Plan der Konzernführung: Opel will deutsche Werke bis 2016 erhalten

Die Beschäftigten des angeschlagenen Autobauers Opel sollen ihre Jobs zumindest bis Ende 2016 behalten. Das sieht ein neuer Plan der Konzernführung vor. Demnach sollen alle vier deutschen Standorte zunächst so weitermachen wie bisher. 2017 allerdings droht dem Werk in Bochum das Aus.

Parkplatz vor dem Bochumer Opel-Werk: Bis Ende 2016 soll es weiter gehen Zur Großansicht
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Parkplatz vor dem Bochumer Opel-Werk: Bis Ende 2016 soll es weiter gehen

Rüsselsheim - Der Autobauer Opel will seine Sanierung zunächst ohne Werkschließungen und betriebsbedingte Kündigungen in Deutschland durchziehen. Auch das Werk in Bochum solle zumindest so lange erhalten bleiben, bis die aktuelle Fertigung des Modells Zafira dort Ende 2016 ausläuft, teilten die Adam Opel AG, der Betriebsrat und die IG Metall am Mittwoch gemeinsam in Rüsselsheim mit.

Zuletzt war spekuliert worden, das Bochumer Werk könnte schon Ende 2014 geschlossen werden. Dann läuft der aktuelle Standortsicherungsvertrag aus. Nun heißt es, die Geschäftsleitung, die IG Metall und die Betriebsräte der deutschen Standorte würden über eine Verlängerung der Regelung bis Ende 2016 verhandeln. "Teil dieser Gespräche ist auch eine Lösung, wonach das Opel-Werk in Bochum nicht wie allgemein erwartet Anfang 2015 geschlossen würde, sondern die Zafira-Produktion bis zum Auslauf in Bochum verbliebe."

Auch über die künftige Auslastung der Standorte Rüsselsheim, Eisenach und Kaiserslautern solle verhandelt werden. Dabei gehe es nicht nur um die Senkung von Kosten. Auch über die Produktion von Fahrzeugen anderer Marken in den europäischen Werken solle gesprochen werden, um die Auslastung zu steigern. Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke will den Drei-Schicht-Betrieb in allen Fabriken zur Regel machen.

In erster Linie bedeutet die Entscheidung vor allem für die Opel-Mitarbeiter in Bochum nur eine weitere Galgenfrist. Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft äußerte sich dennoch zuversichtlich: "Mit der jetzigen Bestandsgarantie bis Ende 2016 und dem Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen ist wertvolle Zeit gewonnen", erklärte sie am Mittwoch in Düsseldorf.

Opel müsse diese Zeit nutzen, um eine Wachstumsstrategie umzusetzen. "Dann hat auch Opel Bochum eine langfristig gute Zukunft. Die ewige Zitterpartie für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ihre Familien muss beendet werden", sagte die SPD-Politikerin.

Zuvor hatte bereits Landeswirtschaftsminister Harry Voigtsberger (SPD) eine Zukunft des Werkes in Bochum über 2016 hinaus gefordert. Der Standort habe in der Vergangenheit seine Hausaufgaben gemacht und einen wichtigen Beitrag zur Sanierung des Mutterkonzerns beigetragen. Dies müsse GM bei der langfristigen Produktions- und Geschäftsplanung über das Jahr 2016 hinaus berücksichtigen, erklärte der Minister

Opel leidet unter sinkendem Absatz und teuren Überkapazitäten. Die europäische Tochter des amerikanischen GM-Konzerns schreibt schon seit Jahren tiefrote Zahlen. Allein im vergangenen Jahr betrug der Verlust 523 Millionen Euro. Ein Milliarden-Gewinn bei GM konnte das Minus jedoch auffangen.

