommen. Der Betriebsrat sieht dadurch die Zukunft des Autoherstellers gefährdet - und verweigert vorläufig seine Zustimmung.

Opel-Werk in Kaiserslautern (Archiv)
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Opel-Werk in Kaiserslautern (Archiv)


Bei Opel eskaliert der Streit um das freiwillige Abfindungsprogramm. Der Betriebsrat verweigert zu aktuellen Verträgen vorläufig seine Zustimmung.

Gleichzeitig wird die Unternehmensleitung aufgefordert, die Abfindungen von bis zu 275.000 Euro plus weitere Zulagen vorerst nicht weiter anzubieten. Das geht aus einer internen Mitarbeiterinformation der Arbeitnehmer hervor. Grund sei die hohe Akzeptanz bei den anderen Angeboten zu Vorruhestand und Altersteilzeit.

Die Opel-Belegschaft streitet mit der neuen französischen Muttergesellschaft PSA über deren Sparpläne, die Verhandlungen sind festgefahren. Betriebsrat und IG Metall werfen dem Management vor, mit einem Kahlschlag in Deutschland den Autohersteller zu gefährden.

IG Metall warnt vor "ungewisser Zukunft"

In der Mitarbeiternachricht der Gewerkschaft IG Metall heißt es, die mit dem Management vereinbarten Abbauziele von insgesamt 3700 Stellen in den deutschen Werken seien beispielsweise am Standort Kaiserslautern bereits erreicht. Damit entstehe für die Werke und die verbleibenden Mitarbeiter "eine bedrohliche Situation mit ungewisser Zukunft".

Zudem habe der Betriebsrat noch keine Stellungnahme zu angeblich verspätet eingegangenen Massenentlassungsanzeige abgegeben. Ein Opel-Sprecher sagte, man kommentiere interne Schreiben an die Mitarbeiter nicht.

Bereits 1000 Anträge

Die Geschäftsleitung warf dem Betriebsrat ihrerseits vor, mit der Blockade gegen die Betriebsvereinbarung zum Freiwilligenprogramm zu verstoßen. Das geht aus einem Schreiben des Opel-Managements an die Mitarbeiter hervor.

"Es ist ein Ammenmärchen, dass hier eine 'Massenflucht' von Leistungsträgern passiert und die Arbeit künftig nicht erledigt werden kann", teilte das Management in seinem Schreiben mit. Nach fast 20 Jahren Verlusten in Folge müsse Opel endlich schlagkräftiger werden.

Mit dem am 21. März vereinbarten Programm zum freiwilligen Ausscheiden will der Autobauer die Kosten drücken. Das Angebot werde gut angenommen, teilte das Management mit. Rund 1000 Anträge lägen bereits vor, in rund 200 Fällen gebe es bereits unterschriftsreife Aufhebungsverträge. 70 Leute sollten bereits zum 1. Mai gehen und dafür eine zusätzliche "Speed-Prämie" erhalten. Dies werde nun blockiert.

brt/dpa/Reuters

insgesamt 9 Beiträge
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eigene_meinung 27.04.2018
1.
Bisher konnte mir noch niemand schlüssig erklären, wie durch Massenentlassungen mit hohen Abfindungen Kosten gespart werden könnten. Dies würde nur dann funktionieren, wenn die Entlassenen ("freiwillig ausscheidenden) ansonsten gar nichts zu tun hätten. Tatsächlich wird aber deren Arbeit nach der Entlassung durch Externe erledigt oder durch zugekaufte Produkte ersetzt.
vitalik 27.04.2018
2.
Die Entscheidung der Mitarbeiter ist nachvollziehbar. Die Zukunft von Opel ist ungewiss und die frühe Entscheidung zu einem Wechsel ist ein Vorteil bei der Suche einer neue Stelle. Wenn die Betriebe komplett schließen, werden tausende Mitarbeiter mit vergleichbarer Qualifikation auf den Arbeitsmarkt strömen. Mit 275.000 € Startkapital kann man sich sogar einen Neuanfang weiter weg der Heimat vorstellen.
zia-zaruba 27.04.2018
3. @ eigene_meinung
ich denke, dass dann der Standort geschlossen wird.
ambulans 27.04.2018
4. der
BR hat doch einfach nur noch angst um seinen eigenen, nicht gerade schlecht bezahlten (zuschläge!) job - und für die kollegen gilt jetzt offenbar: rette sich, wer kann ...
deni9 27.04.2018
5. Abfindung
Na klar ist es günstiger den Arbeitern eine hohe Abfindung zu geben. Z.B. Durchnittsgehalt 60000€x10 Jahre=600000€ verdient ein Mitarbeiter in dieser Zeit. 275000€ ist die höhste Abfindungssumme die man bekommen kann, auch nur dann wenn man bei Opel mindesten 35 Jahre dort tätig war. So, was ist jetzt eure Meinung nach günstiger???? Nicht zu vergessen, gibt sehr viele Opelaner die dort nicht viel zu tun haben!!! Opel kauft doch fast alles ein,Ist doch alles ausgelagert worden. Es gibt im Prinzip fast keine reinen Made by Opel Teile,schon lange,lange nicht mehr.
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