Autobauer in der Krise Opel-Chef Stracke zurückgetreten

Auch das noch: Mitten in der Krise verliert Opel seinen Chef. Karl-Friedrich Stracke ist als Vorstandsvorsitzender zurückgetreten. Auch den Posten als Präsident von General Motors Europe hat er abgegeben. GM-Vizechef Stephen Girsky soll die Geschäfte in Europa kommissarisch leiten.


Rüsselsheim - Der angeschlagene Autobauer Opel braucht einen neuen Chef. Nach nur 15 Monaten trat der Vorstandsvorsitzende Karl-Friedrich Stracke am Donnerstag überraschend zurück. Auch seinen Posten als Präsident von General Motors (GM) in Europa habe Stracke abgegeben, teilte Opel mit. Gründe für den Rücktritt nannte das Unternehmen nicht.

GM-Vizechef Stephen Girsky werde nun die Geschäfte von GM in Europa kommissarisch leiten, hieß es. Die Suche nach einem Nachfolger für Stracke laufe bereits. "Ich verlasse diese Position im Wissen, dass Opel/Vauxhall in eine gute Zukunft steuert - und freue mich, für GM andere Aufgaben zu übernehmen", wurde Stracke in der kurzen Unternehmensmitteilung zitiert. Der Aufsichtsrat von Opel soll nun bald zusammenkommen und einen kommissarischen Vorstandsvorsitzenden für Opel benennen.

Der 56-jährige Stracke war im April 2011 als Chef von Opel angetreten. Den Posten als Präsident von General Motors Europe hatte er erst zu Jahresbeginn übernommen. Stracke werde nun Sonderaufgaben für den US-Mutterkonzern GM übernehmen, erklärte das Unternehmen.

Erst am Mittwoch hatte Stracke die Opel-Mitarbeiter in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung auf eine harte Zeit vorbereitet. "Wir drehen jeden Stein um", wurde der Manager zitiert. Der US-Mutterkonzern General Motors sei zu Recht ungeduldig mit seinem Unternehmen. Opel müsse so schnell wie möglich wieder profitabel werden. Zugleich hatte Stracke den Mitarbeitern versichert, der Konzern setze statt Werkschließungen und Entlassungen auf eine Modelloffensive und Kostenersparnisse.

Opel steckt mitten in der Sanierung

Der Chefwechsel bei Opel kommt mitten in der Krise. Der Autobauer leidet stark unter der Kaufzurückhaltung der Kunden in der Euro-Zone und soll seine Produktionskapazität reduzieren. Zuletzt hatte der Konzern ein Werk in Antwerpen geschlossen. Seitdem ist die Nachfrage nach Modellen von Opel und der Schwestermarke Vauxhall aber weiter gefallen. Allein im wichtigsten Markt Deutschland wurden im Mai elf Prozent weniger Opel-Fahrzeuge verkauft.

Schon das vergangene Jahr lief schlecht. Opel verkaufte insgesamt ein Fünftel weniger Autos als im Vorjahr und verbuchte 2011 einen Verlust von 523 Millionen Euro. Auch im laufenden Jahr ist der Absatz kräftig gesunken. Stracke sollte das Unternehmen zurück in die Gewinnzone führen. Dieses Ziel wurde klar verfehlt.

Erst vor zwei Wochen hatte der Opel-Aufsichtsrat das vom Vorstand vorgelegte umfassende Sanierungskonzept gebilligt, derzeit verhandeln Betriebsrat, IG Metall und Vorstand die Umsetzung. Ein Bestandteil der Verhandlungen ist dabei eine Job-Garantie in allen Werken bis Ende 2016. Der Fortbestand der Fabrik in Bochum ist bis 2014 vertraglich festgeschrieben. Derzeit verhandeln Manager mit Gewerkschaftern und Betriebsräten über zwei weitere Jahre - bis 2016 die Fertigung des aktuellen Familien-Vans Zafira ausläuft.

