Versandhändler: Otto sichert sich Neckermann-Namensrechte

Der Versandhändler Otto hat die Namensrechte von Neckermann erworben. Das Unternehmen bekommt zudem Zugriff auf die Kundendaten des insolventen Konkurrenten. Das Kartellamt muss den Kauf noch absegnen.

Neckermann-Zentrale in Frankfurt: Insolvenzverwalter kritisiert Finanzinvestor Zur Großansicht
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Neckermann-Zentrale in Frankfurt: Insolvenzverwalter kritisiert Finanzinvestor

Düsseldorf - Der traditionsreiche Name des Versandhändlers Neckermann lebt auch nach dem Aus weiter: Der Hamburger Konkurrent Otto sicherte sich die Rechte an der Marke Neckermann.de in Deutschland und deren Eigenmarken sowie die Rechte an den Internet-Auftritten. Das teilten die Insolvenzverwalter am Donnerstag mit. Die Otto Group erhalte zudem Zugang zu Adressdaten der Neckermann-Kunden, um werben zu können. Der Preis ist bislang nicht bekannt, zudem steht der Kauf noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Kartellamts.

Neckermann.de hatte im Juli Insolvenz angemeldet. Zwei Monate später erklärten die Insolvenzverwalter das endgültige Aus für das Traditionsunternehmen mit seinen rund 2000 Beschäftigten. Gespräche mit Kaufinteressenten waren gescheitert. Die Schuld dafür sahen die Verwalter bei den Vorbesitzern.

Sie warfen dem Management unter dem bisherigen Eigentümer, dem Finanzinvestor Sun Capital, indirekt Geldverschwendung vor. Die Interessenten hätten vor allem moniert, dass über einen langen Zeitraum hinweg nicht kostenbewusst gewirtschaftet worden sei. Überall seien sie bei ihrer Prüfung auf die sichtbar schlimmen Folgen für die Wirtschaftlichkeit des Betriebs gestoßen.

Sun Capital hatte 2008 die Mehrheit an dem Unternehmen übernommen. Der US-Finanzinvestor drehte im Juli den Geldhahn zu, nachdem er nach eigenen Angaben 200 Millionen Euro investiert hatte. Nicht von der Insolvenz betroffen ist der Touristik-Anbieter Neckermann Reisen, der seit längerem zu Thomas Cook gehört.

Neckermann hatte mit seinem Kataloggeschäft und dem berühmten Slogan "Neckermann macht's möglich" über Jahrzehnte den Versandhandel in Deutschland geprägt. Auf das boomende Internetgeschäft hatte der Konzern aber zu spät gesetzt.

cte/Reuters

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insgesamt 7 Beiträge
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1.
SpeedyGTD 22.11.2012
---Zitat--- Auf das boomende Internetgeschäft hatte der Konzern aber zu spät gesetzt. ---Zitatende--- neckermann hat bereits ab 1995 einen onlineshop angeboten, zu einer zeit als amazon.com gerade im aufbau war und google noch nicht existierte, denen vorzuwerfen sie hätten das Internetgeschäft verschlafen ist, mit verlaub, blödsinn.
2. @SpeedGTD
HansGusto 22.11.2012
Trotzdem sind Sie wegen des Internetgeschäfts untergegangen. Neckermann hat nämlich versucht den Onlinehandel in Deutschland mit seinen ganzen Datenschutzregeln zu betrieben und hatte deshalb einen großen Nachteil gegenüber z.B. Otto die es im Ausland angesiedelt haben und fröhlich Nutzerdaten horten. So habe ich es zumindest von ehemaligen Mitarbeitern erfahren.
3.
SpeedyGTD 22.11.2012
ich glaube weniger, dass das Onlinegeschäft sie kaputt gemacht hat, ich denke eher das da die amerikanische "Heuschrecke" alias Sun Capital einfach zu viel kaputt gemacht hat. Es gibt andere große Onlineshops in Deutschland die erfolgreich sind und sich trotzdem an die, zum Teil wirklich übertriebenen, Datenschutzrichtlinien aus Deutschland halten.
4. optional
estridsen 22.11.2012
Zum Internet gehört weit mehr, als nur eine Website und einen Shop zu haben. Und das war auch 1995 schon so. Und den Trend haben alle großen Katalogversender verpasst. Onlinehandel hat einfach andere Prozesse. Man kann eben nicht ein oder zweimal im Jahr einkaufen und dann abverkaufen. Man muss die Kunden online ispirieren und aktiv halten. Dafür muss man prozessual aufgestellt sein. Und den Schritt sich darauf zu fokussieren, den nicht gewagt, solange es noch lief. Teilweise sicherlich der Geschichte und den bestehenden Kunden geschuldet. @hansgusto: 100%ig liegt es nicht daran, dass Neckermann als einziger nach deutschem DatenschutzRecht arbeitet, denn das ist Unsinn.
5.
HansGusto 22.11.2012
Ich sag ja nicht, dass es der einzige Grund war, allerdings waren die Werbekosten um einen Kunden zu einer Onlinebestellung zu bewegen viel höher als bei der Konkurrenz. Das liegt zum Teil daran, dass man keine Daten hatte, um zu errechnen was der Kunde möchte. Otto weiß was man z.B. auf Amazon angeschaut hat, Neckermann nicht. Wenn die Internetseite oder die Bestellabwicklung dann zu schlecht war, bringt aber auch die beste Werbung nichts.
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