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18. Februar 2013, 14:29 Uhr

Metro-Gründer

Otto Beisheim ist tot

Er galt als Legende im deutschen Handel. Jetzt ist der Metro-Gründer Otto Beisheim mit 89 Jahren gestorben. Er habe an einer unheilbaren Krankheit gelitten, hieß es in einer Mitteilung. Die Metro AG würdigte ihn in einer ersten Reaktion als "Pionier der Handelsbranche".

Hamburg - Der Mitgründer des Handelskonzerns Metro , Otto Beisheim, ist tot. Der 89-Jährige sei am Montagmorgen in seinem Haus in Rottach-Egern am Tegernsee tot aufgefunden worden, teilte die Agentur Brunswick als Vertreter des Familienbüros der Otto-Beisheim-Gruppe mit. Beisheim habe an einer unheilbaren Krankheit gelitten und sei "aufgrund der Hoffnungslosigkeit seiner gesundheitlichen Lage aus dem Leben geschieden".

Beisheim hatte den Handel in Deutschland mit der Einführung des sogenannten Cash & Carry-Konzepts im Jahre 1964 mit geprägt. Als langjähriger geschäftsführender Gesellschafter der Metro SB Großmärkte und später als Verwaltungsratspräsident der Metro Holding AG trug er entscheidend zur Expansion des Konzerns bei.

Das Erbe soll in die beiden gemeinnützigen Prof.-Otto-Beisheim-Stiftungen in München und in Baar in der Schweiz übergehen. Beisheim hielt zuletzt knapp zehn Prozent der Metro-Aktien. Anteilsverkäufe durch die Otto Beisheim Gruppe sind einer Sprecherin zufolge nicht geplant.

Eine der letzten Wirtschaftswunder-Legenden

Mit Beisheim stirbt eine der letzten großen Unternehmerlegenden der Wirtschaftswunder-Ära. Im Zweiten Weltkrieg war Beisheim Gefreiter in der Waffen-SS. Nach britischer Kriegsgefangenschaft macht er eine kaufmännische Ausbildung und stieg rasch zum Prokuristen einer Elektro-Großhandlung auf.

Die entscheidende Wende nahm seine Karriere, als er während einer USA-Reise eine neue Form des Großhandels kennenlernte, bei der Einzelhändler ihre Waren nicht mehr in die Firma geliefert bekommen, sondern selbst beim Großhändler abholen und sofort bezahlen. Cash-and-Carry nennt sich dieses Prinzip, das Beisheim prompt nach Deutschland holte. 1964 eröffnete er in Mülheim an der Ruhr den ersten deutschen Cash & Carry-Markt unter der Marke Metro.

Neben den Aldi-Discountern, mit denen die Gebrüder Karl und Theo Albrecht etwa zeitgleich die Branche aufmischten, waren die Metro-Märkte die zweite große Innovation im deutschen Einzelhandel. Bereits 1975 machte Metro drei Milliarden Mark Umsatz. Bald erwarb der Konzern auch Beteiligungen an anderen Handelsunternehmen. Heute gehören zur Metro AG ganz oder teilweise auch die Marken Kaufhof, Media-Markt, Saturn und Real.

Durch die Aufnahme weiterer Gesellschafter und den Börsengang der Metro AG im Jahre 1996 wurden die Anteile des Gründers Beisheim am Unternehmen zunehmend verwässert, zuletzt hielt Beisheim noch rund zehn Prozent der Metro-Anteile. Die operative Führung des Unternehmens hatte er bereits 1970 an seinen damaligen Vertrauten Erwin Conradi abgegeben.

Mäzen und Steurervermeider

In einer ersten Stellungnahme hat die Metro AG Otto Beisheim als "Pionier und eine Legende in der deutschen und internationalen Handelsbranche" gewürdigt. "Mit seinem Konzept des Selbstbedienungsgroßhandels Metro Cash & Carry revolutionierte er ab Mitte der sechziger Jahre eine ganze Branche und legte damit zugleich das Fundament für die heutige Metro Group", sagte Vorstandschef Olaf Koch laut einer Mitteilung am Montag in Düsseldorf.

Beisheim zählte zu den reichsten Deutschen, das "Manager Magazin" bezifferte sein Vermögen 2006 auf 3,4 Milliarden Euro. Der Metro-Gründer hinterläßt keine Kinder. Seine Frau, mit der er fast 50 Jahre verheiratet war, starb bereits 1999.

Sein Geld wusste Beisheim über allerlei Stiftungsmodelle steuersparend anzulegen - wobei ihm wohl auch die Schweizer Staatsbürgerschaft half, die er 1988 angenommen hatte. An Stiftungen wird nun voraussichtlich auch das Erbe fließen.

Beisheim spendete gerne, unter anderem 50 Millionen Mark für die Wissensschaftliche Hochschule für Unternehmensführung (WHU) bei Koblenz, die daraufhin den Zweitnamen "Otto Beisheim School of Management" annahm. Ausgerechnet in seiner Rolle als Mäzen wurde Beisheim jedoch von seiner Kriegsvergangenheit eingeholt. 2006 wollte Beisheim Geld für ein Gymnasium am Tegernsee stiften, das anschließend ebenfalls seinen Namen tragen sollte. Doch in der Bevölkerung erhob sich Widerstand gegen den Plan, eine Schule ausgerechnet nach einem ehemaligen Soldaten der Waffen-SS zu benennen. Beisheim zog seine Spende zurück.

Anmerkung: In einer früheren Version dieses Artikels hatte es geheißen, Beisheim habe der WHU 50 Millionen Euro gespendet. Es handelte sich jedoch um 50 Millionen D-Mark, also circa 25 Millionen Euro. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

dab/yes/ric/dpa/Reuters

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