GM-Sparplan: Bochumer Opel-Werk droht das Aus

General Motors verliert die Geduld mit seiner defizitären Tochter Opel: Der US-Autobauer plant dem "Wall Street Journal" zufolge die Schließung von bis zu zwei europäischen Werken. Besonders gefährdet sind demnach die Standorte Bochum und Ellesmere Port.

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Opel-Werk in Bochum: Mehr Klarheit am kommenden Mittwoch?

Frankfurt/Detroit - Es ist offenbar der Auftakt für ein neues Drama um Opel: Das Management der General-Motors-Tochter plant die Schließung von bis zu zwei Werken in Europa, wie das "Wall Street Journal" und die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Insider berichten. Am kommenden Mittwoch werde sich der Aufsichtsrat mit einem Geschäftsplan befassen, der wohl vorsehe, zwei Werke zu schließen und die Produktionskapazitäten um 30 Prozent zu senken, sagten Eingeweihte. Als am meisten gefährdet gelten die Standorte in Bochum und im britischen Ellesmere Port.

General Motors (GM) Chart zeigen habe wiederholt erklärt, dass es angesichts von Überkapazitäten von 500.000 Fahrzeugen pro Jahr zwei Werke zu viel gebe, hieß es. "Der neue Produktionschef hat ein Werk nach dem anderen besucht und spielt sie gegeneinander aus", sagte ein Aufsichtsratsmitglied aus dem Arbeitnehmerlager. "Wir kennen die Kernpunkte des neuen Geschäftsplans, der am Mittwoch präsentiert werden könnte. Dieser sieht Werksschließungen vor, Wachstum soll es für Opel nicht geben."

Das Europa-Geschäft von GM - das ist Opel und zum kleineren Teil die britische Vauxhall - schrieb 2011 knapp 750 Millionen Dollar Verlust. In den vergangenen Monaten waren immer wieder Gerüchte aufgekommen, GM wolle Opel womöglich verkaufen oder das Opel-Werk in Bochum schließen. Zuletzt meldete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", dass den Mitarbeitern in Deutschland Einschnitte drohen. Auch über ein Ende der Vauxhall-Fabrik in Ellesmere Port wurde spekuliert.

Bis 2014 ist Opel allerdings durch ein Abkommen geschützt, das Werksschließungen und Entlassungen ausschließt. Dies war von Management und Gewerkschaften im Gegenzug für einen strikten Sparplan vor zwei Jahren beschlossen worden; 8000 Stellen wurden damals gestrichen und das Werk im belgischen Antwerpen geschlossen. Zuvor hatte es ein monatelanges Gezerre um Opel gegeben, bei dem lange der Verkauf der GM-Tochter im Vordergrund stand.

"Klar, dass es auch um Werke und Produktion geht"

Das Werk in Bochum ist nach Opel-Angaben mit rund 5000 Arbeitsplätzen der größte industrielle Arbeitgeber in der Region. In den dortigen Werken werden die Modelle Astra und Zafira sowie Achsen und Getriebe produziert. 2007 wurden dort 240.000 Autos gebaut. In Ellesmere Port werden verschiedene Versionen des Astra gebaut. Dort sind Vauxhall-Angaben zufolge 2100 Menschen beschäftigt, das Werk hat eine Produktionskapazität von 187.000 Autos.

Opel hat in Deutschland insgesamt noch etwa 40.000 Mitarbeiter und neben Bochum und Rüsselsheim noch Werke in Eisenach und Kaiserslautern. Ein Vertreter aus dem Unternehmen sagte, es sei keine Entscheidung über Werksschließungen in Europa getroffen worden. Der Handlungsspielraum des Opel-Managements werde aber zunehmend enger. "Das Geschäft in Europa ist für die gesamte Branche ziemlich schwierig, eine Besserung ist nicht in Sicht. Wenn es so schlecht läuft, muss man Entscheidungen treffen. Es geht nicht so sehr darum, was wir oder die Gewerkschaften wollen - es ist das Umfeld, das uns zwingt." Man dürfe nicht viel mehr Zeit verlieren.

