Proteste bei Opel in Eisenach Konzernchef Tavares pocht auf harten Sparkurs

Bei Opel verhärten sich die Fronten zwischen Belegschaft und der französischen Mutter Peugeot. Trotz Protesten und guten Zahlen drängt Konzernchef Tavares auf einen Lohnverzicht.

Opelaner protestieren in Eisenach, Thüringen
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Opelaner protestieren in Eisenach, Thüringen


Wegen der geplanten Sanierung der Opel-Werke in Deutschland geht die Belegschaft mit dem Mutterkonzern Peugeot SA (PSA) auf Konfrontationskurs. Während im Thüringer Eisenach Opelaner gegen geplante Kürzungen protestieren, besteht PSA-Chef Carlos Tavares beim Aktionärstreffen in Frankreich weiter auf harte Einsparungen.

PSA setzte bereits in Frankreich und auch Großbritannien Sparmaßnahmen durch und will nun auch die deutschen Werke auf Kurs bringen. So pochte Tavares gemeinsam mit Opel-Chef Michael Lohscheller auf einen Lohnverzicht der Beschäftigten, um die Arbeitskosten hierzulande auf das niedrigere Niveau des Gesamtkonzerns zu drücken.

Opelaner demonstrieren in Eisenach

Die Sanierungsgespräche für die deutschen Opel-Werke sind bisher ohne Ergebnis geblieben. Die IG Metall wirft PSA Erpressung vor und fordert einen detaillierten Unternehmensplan. Die Gewerkschaft befürchtet, dass der Mutterkonzern mit einem Kahlschlag in Deutschland die Firma gefährden könnte.

PSA, zu dem auch die Marken Peugeot, Citroën und DS gehören, hatte Opel im vergangenen Sommer übernommen. PSA hat allerdings zugesagt, keine Werke in Deutschland zu schließen und keine betriebsbedingten Kündigungen auszusprechen.

Dennoch steht laut Gewerkschaften vor allem das kleinste Werk in Eisenach auf der Kippe. Dort kamen am Dienstag Beschäftigte, Gewerkschafter und Thüringer Landespolitiker zusammen, um vor dem Werkstor gegen das Ende der Eisenacher Opel-Produktion zu protestieren.

Nach Angaben der IG Metall ist bisher nur die Produktion eines großen Geländewagens mit einer Jahresstückzahl von unter 100.000 Fahrzeugen für Eisenach im Gespräch. Damit hätten nur knapp 1000 der derzeit 1800 Beschäftigten eine Perspektive, sagte ein Gewerkschaftssprecher. Nur mit zwei Automodellen könne der Standort demnach profitabel arbeiten.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) rief bei der Veranstaltung Unternehmens- und Arbeitnehmervertreter zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf. "Die Differenzen müssen dort ausgeräumt werden", sagte er. Ramelow forderte PSA zur Einhaltung von Zusagen und Tarifverträgen auf. Zuvor hatte bereits Bundeskanzlerin Angela Merkel an den französischen Konzern appelliert.

Tavares: "Das Unternehmen wieder auf die Schienen bringen"

Einen schnellen Abschluss der Verhandlungen sehe er nicht, sagte hingegen PSA-Chef Tavares beim Aktionärstreffen des Autokonzerns, das ebenfalls an diesem Dienstag stattfand. "Das wird noch einige Wochen dauern", sagte der Manager. "Seien Sie nicht überrascht, das wird noch etwas Lärm machen. Das ist ein Teil dessen, was man machen muss, um dieses Unternehmen wieder auf die Schienen zu bringen." Er wies darauf hin, dass es in Großbritannien, Polen, Spanien, Ungarn und Österreich bereits Vereinbarungen mit den Sozialpartnern gebe.

Seit der Übernahme durch PSA seien die Fixkosten bei Opel bereits um 17 Prozent gesunken, so Tavares. Der Konzernumsatz stieg im ersten Vierteljahr inklusive Opel kräftig um gut 42 Prozent auf rund 18,2 Milliarden Euro. Auf die Opel-Sparte - dazu gehört auch die britische Schwestermarke Vauxhall - entfiel dabei ein Umsatzanteil von 4,84 Milliarden Euro.

ans/dpa/AFP/Reuters

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insgesamt 7 Beiträge
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53er 24.04.2018
1. Das Unternehmen wieder auf die Schienen bringen
wollte bei Opel schon einmal der Spanier Lopez. Den sind sie dann zum Glück an VW losgeworden, wo er mit seinem "segensreichen Schaffen" wie bei Opel im wahrsten Sinne nur Schrott produzieren ließ. Danach hat er noch eine völlig erfolglose Unternehmensberatung gegründet und hat sich jetzt in den Ruhestand verabschiedet. Nun mischt über PSA ein Portugiese im Unternehmen mit und wieder ist die "segensreiche" Hand am Werk. Der Mann versteht zwar nichts von Autos, aber optimieren kann er um so besser. Dann warten wir mal ab, bis die produzierten Fahrzeuge genauso optimal sind wie die der Kernmarke Peugeot. Endet dies alles in einer Orgie von miserabler Qualität, enden beide Marken im Nirwana, aber Tavares hat dann sicher schon längst mit seinen trockenen Schäfchen das Weite gesucht....oder hilft bei Audi/VW aus.
derhey 24.04.2018
2. Keine internen Kenntnissse
bekannt ist eigentlich nur, daß Opel schon seit Jahrzehnte rote Zahlen schreibt. Zuerst hat es geheisen, GM beute Opel aus, transveriere Gewinn und Erfindungen nach USA etc, irgendwo steckt doch bei der Firma der Wurm drin. Weshalb kommen die nicht aus den roten Zahlen trotz guter Autokonjunktur? Liegt es an den Löhnen, unfähigen und zu vielenMitarbeitern um ein Auto zusammenzuschrauben, falsche Zulieferer, falsche Strategie? Nur eins ist wohl sicher, so weitergehen kann es wohl nicht, woher komnmt denn das ganze Geld, das verbrannt wird?
Braveheart Jr. 24.04.2018
3. Dann soll Herr Tavares doch ...
... mit gutem Beispiel vorangehen! Die Damen und Herren des Managements können eine Kürzung ihrer Bezüge sicher leichter verkraften als der Kollege an der Montagestraße. Schließlich stecken sie jedes Jahr ein Vielfaches des durchschnittlichen Malochergehaltes ein. Deshalb mein Vorschlag: Der Kürzungsfaktor wird für jeden mit der Hälfte dieses Vielfachwerts multipliziert. Das heißt, wenn der Kürzungsfaktor 5% ist und der Betreffende das 8-fache Normalgehalt einsackt, dann darf er auf 8/2*5 = 20% verzichten. Natürlich ohne Endjahresausgleich durch aufgeblähte "Erfolgs"Boni. Denn die Senkung der Lohnkosten ist ja keine Erfolgsstory des Managements. Eher das Gegenteil.
tpro 24.04.2018
4.
"...Weshalb kommen die nicht aus den roten Zahlen trotz guter Autokonjunktur? ..." Weil Opel Autos nicht außerhalb Europas verkaufen durfte. "...Wie Opel von General Motors leergesaugt wird..." https://www.welt.de/motor/article3357373/Wie-Opel-von-General-Motors-leergesaugt-wird.html
wokrei 24.04.2018
5. ..und dann 1 Mio Euro Bonus für den Chef
In diesem von den Agenturen übernommenen Beitrag fehlt die Nachricht, dass die zitierte Aktionärsversammlung in Frankreich dem Herrn Tavares 1 Mio Euro Bonus für die Opel-Sanierung zugestanden hat!
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