Nun soll Opel profitabel gemacht werden. Dazu gehört ein erneuter Sparkurs mit Produktionsverlagerungen. Erst kürzlich hatte das Unternehmen entschieden, dass das Modell Astra künftig nur noch in Polen und Großbritannien, aber nicht mehr im Stammwerk Rüsselsheim gebaut werden soll.

stk/usp/dpa

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1. dann nicht mehr
Forenleser 13.06.2012
wenn diese autos nicht mehr in deutschland gebaut werden, sollte man sie auch nicht mehr kaufen.
2.
nick999 13.06.2012
Zitat von Forenleserwenn diese autos nicht mehr in deutschland gebaut werden, sollte man sie auch nicht mehr kaufen.
Nö, es gibt eine Menge im Ausland gebaute Autos, die in Deutschland verkauft und gefahren werden. Dagegen ist nichts zu sagen. Aber für ein in Polen gefertigtes Auto kann Opel auch nur polnische Preise nehmen. Drei mal habe ich Opel gekauft. Ich werde mir keinen Opel mehr kaufen, weil ich nicht weiß, ob es die Marke in 5 Jahren noch gibt. Egal, wie gut die Autos sind und wo sie gebaut werden. Und so denken viele. Toyota ist kein englischer oder amerikanischer Hersteller, nur weil dort Fabriken stehen. Es ist ein Japaner, weil die Firmenentscheidungen in Japan mit japanischer Mentalität getroffen werden. Etlichen ist immer noch nicht klar, daß GM ein amerikanischer Konzern ist, dessen nationale Ableger Vauxhall bzw. Opel heißen. Zu sagen haben diese Ableger im Konzern nichts. Opel ist nun mal kein (selbstständiger) deutscher Autobauer. Bei allem GM-bashing, ohne GM wäre Opel schon seit Jahrzehnten vom Markt verschwunden. Das wird oft vergessen.
3.
distel60 13.06.2012
Zitat von nick999Bei allem GM-bashing, ohne GM wäre Opel schon seit Jahrzehnten vom Markt verschwunden. Das wird oft vergessen.
Woher wollen Sie das denn wissen? Wenn das Unternehmen die letzten 20 Jahre anders geführt worden wäre, dann könnte Opel heute ganz anders dastehen und Gewinne machen. Muß nicht, aber kann!
4. Der Anfang vom Ende
jos4711 13.06.2012
Unabhängig von Absatzzahlen und Gewinn oder Verlust wird Opel jetzt von innen zerfressen werden. Welcher Ingenieur wird heute noch bei Opel anfangen, wenn er nicht weiß, ob und wie es da in ein paar Jahren weitergeht? Junge Ingenieure können sich den Arbeitgeber aussuchen. Die suchen sich eine Stelle, die besonders interessant, besonders gut bezahlt oder besonders zukunftssicher ist. Nichts davon kann Opel bieten. Und damit wird Opel das Letzte verlieren, was sie dem GM-Konzern heute überhaupt noch bringen: Innovationen.
5.
josl.m 13.06.2012
Zitat von distel60Woher wollen Sie das denn wissen? Wenn das Unternehmen die letzten 20 Jahre anders geführt worden wäre, dann könnte Opel heute ganz anders dastehen und Gewinne machen. Muß nicht, aber kann!
Aufgrund der Weltwirtschaftskrie war Opel bereits 1929 nahezu pleite. Alleine der Tatsache, dass Opel damals (1929 zu 80%, bis 1931 dann den Rest) an GM vekauft wurde verdankt Opel den Fortbestand bis heute.
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Opel-Standorte
Eisenach
Das jüngste Opel-Werk wurde 1992 im westlichen Thüringen eröffnet. Der Schwerpunkt der Produktion liegt auf dem kleinen Corsa. Insgesamt bietet der Autobauer in Eisenach rund 1800 Menschen Arbeit.
Rüsselsheim
Das Stammwerk südwestlich von Frankfurt am Main ist das Herz der Adam Opel GmbH. Rund 750 Millionen Euro wurden 2002 in seine Modernisierung investiert. Die Beschäftigtenzahl liegt aktuell bei rund 15.500, davon sind etwa 5500 Mitarbeiter im internationalen Entwicklungszentrum angesiedelt, der Denkfabrik des Autobauers.