Am Donnerstag hatte ein Opel-Sprecher in Rüsselsheim gesagt, es sei grundsätzlich klar, dass man sich verbessern müsse. Mit den Betriebsräten der Standorte in Europa werde über Strategien gesprochen, um Opel profitabel zu machen. Dabei sei "klar, dass es auch um Werke und Produktion geht". Im Stammwerk in Hessen werden derzeit die Bänder tageweise angehalten, weil die Nachfrage stockt. Opel steht auch unter Druck, weil wegen der Rezession in Südeuropa kaum noch neue Autos verkauft werden.

Ende Februar hatte GM eine strategische Allianz mit PSA Peugeot Citroën angekündigt und erklärt, mit sieben Prozent bei dem französischen Autobauer einzusteigen. Neben dem gemeinsamen Einkauf von Material wollen die Unternehmen offenbar auch bei der Entwicklung neuer Modelle kooperieren. Der Opel-Betriebsrat verlangte daraufhin Klarheit für die Zukunft der Opel-Werke.

yes/Reuters

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1. sehr bitter!
tobias1811 23.03.2012
Zitat von sysopGeneral Motors verliert die Geduld mit seiner defizitären Tochter Opel: Der US-Autobauer plant dem "Wall Street Journal" zufolge die Schließung von bis zu zwei europäischen Werken. Besonders gefährdet sind demnach die Standorte Bochum und Ellesmere Port. GM-Sparplan: Bochumer Opel-Werk droht das Aus - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,823222,00.html)
Strategisch wohl eine richtige Entscheidung, jedoch sehr bitter für den Standort Bochum. Nach Nokia, jetzt noch Opel zu verkraften wird für die Stadt alles andere als einfach ...
2.
DMenakker 23.03.2012
Zitat von sysopGeneral Motors verliert die Geduld mit seiner defizitären Tochter Opel: Der US-Autobauer plant dem "Wall Street Journal" zufolge die Schließung von bis zu zwei europäischen Werken. Besonders gefährdet sind demnach die Standorte Bochum und Ellesmere Port. GM-Sparplan: Bochumer Opel-Werk droht das Aus - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,823222,00.html)
Mal ganz im Ernst. Seit Opel in der Krise ist ( und das ist seit 20+ Jahren ) ist immer wieder Bochum auf der Streichliste. Das heisst im umgekehrten Fall, dass es seit dieser Zeit offensichtlich auch nicht möglich war, das Werk, die Produktionsabläufe, die Mitarbeiterzahl etc. so zu optimieren, dass Bochum die rote Laterne abgeben hätte können. Was soll GM also anderes tun? Nein, jetzt bitte bitte nicht die GM Management Fehler aufzählen. Die sind mir alle bekannt. Trotzdem bleibt die Frage, ob die deutschen Werke mehr können als ihre "heroischen" Erfolge aufzuzählen, die letztendlich nichts gebracht haben. Ich habe bei Opel oft das Gefühl, dass, nachdem mal wieder irgendein Sicherungsvertrag für Standorte oder Mitarbeiter "durch" ist, ein tiefes Aufatmen und dann "weiter so" herrscht. Da wird nicht nachgefragt, ob man frei werdende Stellen wirklich wieder neu besetzen muss. Warum auch, man hat ja Jobgarantien. Was mir fehlt, ist einfach der kontinuierliche Verbesserungsprozess. Denn eines muss klar sein: Der europäische Markt wäre mehr als gross genug für eine Marke wie Opel. Man muss sich halt den Märkten anpassen.
3. Bochum
pepito_sbazzeguti 23.03.2012
In Bochum wird doch seit 20 Jahren auf eine Schließung des Werkes hingearbeitet. Ich erinnere mich, dass zu meiner Zeit bei Opel in Bochum (1988-93) noch weit über 10.000 Leute beschäftigt waren. Heute sind es etwa 5.170.
4.
KnoKo 23.03.2012
Zitat von sysopBochumer Opel-Werk droht das Aus
Zum wievielten mal?
5. tatsache ist nun mal
dr.a1 23.03.2012
dass die autoindustrie auf der verliererstraße unterwegs ist. junge leute interessieren sich immer weniger für autos und die massenmobilisierung hat auch ihre wachstumsgrenzen längst erreicht. es gibt ausreichend studien die belegen dass überwiegend über 50ig jährlige neuwägen kaufen. wenn man schon von marktwirtschaft spricht und im kapitalistischen westen keine planwirtschaft will sollte man einfach mal darauf reagieren dass die zahl der privat pkws einfach mal wieder zurückgeht. zu teuer, zu langsam und mittlerweile für junge menschen zu uncool. wenn ich als laie das mittlerweile weiss (darüber findet man genügend infos, statistiken und umfragen) dann kann doch diese dinosaurierindustrie auch rechtzeitig und angemessen reagieren und sich gesundschrumpfen. hoffentlich halten die jetzt nicht auch noch die hand beoim staat auf. in zukunft wird man wahrscheinlich mehr menschen in altenpflege brauchen als auf dem (hochmaschinellen und pro arbeitsplatz sehr teuren) autobahnbau. darauf sollten wirtschaft und industrie mal ein demographisch geschultes auge werfen.
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Fotostrecke
Opel im Überblick: Von der Nähmaschine bis zum Insignia

