Rüsselsheim - Der Autobauer Opel will seine Sanierung zunächst ohne Werkschließungen und betriebsbedingte Kündigungen in Deutschland durchziehen. Auch das Werk in Bochum solle zumindest so lange erhalten bleiben, bis die aktuelle Fertigung des Modells Zafira dort Ende 2016 ausläuft, teilten die Adam Opel AG, der Betriebsrat und die IG Metall am Mittwoch gemeinsam in Rüsselsheim mit.
Zuletzt war spekuliert worden, das Bochumer Werk könnte schon Ende 2014 geschlossen werden. Dann läuft der aktuelle Standortsicherungsvertrag aus. Nun heißt es, die Geschäftsleitung, die IG Metall und die Betriebsräte der deutschen Standorte würden über eine Verlängerung der Regelung bis Ende 2016 verhandeln. "Teil dieser Gespräche ist auch eine Lösung, wonach das Opel-Werk in Bochum nicht wie allgemein erwartet Anfang 2015 geschlossen würde, sondern die Zafira-Produktion bis zum Auslauf in Bochum verbliebe."
Auch über die künftige Auslastung der Standorte Rüsselsheim, Eisenach und Kaiserslautern solle verhandelt werden. Dabei gehe es nicht nur um die Senkung von Kosten. Auch über die Produktion von Fahrzeugen anderer Marken in den europäischen Werken solle gesprochen werden, um die Auslastung zu steigern. Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke will den Drei-Schicht-Betrieb in allen Fabriken zur Regel machen.
In erster Linie bedeutet die Entscheidung vor allem für die Opel-Mitarbeiter in Bochum nur eine weitere Galgenfrist. Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft äußerte sich dennoch zuversichtlich: "Mit der jetzigen Bestandsgarantie bis Ende 2016 und dem Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen ist wertvolle Zeit gewonnen", erklärte sie am Mittwoch in Düsseldorf.
Opel müsse diese Zeit nutzen, um eine Wachstumsstrategie umzusetzen. "Dann hat auch Opel Bochum eine langfristig gute Zukunft. Die ewige Zitterpartie für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ihre Familien muss beendet werden", sagte die SPD-Politikerin.
Zuvor hatte bereits Landeswirtschaftsminister Harry Voigtsberger (SPD) eine Zukunft des Werkes in Bochum über 2016 hinaus gefordert. Der Standort habe in der Vergangenheit seine Hausaufgaben gemacht und einen wichtigen Beitrag zur Sanierung des Mutterkonzerns beigetragen. Dies müsse GM bei der langfristigen Produktions- und Geschäftsplanung über das Jahr 2016 hinaus berücksichtigen, erklärte der Minister
Opel leidet unter sinkendem Absatz und teuren Überkapazitäten. Die europäische Tochter des amerikanischen GM-Konzerns schreibt schon seit Jahren tiefrote Zahlen. Allein im vergangenen Jahr betrug der Verlust 523 Millionen Euro. Ein Milliarden-Gewinn bei GM konnte das Minus jedoch auffangen.
Nun soll Opel profitabel gemacht werden. Dazu gehört ein erneuter Sparkurs mit Produktionsverlagerungen. Erst kürzlich hatte das Unternehmen entschieden, dass das Modell Astra künftig nur noch in Polen und Großbritannien, aber nicht mehr im Stammwerk Rüsselsheim gebaut werden soll.
stk/usp/dpa
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