Während bei Opel derzeit keine Stellenstreichungen offiziell sind, verkündete der französische Konkurrent PSA Peugeot Citroën am Donnerstag den Abbau von 8000 Stellen. Ein großes Werk nahe Paris soll geschlossen werden.

PSA und GM haben im Frühjahr eine Allianz geschmiedet. Beide Konzerne wollen künftig gemeinsam Autos entwickeln und gemeinsam einkaufen. Das soll zu milliardenschweren Einsparungen führen, die sich allerdings erst in einigen Jahren zeigen werden.

Die Krise in Südeuropa trifft die Massenhersteller

Besonders Massenhersteller wie Fiat, PSA, Renault, Fiat, Opel und Ford sind derzeit von der Absatzkrise in Europa betroffen. Seit dem Rekordjahr 2007 fiel der Autoabsatz in der EU um fast 25 Prozent oder 3,5 Millionen Stück. Das ist mehr als 2011 in Deutschland abgesetzt wurde (3,2 Millionen).

Volkswagen jedoch hält der Krise bisher einigermaßen stand. Der Wolfsburger Konzern hat ein starkes Dienstwagengeschäft und eine große Marktmacht in den wirtschaftlich stabilen Ländern in Nordeuropa. An den deutschen Premiumherstellern BMW, Audi, Mercedes und Porsche geht die Absatzkrise bisher völlig vorbei.

har/mmq/Reuters/dpa



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 71 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Bundeskanzler20XX 12.07.2012
1. logische Folge
Zitat von sysopdapdAuch das noch: Mitten in der Krise verliert Opel seinen Chef. Karl-Friedrich Stracke ist als Vorstandsvorsitzender zurückgetreten. Auch den Posten als Präsident von General Motors Europe hat er abgegeben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,844121,00.html
Nach dem was er kürzlich von sich gegeben hat war das eine nur logische Folge.
Haarspalter 12.07.2012
2. .
Na, hat er wohl endlich eine ausreichende Abfindung herausgehandelt, der "Leistungsträger".
solomong. 12.07.2012
3. 0 Unterstützung für Opel,
Zitat von sysopdapdAuch das noch: Mitten in der Krise verliert Opel seinen Chef. Karl-Friedrich Stracke ist als Vorstandsvorsitzender zurückgetreten. Auch den Posten als Präsident von General Motors Europe hat er abgegeben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,844121,00.html
das hat ihm GM wohl heute Nacht erklärt. BILD: GM bestimmt doch ohnehin den Kurs von Opel. Sind Sie nur Ausführungsgehilfe des mächtigen Mutterkonzerns? Stracke: "Keineswegs. Opel ist seit 1929 Teil von GM und wir können auf viele gemeinsame Erfolge zurückblicken. Auch jetzt steht GM voll hinter Opel – und wir sind dankbar für die Unterstützung. BILD-Interview mit Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke: Wir dürfen GM nicht länger auf der Tasche liegen! - Wirtschaft - Bild.de (http://www.bild.de/geld/wirtschaft/opel/interview-mit-karl-friedrich-stracke-ist-opel-noch-zu-retten-25095214.bild.html) Over and out.
ekel-alfred 12.07.2012
4. Rainer Einenkel übernehmen Sie!
Zitat von sysopdapdAuch das noch: Mitten in der Krise verliert Opel seinen Chef. Karl-Friedrich Stracke ist als Vorstandsvorsitzender zurückgetreten. Auch den Posten als Präsident von General Motors Europe hat er abgegeben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,844121,00.html
Er hat wohl einsehen müssen, daß er an dieser Aufgabe kläglich scheitern wird. Die Auflagen aus Übersee waren wohl doch zu groß.....
sachfahnder 12.07.2012
5. Abfindung...
Zitat von HaarspalterNa, hat er wohl endlich eine ausreichende Abfindung herausgehandelt, der "Leistungsträger".
...dürfte (noch) nicht sein, immerhin übernimmt er jetzt im Konzern "Sonderaufgaben", was immer das sein mag!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.