Chronologie der Opel-Krise
Seit Jahren ringt der deutsche Autobauer Opel um seine Zukunft. Ein Rückblick vom Jahrtausendwechsel bis heute:
  • 2001: Der erfolglose Opel-Vorstandschef Robert Hendry muss gehen. Sein Nachfolger Carl-Peter Forster versucht, die GM-Tochter mit dem europaweit angelegten Restrukturierungsprogramm "Olympia" wieder profitabel zu machen.
  • 2004: GM legt im Oktober einen drastischen Sparplan für Opel vor, der den Abbau von 12.000 Arbeitsplätzen vorsieht - davon bis zu 10.000 in Deutschland. Die Arbeiter im Bochumer Werk legen aus Protest spontan die Arbeit nieder.
  • 2005: Der Betriebsrat und das Opel-Management unterschreiben einen "Zukunftsvertrag", der die Existenz der Werke in Rüsselsheim, Bochum und Kaiserslautern bis 2010 sichern soll.
  • 2008: Nach Absatzeinbruch und massiven Verlusten bittet Opel als erster deutscher Autohersteller den Staat um Hilfe. Eine Bürgschaft von Bund und Ländern soll das Unternehmen stützen.
  • 2009: Um nicht in den Strudel der GM-Insolvenz zu geraten, arbeitet Opel an einem Konzept zur Trennung von dem schwer angeschlagenen Mutterkonzern. Zwei Tage vor der GM-Pleite am 1. Juni einigen sich Bund, Länder, GM und das US-Finanzministerium nach langem Poker mit dem österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna auf ein Rettungskonzept. Im November beschließt GM, Opel doch zu behalten.
  • 2010: Der als harter Sanierer bekannte Nick Reilly wird Opel-Chef. Im Zuge seines Sanierungskurses macht Opel im Oktober das Werk im belgischen Antwerpen mit einst 2500 Beschäftigten dicht. Von den 48.000 Stellen in Europa werden insgesamt 8000 abgebaut.
  • 2011: Der bisherige GM-Chefentwickler Karl-Friedrich Stracke löst Reilly ab, der Chef des GM-Europageschäfts wird. Im zweiten Quartal verzeichnet Opel erstmals seit Jahren wieder einen Gewinn. Im dritten Quartal rutscht der Autobauer aber zurück in die roten Zahlen.
2012: Während GM in Nordamerika einen Rekordgewinn einfährt, verbucht der Konzern in Europa einen Verlust von 575 Millionen Euro. Das Europa-Geschäft besteht überwiegend aus Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall.