Streit mit General Motors Will Peugeot den Kaufpreis für Opel drücken?

Angeblich fordert der französische PSA-Konzern eine halbe Milliarde Euro des Kaufpreises für Opel zurück - die deutschen Motoren seien schmutziger als gedacht. General Motors dementiert, doch im Hintergrund wird gefeilscht.

Opel-Stand auf der IAA: Hier der neue Grandland X
Jürgen Pander

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Fordert der französische Opel-Käufer PSA (Peugeot Société Anonyme) die Hälfte des gezahlten Kaufpreises zurück? Das hatte die auf Wirtschaftsthemen spezialisierte Nachrichtenagentur Reuters berichtet, mit Verweis auf Konzerninsider.

Nun hat der US-Konzern General Motors (GM) reagiert, über viele Jahrzehnte der Eigentümer von Opel. "Wir wissen nichts von Ansprüchen bezüglich künftiger CO2-Ziele und wir können nicht über Angelegenheiten spekulieren, die uns gegenüber nicht aufgeworfen wurden", teilte GM am Mittwoch mit.

Reuters hatte unter Berufung auf nicht namentlich genannte Quellen gemeldet, dass PSA wegen der CO2-Emissionen bei Opel mehr als 500 Millionen Euro zurückverlangen wolle. Die Franzosen seien der Ansicht, dass sie über Opels Emissions-Strategie getäuscht worden seien. Bei PSA heißt es offiziell: "Kein Kommentar von unserer Seite", so ein Sprecher.

Laut GM befindet man sich derzeit zwar in Gesprächen mit PSA über Anpassungen der Übernahmebedingungen. Dabei gehe es jedoch um Fragen der Buchhaltung und nicht um Abgasprobleme. Das Thema Emissionen sei bei diesem Vorgang nicht von PSA aufgebracht worden. GM habe vor dem Opel-Verkauf reichlich Informationen zur Verfügung gestellt, PSA habe eine sorgfältige Prüfung unter Mitwirkung vieler Experten und Juristen durchgeführt, heißt es in der Mitteilung weiter.

Kritik an Opels CO2-Bilanz

Opel selbst äußerte sich auf Anfrage nicht zu dem Bericht. PSA hatte Opel und die britische Schwestermarke Vauxhall im Sommer für 1,3 Milliarden Euro von GM übernommen. Unter dem Strich war die Trennung vom verlustreichen Europageschäft für die Amerikaner jedoch ein dickes Minusgeschäft - zuletzt bezifferte GM die Belastungen aus dem Verkauf auf 5,4 Milliarden Dollar. Im letzten Quartal hatten diese Sonderkosten ein tiefes Loch in die GM-Bilanz gerissen.

PSA-Chef Carlos Tavares hatte zuletzt mehrfach öffentlich die CO2-Bilanz von Opel kritisiert, wo der Flottendurchschnitt zuletzt bei 127 Gramm CO2 pro Kilometer lag. PSA kommt nach eigenen Angaben auf 101 Gramm. Von 2020 an sind 95 Gramm vorgeschrieben.

Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft, hält es für möglich, dass eine Auseinandersetzung zwischen PSA und GM um den Kaufpreis entbrannt ist. Jedoch dürfte das Abgasproblem nach seiner Einschätzung nicht der Grund sein. PSA-Chef Tavares kenne die Opel-Fahrzeuge auch aus der Zusammenarbeit beider Konzerne sehr gut. "Vermutlich sind die Verluste bei Opel höher als angenommen, und das vorgelegte Sanierungsprogramm reicht nicht aus", so Duddenhöffer.

