Warnung vor Werksschließungen: IG Metall droht Opel-Chefs
Die IG-Metall bringt sich in Kampfposition. Nach dem überraschenden Abgang von Opel-Chef Stracke warnt der Gewerkschaftsvorsitzende Huber die Konzernmutter GM davor, Standorte zu schließen: "Das würde Unsummen kosten." Man werde kein einziges Werk in Deutschland preisgeben.
Rüsselsheim/München - Die IG Metall hat einen harten Kampf um die Opel-Arbeitsplätze in Deutschland angekündigt. Nach dem überraschenden Abgang von Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke warnt IG-Metall-Chef Berthold Huber die Konzernmutter General Motors (GM) davor, die Vereinbarungen mit der Arbeitnehmerseite einseitig zu brechen. Die IG Metall sei "knallhart", sagte Huber der "Süddeutschen Zeitung". "Wir gehen davon aus, dass GM die Verträge einhält." Die IG Metall gebe "keinen einzigen Standort preis".
Auf die Frage, was geschehe, sollte sich GM nicht an die Vereinbarungen halten, sagte der Gewerkschafter: "Davor kann ich nur warnen. Wer Opel aufgeben wollte, muss wissen: Das wären die teuersten Werksschließungen, die ein Konzern jemals in Deutschland versucht hätte. Das würde Unsummen kosten."
Das Konzernmanagement müsse nun vor allem verhindern, dass die Marktanteile von Opel weiter sinken. "Wir brauchen einen entschlossenen Vorstand, der die Probleme anpackt, der Visionen hat und Opel nach vorne bringt, gemeinsam mit der Belegschaft. Wir brauchen jemanden, der die Beschäftigten einbezieht. Manager, die mit frischen Ideen für eine Aufbruchstimmung sorgen", sagte Huber.
Autoexperten hatten nach dem Führungswechsel harte Einschnitte bei Opel vorausgesagt. So prophezeite Ferdinand Dudenhöffer: "Jetzt kommt die knallharte Sanierung. Mitarbeiter werden rausgeschmissen, Werke geschlossen", zitierte ihn die "Bild"-Zeitung bereits am Freitag. Sogar der komplette Rückzug aus Europa sei denkbar.
Stracke hatte noch im Juni angekündigt, die Sanierung zunächst ohne Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen in Deutschland durchzuziehen. Auch das Werk in Bochum wollte er zumindest so lange erhalten, bis die aktuelle Fertigung des Modells Zafira dort Ende 2016 ausläuft.
Die Opel-Führung kündigte inzwischen an, den bisherigen Sanierungskurs fortzusetzen. Entsprechend äußerte sich Opel-Interimschef Stephen Girsky in einer E-Mail an alle Konzernmitarbeiter. Der Strategiechef der Opel-Mutter General Motots (GM) hatte nach dem Abgang Strackes das Ruder übernommen. Er leitet auch den Opel-Aufsichtsrat. In der E-Mail schreib er laut "Bild"-Zeitung: "Ich möchte Ihnen versichern, dass wir unsere dringenden Arbeiten zur Wiederherstellung einer nachhaltigen Profitabilität bei Opel/Vauxhall und GM in Europa ohne Unterbrechung fortsetzen werden."
Zugleich bereitet er die Beschäftigten darauf vor, dass sich darüber hinaus im Konzern weiterhin einiges ändern kann: "Unsere erfolgreiche Revitalisierung erfordert von uns allen die Bereitschaft, das Geschäft anders zu machen als bisher und dabei schnell zu handeln. Jeder Einzelne von uns ist verantwortlich für die Ergebnisse."
Am Dienstag womöglich Neuwahl des Opel-Vorstandschefs
Nach "Bild"-Informationen wird der Opel-Aufsichtsrat am Dienstag in einer Sondersitzung die Nachfolge des bisherigen Opel-Vorstandsvorsitzenden Stracke beschließen. Aussichtsreicher Anwärter für den Posten sei Strategievorstand Thomas Sedran.
Auf den künftigen Chef von Opel wartet eine extrem harte Aufgabe. Berichten zufolge liefen die Verkäufe bei dem kriselnden Autobauer auch zuletzt sehr schlecht. Die Neuzulassungen von Opel in Deutschland waren im ersten Halbjahr 2012 laut Kraftfahrtbundesamt um 9,3 Prozent zurückgegangen. Stracke war am Donnerstag ohne Nennung von Gründen von seiner Position als Opel-Vorstandsvorsitzender und Präsident von General Motors Europe zurückgetreten.
ler/dpad/AFP
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- Samstag, 14.07.2012 – 08:31 Uhr
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- 2001: Der erfolglose Opel-Vorstandschef Robert Hendry muss gehen. Sein Nachfolger Carl-Peter Forster versucht, die GM-Tochter mit dem europaweit angelegten Restrukturierungsprogramm "Olympia" wieder profitabel zu machen.
- 2004: GM legt im Oktober einen drastischen Sparplan für Opel vor, der den Abbau von 12.000 Arbeitsplätzen vorsieht - davon bis zu 10.000 in Deutschland. Die Arbeiter im Bochumer Werk legen aus Protest spontan die Arbeit nieder.
- 2005: Der Betriebsrat und das Opel-Management unterschreiben einen "Zukunftsvertrag", der die Existenz der Werke in Rüsselsheim, Bochum und Kaiserslautern bis 2010 sichern soll.
- 2008: Nach Absatzeinbruch und massiven Verlusten bittet Opel als erster deutscher Autohersteller den Staat um Hilfe. Eine Bürgschaft von Bund und Ländern soll das Unternehmen stützen.
- 2009: Um nicht in den Strudel der GM-Insolvenz zu geraten, arbeitet Opel an einem Konzept zur Trennung von dem schwer angeschlagenen Mutterkonzern. Zwei Tage vor der GM-Pleite am 1. Juni einigen sich Bund, Länder, GM und das US-Finanzministerium nach langem Poker mit dem österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna auf ein Rettungskonzept. Im November beschließt GM, Opel doch zu behalten.
- 2010: Der als harter Sanierer bekannte Nick Reilly wird Opel-Chef. Im Zuge seines Sanierungskurses macht Opel im Oktober das Werk im belgischen Antwerpen mit einst 2500 Beschäftigten dicht. Von den 48.000 Stellen in Europa werden insgesamt 8000 abgebaut.
- 2011: Der bisherige GM-Chefentwickler Karl-Friedrich Stracke löst Reilly ab, der Chef des GM-Europageschäfts wird. Im zweiten Quartal verzeichnet Opel erstmals seit Jahren wieder einen Gewinn. Im dritten Quartal rutscht der Autobauer aber zurück in die roten Zahlen.
Um diese Standorte geht es: GM-Werke in Europa
In Rüsselsheim läuft derzeit der Mittelklassewagen Insignia in den drei Versionen Limousine, Fließheck und Kombi vom Band. Im Durchschnitt werden täglich 720 Einheiten des neuen Zugpferds der Marke mit dem Blitz produziert. In der Anlaufphase befindet sich außerdem die Produktion des Insignia Sports Tour, von dem in Kürze pro Tag mehr als 80 Fahrzeuge in Rüsselsheim gebaut werden sollen.
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