Ex-Mutterkonzern Siemens verkauft restliche Osram-Anteile

Siemens schließt das Kapitel Osram vollständig ab. Der Technologiekonzern verkauft seine Restbeteiligung im Wert von mehr als 1,2 Milliarden Euro.

Osram-Zentrale in München
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Osram-Zentrale in München


Vor vier Jahren spaltete Siemens Osram ab - nun verkauft der ehemalige Mutterkonzern den Rest seiner verbliebenen Beteiligung am traditionsreichen Leuchtenhersteller. Über Nacht sollen gut 18 Millionen Osram-Aktien Chart zeigen an große Investoren veräußert werden, teilte der Münchner Industriekonzern mit. "Das ist der richtige Zeitpunkt dafür. Osram steht jetzt auf eigenen Füßen", sagte ein Siemens-Sprecher.

Am Mittwoch hatte das Aktienpaket zum Zeitpunkt des Handelsschlusses an der Börse einen Wert von mehr als 1,2 Milliarden Euro. Den größten Teil seiner Osram-Aktien hatte Siemens bereits 2013 den eigenen Aktionären ins Depot gebucht und den Leuchtenkonzern damit an die Börse gebracht.

Zuletzt hielt Siemens noch rund 17,5 Prozent an Osram. Der chinesische Halbleiterkonzern San'an Optoelectronics hatte laut Insidern Interesse an dem Aktienpaket angemeldet, war dabei aber auf Widerstand bei den Arbeitnehmervertretern von Osram gestoßen.

Mit dem Verkauf hat Siemens Chart zeigen die Deutsche Bank und Citi beauftragt. Einem Insider zufolge streben sie einen Preis an, der maximal drei Prozent unter dem Schlusskurs vom Mittwoch liegt. Damit macht Siemens ein gutes Geschäft: Seit dem Börsengang vor vier Jahren hat sich der Kurs der Osram-Aktie von damals 24 Euro auf nun mehr als 65 Euro fast verdreifacht, teilte Osram mit. Einige Osram-Papiere muss Siemens aber behalten, um eine Optionsanleihe bedienen zu können, die erst 2019 ausläuft.

Im vergangenen Jahr hatten sich Osram-Chef Olaf Berlien und Siemens-Chef Joe Kaeser über die Strategie zerstritten. Auf der Hauptversammlung verweigerte der Großaktionär Siemens Berlien die Entlastung, nachdem dieser verkündet hatte, Osram auf LED-Chips zu fokussieren und das traditionelle Lampengeschäft zum Verkauf stellte. Siemens hielt das für zu riskant.

Trotzdem dankte Osram dem scheidenden Großaktionär nun in einer knappen Mitteilung "für die Begleitung und die Rolle als Ankeraktionär in der Zeit seit dem Börsengang und während unserer Transformation zum Hightech-Unternehmen".

fdi/Reuters

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christianu 04.10.2017
1. Joe Kaeser hatte eine andere Strategie,
risikoscheu und innovationsfeindlich. Kaufleute an der Spitze von Technologieunternehmen passen einfach nicht, denn sie führen sie, allein durch Geschäftszahlen getrieben, in einen dauerhaften Schrumpf- und Entfremdungsprozess. Gemeinschaftsunternehmen werden gegründet und die eigenen Unternehmensteile abgetrennt, für Wind mit Hauptsitz Spanien, für Verkehr mit Hauptsitz Paris, für Medizin wird es wohl USA werden, für Kraftwerke weiß man es noch nicht. Und der Oberkaufmann sitzt an seinem Computer und beobachtet die Zahlen seiner Beteiligungsgesellschaften. Führung bleibt auf der Strecke, und wenn das Risiko zu groß erscheint, wird der Rest der Beteiligung abgestoßen. Was bleibt dann von Siemens, einem Schlüsselunternehmen der deutschen Industrie?
wo_st 04.10.2017
2.
Osram sollte dankbar sein, dass Siemens jetzt nicht mehr in den Betrieb reinschwätzen kann.
nach-mir-die-springflut 05.10.2017
3. Glühlampen aus Polen
Aus Osram wurde Ledvance, Ledvance ist seit März 2017 im Besitz eines Konsortiums, bestehend aus den Investoren IDG Capital, Yiwu State-Owned Assets Operation Center (Yiwu) und dem chinesischen Lichtunternehmen MLS. http://www.bild.de/geld/aktuelles/wirtschaft/fruehere-osramsparte-ledvance-sieht-nach-50715114.bild.html Das Glühlampenverbot hatte womit zu tun, CO2-Einsparung? Wenn aber der Strom aus erneuerbaren Quellen kommt, entsteht doch gar kein CO2?
lupenrein 05.10.2017
4. Siemens
ist einer der letzten deutschen Großkonzerne, derlangsam aber sicher jetzt auch zerschlagen wird. Dazu ist Joe Käser eigentlich auch angetreten. Der Strukturwandel in der deutschen Industrielandschaft . und der Austausch ihrer Eigentümer ist noch lange nicht abgeschlossen.
antilobby 05.10.2017
5.
Zitat von nach-mir-die-springflutAus Osram wurde Ledvance, Ledvance ist seit März 2017 im Besitz eines Konsortiums, bestehend aus den Investoren IDG Capital, Yiwu State-Owned Assets Operation Center (Yiwu) und dem chinesischen Lichtunternehmen MLS. http://www.bild.de/geld/aktuelles/wirtschaft/fruehere-osramsparte-ledvance-sieht-nach-50715114.bild.html Das Glühlampenverbot hatte womit zu tun, CO2-Einsparung? Wenn aber der Strom aus erneuerbaren Quellen kommt, entsteht doch gar kein CO2?
Eigentlich geht es darum, die Konkurrenz mit Glühlampen auszuschalten während die eigene LED-Produktion den Umsatz gewinnt. Blöd nur dass die Chinesen auch LED bauen können und somit weiterhin konkurrenzfähig bleiben.
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