Wandel des Versandhandels Otto-Katalog wird nach 68 Jahren eingestellt

Lange vor Amazon gab es Versandhauskataloge - der des Hamburger Unternehmens Otto gehörte zu den bekanntesten. Im Dezember wird er zum letzten Mal verschickt. Denn auch Otto ist inzwischen "online-getrieben".

Otto-Katalog von 1977
Otto

Otto-Katalog von 1977


Der Otto-Katalog wird eingestellt. Der Versandhändler will den Hauptkatalog im Dezember mit dem Frühjahr-/Sommer-Sortiment 2019 zum letzten Mal verschicken. Das kündigte das Unternehmen am Montag in Hamburg an. Der einst dicke Wälzer pries seit 1950 Waren zur Bestellung an. Models wie Claudia Schiffer, Heidi Klum oder Gisele Bündchen zierten das Titelbild.

"Unsere Kunden haben den Katalog sukzessive selbst abgeschafft, weil sie ihn immer weniger nutzen und schon längst auf unsere digitalen Angebote zugreifen", teilte Bereichsvorstand Marc Opelt mit. 95 Prozent der Kunden bestellten digital.

Hierfür bietet Otto einen Internetauftritt sowie mobile Anwendungen, über die rund drei Millionen Produkte aufgerufen werden könnten. Der Hauptkatalog als Vertriebskanal spiele schon seit Jahren mit einem einstelligen Anteil am Gesamtumsatz von 2,95 Milliarden Euro eine untergeordnete Rolle für den Hamburger Versandhändler, teilte das Unternehmen mit.

Der erste Katalog, erschienen im ersten Jahr nach der Gründung des Versands, war noch handgebunden und hatte gerade mal eine Startauflage von 300 Stück. Auf 14 Seiten mit eingeklebten Fotos wurden 28 Paar Schuhe präsentiert. Unter dem Motto "Vertrauen gegen Vertrauen" führte Otto nach eigenen Angaben als erster Versandhändler damals den Kauf auf Rechnung ein.

Konkurrenten sind bereits Geschichte

Das Unternehmen prosperierte und mit ihm der Katalog, der 1997 erstmals komplett ins Internet gestellt wurde. Der Hauptkatalog in seiner jetzigen Form sei nicht mehr zeitgemäß, bilanzierte das Unternehmen: "Otto ist ein E-Commerce-Unternehmen und entwickelt sich zu einer online-getriebene Plattform."

Andere bekannte Versandhauskataloge sind bereits Geschichte: Der Katalog von Neckermann wurde 2012 eingestellt. Quelle ging 2009 pleite, damals übernahm Otto die Markenrechte.

dab/dpa



insgesamt 25 Beiträge
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Seite 1
Europa! 09.07.2018
1. Danke
Die Wälder atmen auf.
dimaco 09.07.2018
2.
Es gibt aber auch noch Internetverweigerer, die auf diesem Weg noch etwas bestellt haben. Meine Eltern gehören dazu, die würden online nie etwas kaufen, die freuen sich über jeden Katalog.
schmidtffo 09.07.2018
3. Na endlich!
Seit ich seit Jahren mal wieder bei OTTO online etwas bestellt habe, schicken die mir ständig Papiermüll in meinen Briefkasten. Es nervt! Meine Mutter ist über 70 Jahre alt und möchte auch keine Kataloge mehr bekommen, weil sie online auswählt und bestellt.
eve70 09.07.2018
4. Adieu, Otto-Katalog ...
... ich erinnere mich gerne zurück, als wir als Kinder (70er/80er-Jahre) ein paar neue Anziehsachen aussuchen durften, wenn der neue "Otto" geschickt wurde. War immer eine Freude, die man als Erwachsener -auch im Angesicht von Online-Angeboten im Überfluss- so nicht mehr spürt dabei.
schmidtffo 09.07.2018
5. Noch einen Tipp an OTTO
Wenn jemand einen Bürostuhl kauft, muss man ihm nicht ewig noch mehr Angebote für Bürostühle online schicken. Mit ein bisschen Grips könnte man auf die Idee kommen, dass derjenige eventuell an Schreibtische o.ä. interessiert sein könnte.
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