Streit um Sanierung Betriebsrat lehnt Vorschläge des Opel-Managements ab

Von "Desinformation" und offenem Tarifbruch ist die Rede: Der Opel-Betriebsrat weist die Forderungen der Geschäftsführung und des Mutterkonzerns PSA zur Sanierung des kriselnden Autoherstellers scharf zurück.

Opel-Mitarbeiter
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Opel-Mitarbeiter


Im Streit um die Opel-Sanierung wird der Ton schärfer. Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug warf der Geschäftsleitung "Desinformation" vor. Er wies die Vorschläge zur Erfüllung der Tarifverträge im Anschluss an eine Betriebsversammlung im Stammwerk Rüsselsheim zurück. Die Gewerkschaft IG Metall und der Betriebsrat werfen der eigenen Geschäftsführung und dem Mutterkonzern PSA offenen Tarifbruch vor.

Der Personalabbau bei Opel könnte deutlich höher ausfallen als gedacht. Würde in Eisenach künftig nur ein Fahrzeug gebaut, laufe dies in etwa auf eine Halbierung der Belegschaft von derzeit 1800 Mitarbeitern an dem Standort hinaus, sagte Schäfer-Klug.

Unter der Leitung des neuen Eigners PSA will Opel in dem thüringischen Werk nur noch einen Geländewagen bauen. Bisher wurden dort die zwei Kleinwagen-Modelle Adam und Corsa montiert. "Die Halbierung der Belegschaft in Eisenach wäre der Einstieg in den Komplettausstieg", sagte der Regionalbevollmächtigte der IG Metall, Uwe Laubach. Betriebsrat und IG Metall fordern zwei Fahrzeuge, um das Werk auszulasten.

Stellenabbau in Kaiserslautern befürchtet

Im Motorenwerk Kaiserslautern sollten die Beschäftigten einem Szenario zufolge keine Motorenteile mehr herstellen, sondern nur noch die Endmontage machen. "Wenn das so käme, würde das eine Verringerung der Mitarbeiterzahl bedeuten", sagte der dortige Betriebsratschef Lothar Sorger nach einer Betriebsversammlung. Im vergangenen Jahr arbeiteten gut 2000 Menschen in Kaiserslautern.

Die Ingenieure in Rüsselsheim sollen künftig zusätzlich für die Entwicklungsleitung bei den leichten Nutzfahrzeugen der PSA-Gruppe zuständig sein.

Zum Vorschlag des Managements würde auch ein Verzicht der Mitarbeiter gehören. "Dafür hätten alle Beschäftigten 4,3 Prozent dauerhaft abgeben sollen, Urlaubs- und Weihnachtsgeld", sagte Schäfer-Klug. "Ein solches Angebot werden wir auch weiterhin nicht annehmen."

Die Belegschaft sei geschockt, sagte Schäfer-Klug. Ein solches Verhalten hätten die Mitarbeiter selbst unter dem früheren Eigner General Motors nie erlebt. Bereits unter GM waren bei Opel Tausende Stellen gestrichen und Werke geschlossen worden, darunter in Deutschland das Werk Bochum.

Opel-Chef Micheal Lohscheller teilte in einer auf Twitter verbreiteten Videobotschaft mit, das Unternehmen wolle in Deutschland investieren und den Tarifvertrag einhalten. Man habe Pläne für Kaiserslautern und Eisenach vorgelegt, die sogar besser seien, als das, was im Tarifvertrag festgeschrieben sei. "Die Voraussetzung für umfangreiche Investitionen ist Wettbewerbsfähigkeit."

Altmaier fordert nachhaltige Perspektiven

Der Streit rief auch Unruhe in Berlin hervor. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) habe ein großes Interesse an einer nachhaltigen Perspektive für Opel und seine Beschäftigten, sagte eine Sprecherin.

Der SPD-Politiker Bernd Westphal verlangte, PSA müsse sich an die Zusagen halten, die bei der Übernahme des Rüsselsheimer Autobauers gemachten worden seien: "Die SPD-Bundestagsfraktion steht an der Seite der Belegschaft."

Kanzlerin Angela Merkel hatte ebenfalls gefordert, dass sich PSA an die Zusagen halten solle. "Wir erwarten jetzt erst mal von dem Unternehmen, dass es all das, was es versprochen hat im Zusammenhang mit der Übernahme, auch einhält", hatte sie am Mittwoch gesagt. Altmaier und Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) führten dazu Gespräche an Opel-Standorten.

PSA hatte bislang mitgeteilt, die Opel-Sanierung ohne Entlassungen oder Werkschließungen zu schaffen. Umfangreiche Abfindungsprogramme sollen die Belegschaft reduzieren. Investitionszusagen gab es bislang nur für Opel-Werke außerhalb Deutschlands.

Erträge offenbar verbessert

Firmenchef Lohscheller stellte im ersten Quartal 2018 erste, kleine Verbesserungen fest. Die "Erträge werden deutlich besser", sagte er nach Informationen der "Wirtschaftswoche" auf einer Mitarbeiterversammlung im Rüsselsheimer Adam-Opel-Haus.

Allerdings habe Opel im ersten Quartal 25.000 Autos weniger als vor einem Jahr verkauft, berichtete das Magazin unter Berufung auf Aussagen Lohschellers.

Die Gründe dafür sehe der Manager im vom Brexit geplagten Großbritannien und dem schwächer wachsenden türkischen Markt. Opel wolle in Deutschland investieren, doch man müsse die Kosten drücken. "Teilweise waren unsere Werke doppelt so teuer wie PSA-Werke", wurde Lohscheller zitiert.

brt/dpa/Reuters

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