Neuer Eigner bei Peugeot Opel-Mitarbeiter machen Front gegen Teilverkauf

Unruhe in Rüsselsheim: Tausende Opel-Beschäftigte demonstrieren gegen die Pläne des Managements, die Entwicklungsabteilung auszugliedern.

Demonstranten am Opel-Standort Rüsselsheim
DPA

Demonstranten am Opel-Standort Rüsselsheim


Zahlreiche Beschäftigte des Autobauers Opel haben am Stammsitz Rüsselsheim gegen Verkaufspläne des Managements protestiert. Eine große Menschenmenge verließ an diesem Donnerstagmorgen das Werksgelände und zog in einem Demonstrationszug durch die Stadt. Am Vormittag sollte eine Betriebsversammlung mit mehreren tausend Teilnehmern in einer der Werkshallen stattfinden.

Die Arbeitnehmer wenden sich insbesondere gegen den im November vereinbarten Verkauf von Teilen des Internationalen Technischen Entwicklungszentrums (ITEZ) an den Dienstleister Segula. Etwa 2000 Ingenieure sollen bis zum nächsten Sommer den Arbeitgeber wechseln, weil Opel das Zentrum mit zuletzt rund 7000 Beschäftigten nach eigenen Angaben nicht mehr auslasten kann.

Die Demonstranten trugen Transparente mit Aufschriften wie "Keine Zukunft ohne Mitbestimmung" oder "Einstellungen jetzt". Jüngere Mitarbeiter verlangten: "Es geht um unsere Übernahme. Zukunft: Unbefristet."

Der Autohersteller war im Sommer 2017 von der französischen Peugeot-Mutter PSA übernommen worden, die inzwischen viele Teile der neuen Opel-Modelle zuliefert. Zudem laufen die Entwicklungsaufträge der früheren Konzernmutter General Motors aus den USA aus. Die IG Metall verlangt Schutzmechanismen für diejenigen Arbeitnehmer, die zu Segula wechseln. Bislang sei keine der Forderungen umgesetzt, hieß es in einem Aufruf zu der Versammlung. Auch fehle eine konkrete Umsetzung der versprochenen Investitionen etwa für ein zweites Modell in Rüsselsheim.

Ein Unternehmenssprecher erinnerte an die Zusagen, sämtliche Werke zu behalten und dort zu investieren. Auch sei der Teilverkauf an Segula die beste Lösung, um die nicht mehr ausgelasteten Arbeitsplätze zu erhalten. Darüber sei man weiterhin im Dialog mit den Sozialpartnern, es seien aber noch nicht alle Fragen geklärt.

beb/dpa-afx

Mehr zum Thema


insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Nordstadtbewohner 13.12.2018
1. Die Entscheidung von Opel ist doch völlig richtig
""Etwa 2000 Ingenieure sollen bis zum nächsten Sommer den Arbeitgeber wechseln, weil Opel das Zentrum mit zuletzt rund 7000 Beschäftigten nach eigenen Angaben nicht mehr auslasten kann." Mir ist unverständlich, wie man seitens der IG Metall und der Opel-Beschäftigten nur gegen den Teilverkauf sein kann. Wenn Opel im Entwicklungszentrum keine Arbeit für 7000 Beschäftigte hat, so ist doch ein Teilverkauf die beste Lösung. Ansonsten gäbe es Entlassungen. Ein Unternehmen kann auf Dauer keine Arbeitnehmer beschäftigen, für die keine bezahlten Aufträge da sind. Das sollten die Demonstranten mal begreifen.
go-west 13.12.2018
2. Psa
kämpft verzweifelt für das Erreichen einer kritischen Größe und damit um das eigene Überleben. Deshalb wurde Opel gekauft, es ging dabei nur um die zusätzlichen Verkaufszahlen. Als Bonus gab es noch den nun vollzogenen Technologietransfer der noch bei Opel verbliebenen Restkompetenz, sei es an PSA, sei es an den französischen Partner-Dienstleister Segula. Opel ist Geschichte, so traurig es ist. Aber das war absehbar. Den Ingenieuren würde ich raten, bei einem deutschen Automobilhersteller oder Zulieferer unterzukommen.
jeffhealey 13.12.2018
3. Totgesagte....
Beitrag 2: Warum sollte Opel nun Geschichte sein? Dafür liefern Sie keine stichhaltigen Gründe. Ich sehe eher Licht am Ende des Tunnels, und nein, es ist kein entgegen kommender Zug. Opel erwirtschaftet zum ersten mal seit 20 Jahren Gewinne, und eroberte zuletzt in einem allgemein rückgängigen Markt Marktanteile zurück. Der Teilverkauf der Entwicklung an Segula ist ein notwendiger Schritt, und eine mehr als faire Lösung für die Betroffenen. Segula und Opel haben gemeinsam eine sehr gute, sehr soziale Lösung erarbeitet um Menschen in Lohn und Brot zu halten. Zusätzlich ist Segula sehr breit aufgestellt, und nicht allein abhängig von Aufträgen der Autoindustrie. Eine echte Chance für alle. Die Gewerkschaft sollte auf Segula und Opel zugehen.
Hebbe06 13.12.2018
4. Verstehe den Protest nicht.
Natürlich ist die Beschäftigungsgarantie bei Segula noch nicht schriftlich fixiert. Aber seit der Übernahme durch PSA hat Opel (bzw PSA) sämtliche gemachten Zusagen eingehalten. Warum also diese Angst? Und der Deal mit PSA ist mit Sicherheit eine der besten Lösungen für alle. Die logischste Alternative wäre Verkleinerung und damit Entlassungen gewesen. Desweiteren stört mich die Aussage, dass das ITEZ zu wenig Aufträge hat weil PSA Teile für Opel Modelle liefert. Das stimmt nur bedingt, denn andererseits wird im ITEZ zukünftig für den Gesamtkonzern entwickelt. Der Hauptgrund ist und bleibt der Wegfall der Entwicklungen für GM.
tejyehdrthjf 16.12.2018
5. Segula low cost Ingenieure
Segula wird versuchen die Preise runter zu drücken dank Werkverträge und 700 Mitarbeitern in Rumänien die mal 500 € pro Monat verdienen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.