In Rüsselsheim läuft derzeit der Mittelklassewagen Insignia in den drei Versionen Limousine, Fließheck und Kombi vom Band. Im Durchschnitt werden täglich 720 Einheiten des neuen Zugpferds der Marke mit dem Blitz produziert. In der Anlaufphase befindet sich außerdem die Produktion des Insignia Sports Tour, von dem in Kürze pro Tag mehr als 80 Fahrzeuge in Rüsselsheim gebaut werden sollen.
Bochum
Das 1962 eröffnete Werk, einst Produktionsstätte des Opel Kadett, baut den Astra und den Kompakt-Van Zafira. Außerdem werden in Bochum Achsen und Getriebe hergestellt. Insgesamt arbeiten an diesem Standort etwa 5300 Menschen. Pro Jahr laufen etwa 240.000 Autos vom Band.
Kaiserslautern
In der Westpfalz stellt Opel Fahrzeugkomponenten für Karosserie, Chassis und Innenraum her. Die Powertrain GmbH, ein Gemeinschaftsunternehmen von Opel und Fiat, produziert dort Motoren. Der Standort spielt eine wichtige Rolle im weltweiten Fertigungsverbund von GM. Insgesamt sind dort 2360 Mitarbeiter im Komponentenwerk beschäftigt. Weitere 1130 Menschen fertigen Motoren an.
Europa
Opel-Autos werden außerdem in folgenden europäischen Werken produziert: Antwerpen/Belgien (Astra), Gleiwitz/Polen (Agila, Astra Classic, Zafira), Ellesmere Port/England (Astra), Luton/England (Vivaro) und Zaragoza/Spanien (Corsa, Meriva, Combo).

Fotostrecke
Opel im Überblick: Von der Nähmaschine bis zum Insignia
Chronologie der Opel-Krise
Seit Jahren ringt der deutsche Autobauer Opel um seine Zukunft. Ein Rückblick vom Jahrtausendwechsel bis heute:
  • 2001: Der erfolglose Opel-Vorstandschef Robert Hendry muss gehen. Sein Nachfolger Carl-Peter Forster versucht, die GM-Tochter mit dem europaweit angelegten Restrukturierungsprogramm "Olympia" wieder profitabel zu machen.
  • 2004: GM legt im Oktober einen drastischen Sparplan für Opel vor, der den Abbau von 12.000 Arbeitsplätzen vorsieht - davon bis zu 10.000 in Deutschland. Die Arbeiter im Bochumer Werk legen aus Protest spontan die Arbeit nieder.
  • 2005: Der Betriebsrat und das Opel-Management unterschreiben einen "Zukunftsvertrag", der die Existenz der Werke in Rüsselsheim, Bochum und Kaiserslautern bis 2010 sichern soll.
  • 2008: Nach Absatzeinbruch und massiven Verlusten bittet Opel als erster deutscher Autohersteller den Staat um Hilfe. Eine Bürgschaft von Bund und Ländern soll das Unternehmen stützen.
  • 2009: Um nicht in den Strudel der GM-Insolvenz zu geraten, arbeitet Opel an einem Konzept zur Trennung von dem schwer angeschlagenen Mutterkonzern. Zwei Tage vor der GM-Pleite am 1. Juni einigen sich Bund, Länder, GM und das US-Finanzministerium nach langem Poker mit dem österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna auf ein Rettungskonzept. Im November beschließt GM, Opel doch zu behalten.
  • 2010: Der als harter Sanierer bekannte Nick Reilly wird Opel-Chef. Im Zuge seines Sanierungskurses macht Opel im Oktober das Werk im belgischen Antwerpen mit einst 2500 Beschäftigten dicht. Von den 48.000 Stellen in Europa werden insgesamt 8000 abgebaut.
  • 2011: Der bisherige GM-Chefentwickler Karl-Friedrich Stracke löst Reilly ab, der Chef des GM-Europageschäfts wird. Im zweiten Quartal verzeichnet Opel erstmals seit Jahren wieder einen Gewinn. Im dritten Quartal rutscht der Autobauer aber zurück in die roten Zahlen.
2012: Während GM in Nordamerika einen Rekordgewinn einfährt, verbucht der Konzern in Europa einen Verlust von 575 Millionen Euro. Das Europa-Geschäft besteht überwiegend aus Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall.