Industrie-Schwäche Ostdeutschland sehnt sich nach Kapital

Wie geht es der ostdeutschen Industrie? Ein Studie im Auftrag der Bundesregierung zeigt Fortschritte, aber auch ein entscheidendes Problem: In den neuen Ländern mangelt es an Großkonzernen.

DPA

Von


Berlin - Trotz erheblicher Fortschritte hinkt die ostdeutsche Industrie immer noch der in Westdeutschland hinterher. Das geht aus einem "Atlas der Industrialisierung der Neuen Bundesländer" hervor, den die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Iris Gleicke, am Dienstag vorstellt. Zu den Problemen für die ostdeutsche Wirtschaft gehöre insbesondere der Mangel an großen kapitalkräftigen Unternehmen, heißt es in der Studie, die SPIEGEL ONLINE vorab vorlag.

Der Industrieanteil liegt dem Bericht zufolge heute in Ostdeutschland bei knapp 16 Prozent, in Deutschland insgesamt sind es dagegen knapp 23 Prozent. Nachdem im Westen lange der Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft gepredigt wurde, wird der Industrie seit der globalen Finanzkrise wieder mehr Bedeutung beigemessen. So strebt die EU insgesamt einen Industrieanteil von 20 Prozent an.

Im internationalen Vergleich verfüge Ostdeutschland schon heute über "sehr gute Bedingungen für die industrielle Produktion", heißt es in dem an der Universität Rostock entstandenen Bericht. Die Infrastruktur sei hochmodern, es gebe qualifizierte Fachkräfte, die Einkommen stiegen. Ein Beitrag kommt gar zum Ergebnis, die einst von Altkanzler Helmut Kohl versprochenen "blühenden Landschaften" seien bereits Realität.

Doch zahlreiche Karten im Atlas zeigen, dass weiterhin großer Nachholbedarf gegenüber Westdeutschland besteht. So liege die Wirtschaftskraft pro Kopf "hartnäckig um etwa ein Drittel unter dem Niveau der Westländer". Auch Unternehmensgründungen sind nach einem Boom zu Beginn der Neunzigerjahre heute signifikant seltener
(siehe Grafiken).

Zwar hat Ostdeutschland eine lange industrielle Tradition mit Zentren wie Dresden, Leipzig oder Erfurt-Eisenach. Nach dem Zusammenbruch der Volkseigenen Betriebe (VEB) sind Großunternehmen jedoch Mangelware, bis heute hat kein einziger Dax-Konzern seinen Sitz in den neuen Ländern. Solche Unternehmen sind wichtig, etwa weil sie höhere Löhne zahlen können, mehr in Forschung und Entwicklung stecken und für ihre Produktion wiederum Zulieferer und Dienstleister benötigen.

Auch wenn es ihnen an Größe mangelt, mischen ostdeutsche Firmen aber auf dem Weltmarkt mit. Eine Karte zeigt, dass auch in den neuen Ländern eine ganze Reihe sogenannter Hidden Champions existieren - Betriebe, die mit einem bestimmten Produkt zu den weltweit erfolgreichsten gehören. Solche Erfolgsgeschichten gibt es nicht nur in Traditionsbranchen wie dem Maschinenbau oder der chemischen Industrie, sondern auch bei Medizintechnik- und IT-Firmen.

Die Ostbeauftrage Gleicke zeigt sich denn auch "fest davon überzeugt", dass ostdeutsche Unternehmen neue Exportmärkte erschließen können. Und der Autor des Berichts, Gerald Braun, betont, die immer noch geringere Produktivität des Ostens erkläre sich aus einer anderen Struktur der gesamten Industrie -"nicht aus einer Rückständigkeit von einzelnen Betrieben".

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 85 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
frank-thiele 24.06.2014
1. Böse Multis
Ich dachte, Großkonzerne sind pfui und böse. Doch nicht? Also: Weniger Gutmenschen wählen.
pike3000 24.06.2014
2. Weniger Schwulenparaden veranstalten
und mehr in die Wirtschaft investieren.
reinerunfug 24.06.2014
3. Typisch Ossi
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEWie geht es der ostdeutschen Industrie? Ein Studie im Auftrag der Bundesregierung zeigt Fortschritte, aber auch ein entscheidendes Problem: In den neuen Ländern mangelt es an Großkonzernen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/ostdeutschland-industrie-hinkt-noch-immer-westen-hinterher-a-977067.html
2000 Milliarden haben sie schon vergraben, und es reicht immer noch nicht. Aber das Maul aufreißen, den sozial Gerechten spielen und die als herzlos kritisieren, die ihr Geld abgaben.. Das ist der wahre PDS-Linken-Ossi!!
skeptiker97 24.06.2014
4. Die früheren Kombinate, ....
... die strukturell mit Großkonzernen gleichzusetzen sind, wurden systematisch alle entfernt und abgerissen. Dieser Zustand wurde von der Politik systematisch herbeigeführt und ist gewollt. Nicht zuletzt dadurch wurden die Kosten der Wiedervereinigung so in die Höhe getrieben. Das alles war eigentlich ein Verbrechen an unserem Land und am deutschen Steuerzahler. Das wenige, was die DDR einzubringen hatte, wurde auch noch vorsätzlich zerschlagen. Das wurde nie aufgearbeitet, eigentlich hö ätte Frau Breuel und einigen anderen längst der Prozeß gemacht werden müssen. Eine wirklich marktwirtschaftliche Lösung wäre gewesen, die Betriebe sich selbst zu überlassen, um denen, die es aus eigener Kraft schaffen, eine Chance zu lassen. Einige, die administrativ geschlossen wurden, hätten es, sicher verkleinert, geschafft.
casio 24.06.2014
5. Volks- ./. Betriebswirtschaft
Das ist eben der Unterschied zwischen Volks- und Betriebswirtschaft. Wenn an einer Autobahn immer nur Werktags zu den üblichen Arbeitszeiten gebaut wird, aber daher Rund um die Uhr mindestens tausend Autos im Stau stehen, dann ist das in Bezug auf die Baukosten sinnvoll; Volkswirtschaftlich aber äußerst schädlich. Die Fehler wurden doch schon vor Jahren mit der Treuhand gemacht. Statt die Betriebe abzuwickeln und die Leute aus Steuern für Nichtstun zu bezahlen, hätte man darüber nachdenken müssen, was man langfristig machen kann... Aber es ist das alte Lied. Alles was nicht kurzfristig machbar ist, muss erzwungen werden. Dass es aber z.B. in Afghanistan mindestens drei Generationen benötigt, die immer gebildeter werden, das kann nicht sein. Manche Dinge brauchen eben 50 Jahre und mehr! So ist das eben!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.