Kurzfristige Versammlung Möglicher Teilverkauf alarmiert Opel-Betriebsrat

Opel könnte einem Bericht zufolge einen Teil seines Entwicklungszentrums verkaufen. In diesem Fall hätte das Management die Unwahrheit gesagt, kritisiert der Betriebsrat - und hat ein Krisentreffen anberaumt.

Opel-Werk in Rüsselsheim
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Opel-Werk in Rüsselsheim


Der verlustreiche Autobauer Opel kommt nicht zur Ruhe. Spekulationen über einen Teilverkauf des Entwicklungszentrums (ITEZ) in Rüsselsheim haben nun den Betriebsrat alarmiert. Das Gremium plant für Donnerstag kurzfristig eine Betriebsversammlung mit dem Management. "Ein (Aus-)Verkauf der Opel-Entwicklung würde Opel die Zukunft nehmen", kritisierten die Arbeitnehmervertreter.

Einem Medienbericht zufolge denkt die französische Konzernmutter PSA Chart zeigen darüber nach, sich von einem Teil des Entwicklungszentrums mit seinen mehr als 7000 Ingenieuren zu trennen. PSA und Opel hätten bei mehreren Entwicklungsdienstleistern sondiert, damit diese Übernahmeangebote vorlegen, berichtet die französische Zeitung "Le Monde".

"Le Monde" berief sich unter anderem auf ein auf Mitte Mai datiertes Dokument. Die Zeitung verwies zudem auf eine nicht namentlich genannte Quelle aus dem Umfeld der PSA-Führungsgremien. Demnach ist ein Verkauf eines Teils der Opel-Entwicklung in Planung, der ein Viertel der Mitarbeiter betreffe.

Sollten die Informationen der französischen Presse stimmen, würde dies bedeuten, dass PSA und das Opel-Management sich seit Längerem in Verkaufsgesprächen befinden und wissentlich der IG Metall und der Einigungsstelle die Unwahrheit gesagt hätten, kritisierte der Betriebsrat. Das Management habe damals konkrete Verkaufsabsichten oder konkrete Verkaufsangebote verneint.

"Strategische Partnerschaften mit anderen Unternehmen"

Opel-Chef Michael Lohscheller versuchte, die Fronten zu glätten. "Unser Engineering ist und bleibt Kern von Opel", schrieb er in einer Mitteilung. Alle künftigen Opel-Modelle würden in Rüsselsheim entwickelt. Zudem übernehme Rüsselsheim zahlreiche wichtige Aufgaben für PSA.

Das Auftragsvolumen der früheren Opel-Mutter General Motors Chart zeigen werde in den kommenden Jahren jedoch drastisch abnehmen, so Lohscheller weiter. Deshalb würden unterschiedliche Optionen geprüft. "Strategische Partnerschaften mit anderen Unternehmen sind dabei Teil dieser Überlegungen". Noch gebe es keine Entscheidung. "Es ist selbstverständlich, dass unsere Sozialpartner in den Prozess eingebunden werden."

Ende Mai hatten sich Unternehmen und Arbeitnehmer nach wochenlangem Ringen auf eine Beschäftigungssicherung bis einschließlich Juli 2023 geeinigt. Gegen Lohnzugeständnisse der verbleibenden Beschäftigten sicherte Opel zu, die Stammbelegschaft an den deutschen Standorten von bislang rund 19.000 Menschen nur um 3700 zu vermindern - auf freiwilliger Basis über verschiedene Abfindungs- und Vorruhestandsprogramme.

Opel stehe zu der Beschäftigungssicherung und wolle diese möglichst noch in dieser Woche in einem Tarifvertrag fixieren, sagte Lohscheller. Zugleich teilte er aber mit: "Wir haben mit der IG Metall und dem Gesamtbetriebsrat regelmäßig und bereits seit Dezember 2017 besprochen, dass wir strategische Partnerschaften im Engineering als Option prüfen, um langfristig Beschäftigung im ITEZ zu sichern". Diese Information sei auch Bestandteil der ebenfalls vom Gesamtbetriebsrat unterschriebenen Vereinbarung aus dem vergangenen Jahr.

Opel war im vergangenen August vom PSA-Konzern übernommen worden, zu dem bereits die Marken Peugeot, Citroën und DS gehören. PSA-Chef Carlos Tavares hatte in der Vergangenheit angekündigt, Opel als deutsche Marke zu erhalten. Das Entwicklungszentrum soll dabei eine wichtige Rolle spielen. Konzernweit soll es unter anderem eine neue Benzinmotoren-Familie, die Brennstoffzelle oder Sitze verantworten. Nach bisherigen Plänen sollen im ITEZ rund 1000 Stellen wegfallen.

ans/dab/dpa



insgesamt 19 Beiträge
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ulmer_optimist 04.07.2018
1. Klare Aussage
Damit ist doch eigentlich jetzt auch offiziell klar, was längst logisch war: Opel wird ein französisches Auto mit einem Blitz auf der Motorhaube. Letztlich kauft PSA sich Marktanteile. Ob das funktioniert, wenn in Deutschland niemand so richtig "Franzosen" will, da bin ich gespannt.
kenterziege 04.07.2018
2. Wer 1 + 1 zusammenzählen kann, für den war wohl klar, was....
....nach der Übernahme durch Peugeot passieren wird. Die Plattformen, einschließlich Motoren, Getriebe und Achsen werden für die einzelnen Typen radikal vereinheitlicht. Auch die Module für Connectivity und Enertainment werden gleich sein. Damit werden Entwicklungskapazitäten frei. Das die in Deutschland und nicht in Frankreich entfallen, war doch klar. Die Adam-Opel AG wird eine Kolonie von Peugeot. Da werden Erinnerungen an Algerien wach. Vielleicht lesen das hier die Mitarbeiter der Importeurs-Gesellschaften von PSA und Renault. Die wissen, wovon ich rede!
darthmax 04.07.2018
3. Menschenfreundlichkeit
Opel wurde als Pleiteunternehmen nun nicht aus Menschenfreundlichkeit von PSA gekauft.
wi_hartmann@t-online.de 04.07.2018
4. Opel
Egal welcher Fahrzeugtyp von Opel, unter dem Blechkleid meist einheitliche simple Technik. Ein Langeweiler zum vergessen.
Nonvaio01 04.07.2018
5. naja
so ist das eben, es war zu erwarten denn alles andere macht keinen sinn.
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