beb/dpa-AFX



insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
paula_f 30.11.2017
1. Ein Probefahrt hätte Klarheit gebracht
Es ist schon komisch, Bosse von Autofirmen kennen das 1 x 1 des Autohandels nicht. Jeder Gebrauchtwagenhändler wäre mit so viel Gottvertrauen schon lange pleite. Am Ende ist nun nicht nur Opel sondern die ganze Gruppe PSA und Opel pleite. Sogar vom Schreibtisch aus hätte die Chefs sich informieren können. Im übrigen lässt sich auch die Langzeitqualität von Autos sehr schnell ermitteln. Google suche "Probleme mit Opel Modell xy" oder "Probleme mit 2.0 FSI" und schon werden empirische Daten sichtbar. Wer gute Qualität such wird fündig wenn er sich bei einem Gebrauchtwagenportal die Wagen mit absteigendem Kilometerstand auflisten lässt. Fahrzeuge mit mehr als 500.000 km und der ersten Maschine gelten sind zuverlässig. PSA ist also nur zu retten mit einer neuen Mannschaft unter Führung eines gewieften Autohändlers.
zensurgegner2017 30.11.2017
2.
Zitat von paula_fEs ist schon komisch, Bosse von Autofirmen kennen das 1 x 1 des Autohandels nicht. Jeder Gebrauchtwagenhändler wäre mit so viel Gottvertrauen schon lange pleite. Am Ende ist nun nicht nur Opel sondern die ganze Gruppe PSA und Opel pleite. Sogar vom Schreibtisch aus hätte die Chefs sich informieren können. Im übrigen lässt sich auch die Langzeitqualität von Autos sehr schnell ermitteln. Google suche "Probleme mit Opel Modell xy" oder "Probleme mit 2.0 FSI" und schon werden empirische Daten sichtbar. Wer gute Qualität such wird fündig wenn er sich bei einem Gebrauchtwagenportal die Wagen mit absteigendem Kilometerstand auflisten lässt. Fahrzeuge mit mehr als 500.000 km und der ersten Maschine gelten sind zuverlässig. PSA ist also nur zu retten mit einer neuen Mannschaft unter Führung eines gewieften Autohändlers.
Welche Probefahrt hätte denn worüber Klarheit gebracht? Welcher "Autoboss" kennt welches 1x1 des Autohandels nicht? Welchen Artikel haben sie denn gelesen? Dieser jedenfalls nicht, denn in dem steht nur die Vermutung, dass PSA wegen angeblich falscher Flottenbilanzen eine Kaufpreisreduktion fordert. Es steht weder drin, ob das vielleicht nicht von vorn herein Absicht war, noch um wieviel % der Wert abweicht (bzw soll) Und es steht überhaupt nicht drin, ob "eine Probefahrt" nicht von vorn herein den eventuellen "Falschwert von GM" entlarvt hätte.
gammoncrack 30.11.2017
3. Eingentlich ist es müßig, darüber zu spekulieren,
ob die Aktion von PSA erfolgreich sein wird oder nicht. Vermutlich kennt niemand den sicherlich als vertraulich behandelten Vertrag mit GM. Ich glaube kaum, dass dort an irgendeiner Stelle nur der Satz "unter Ausschluss jeglicher Gewährleistung" steht. Wenn vertraglich nicht geregelt wurde, dass Altlasten, hier die Möglichkeit von Strafzahlungen aufgrund zu hohen Schadstoffemissionen, zu Lasten des Verkäufers gehen, dann hat GM eben in der Vertragsgestaltung versagt, oder der Verkauf wäre nicht zustande gekommen. Das wäre dann ein klassischer Managementfehler. Wurde das allerdings vertraglich im Sinne von GM erfasst, dann geht es nun um die rechtliche Beurteilung, ob PSA ein solcher Schaden entstanden, und ob die Forderung in dieser Höhe berechtigt ist. Das würde dann, ohne eine außergerichtliche Einigung, ein sehr langwieriger Rechtsstreit - mit offenem Ausgang.
rainer_daeschler 30.11.2017
4. Was will PSA eigentlich?
Wollte PSA etwa unter GM Lizenz weiter Opel (oder unter anderem Namen Chevrolet, Buick, Daewoo, Vauxhall) bauen, oder eigene Modelle präsentieren?
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