Sanierung PSA lotet Teilverkauf von Opel-Forschungszentrum aus

Im Bemühen um die Sanierung von Opel werden neue Pläne bekannt: Laut einem Bericht erwägt die Konzernmutter, einen Teil des Opel-Entwicklungszentrums zu verkaufen. Knapp 4000 Angestellte wären demnach betroffen.

AFP


Bis 2020 will der Opel-Mutterkonzern Peugeot Citroën (PSA) seine deutsche Tochter aus den roten Zahlen führen. Bestandteil des Sanierungsplans könnte auch ein Teilverkauf des Forschungs- und Entwicklungszentrums von Opel sein. Laut der französischen Tageszeitung "Le Monde" erwägt der französische Autobauer PSA einen solchen Schritt.

Veräußert werden könnten vier Bereiche, die insgesamt mit 500 Millionen Euro bewertet würden, berichtete die Zeitung unter Berufung auf ein internes PSA-Dokument von Mitte Mai. Betroffen wären demnach 3980 Angestellte. Der Verkauf könnte bis Jahresende unter Dach und Fach gebracht werden. PSA sei wegen der Verkaufspläne bereits an die französischen Firmen Altran, Akka und Segula sowie die deutsche Ingenieur-Dienstleistungsfirma Bertrandt herangetreten und habe deren Interesse abgeklopft.

PSA Chart zeigen teilte zu dem Bericht lediglich mit, dass bislang keine Entscheidungen getroffen worden seien. Der Konzern hatte Opel im vergangenen Jahr übernommen und dem Autobauer und seiner britischen Schwestermarke Vauxhall ein Sparprogramm verordnet.

Ope l-Sprecher verweist auf sinkende Aufträge von GM

Ein Opel-Sprecher sagte, das Sanierungsprogramm könne zusätzlich zu internen organisatorischen Maßnahmen "auch strategische Partnerschaften umfassen". Das Zentrum in Rüsselsheim werde auch zukünftig "alle Opel-Modelle entwickeln und die Aufgaben der 15 Kompetenzzentren für die gesamte Groupe PSA übernehmen". Vor dem Hintergrund der "stark rückläufigen Volumen von GM-Auftragsarbeiten und im Rahmen der Mitbestimmung" gelte es, zusammen mit den Sozialpartnern eine Lösung zu finden. Dies sei Bestandteil der Rahmenvereinbarung, die im Dezember 2017 unterzeichnet wurde. Bislang seien noch keine Entscheidungen getroffen worden.

Erst kürzlich hatten sich Betriebsrat und Geschäftsleitung von Opel auf die Sanierung des defizitären Autobauers geeinigt. Als Teil des vereinbarten Kompromisses sagte der französische Mutterkonzern PSA Investitionen in neue Modelle und die Auslastung der Werke zu.

Opel-Chef Michael Lohscheller hatte vor Kurzem noch gesagt, dass das Entwicklungszentrum in Rüsselsheim eine wichtige Rolle im PSA-Konzern übernehmen solle. Das Zentrum habe außerdem neue Kompetenzen für den gesamten Konzern zugeteilt bekommen - unter anderem für die weitere Entwicklung der Brennstoffzelle und eine Architektur für leichte Nutzfahrzeuge. In dem Forschungszentrum arbeiten derzeit 7700 Ingenieure.

mmq/Reuters/AFP

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insgesamt 18 Beiträge
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aktiverbeobachter 04.07.2018
1. Sterben auf Raten
Opel wird dauerhaft nicht überleben und wird demzufolge Schritt für Schritt abgewickelt. Ein weiteres klares Zeichen. Entweder bleibt die Hoffnung für die Mitarbeiter/innen noch so lange den Arbeitsplatz zu erhalten, bis man in Rente gehen kann (wer dies absehbar kann) oder (wer noch länger arbeiten muss) man startet jetzt sich einen neuen Arbeitgeber zu suchen. Viel Erfolg auf jeden Fall !
Pless1 04.07.2018
2. Die Entwicklung ist die Herzkammer
Das würde gleich mal die Halbierung des Entwicklungsbereichs bedeuten. Die Entwicklung ist das Herzstück Opels, wenn das wesentlich zusammengestrichen wird ist Opel auf dem Weg, ein reines Label zu werden, dessen Modelle einfach nur noch Varianten auf dem gemeinsamen PSA-Baukasten sind. Gewissermaßen das, was bei Volkswagen SEAT ist. Dass man das dann ausgerechnet in Deutschland produzieren wird darf gelinde gesagt bezweifelt werden. Das ist sehr schade, ich fuhr immer gern Opel und halte das für gute Autos, auch wenn ich seit Jahren keinen mehr habe. Aber so ist eben der Gang der Welt, ein Beinbruch ist das nicht, auch nicht für die Beschäftigten. Fachkräfte werden doch gerade extrem gesucht, mit ein wenig Mobilität und Flexibilität dürfte kein Opelaner lange arbeitslos sein. Die Leute aus der Entwicklung schon gar nicht.
AdK 04.07.2018
3.
Ich weine der Marke keine Träne nach, hab Jahrelang für eine Opel-Autohausgruppe gearbeitet. Hab genug gesehen um zu wissen auf keinen Fall kaufe ich je Opel. Selbst mit Top Qualität wäre das Design der Wagen was man gemeinhin als absolut unsexy bezeichnen könnte.
phthalo 04.07.2018
4. @Pless1 Arbeitsmarkt
.... sofern man dem Glauben kann, was über den Facharbeitermangel gesagt wird. Irgendwie bezieht sich das aber meist nicht auf die Leute, die mit 53 Jahren entlassen werden - auch wenn sie Ingenieure sind. Ein Freund von mir sucht seit 2 Jahren und findet nichts. Viele der Anzeigen - oft von dieser Pest, genannt Zeitarbeitsfirmen, sind einfach Fakes die nur dazu dienen, den Markt zu sondieren, wie die aktuelle Lage ist und um seine Firma mit ach so vielen Anzeigen attraktiv erscheinen zu lassen. Eingestellt wird dann trotzdem niemand.
tlb021099 04.07.2018
5. @AdK
Schön, dass Sie (subjektiv) nichts von Opel halten.Die über 14.000 Arbeitsplätze in Deutschland die gefährdet sind scheinen für Sie nebensächlich zu sein.Denn unabhängig von der Marke geben diese Beschäftigten ihr Bestes und müssen bei jedem Alleingang des Managements (Detroit,Paris) um ihre Arbeitsplätze bangen und sich von jedem in Foren wie diesen und Kommentaren wie den ihren anhören wie egal ihre Arbeit und ihre Arbeitsplätze sind und wie diese geringgeschätzt wird,obwohl Sie nichts für die Situation ihrer Firma können,sondern seit Jahren dagegen ankämpfen.
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