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12. August 2010, 16:12 Uhr

Outdoor-Branche

Jack Wolfskin steht zum Verkauf

Adidas, Puma und Nike bietet sich die Gelegenheit, im Eiltempo ein neues Geschäftsfeld zu erobern. Der Outdoor-Spezialist Jack Wolfskin steht zum Verkauf - und würde den Sportartikel-Riesen die Tür zu einem Markt öffnen, den sie schon seit längerem im Fokus haben. Ein Bieterrennen ist programmiert.

München - Jack Wolfskin steht für Erfolg. Während 2009 die schwerste Rezession der Nachkriegsgeschichte tobte und Firmen reihenweise Verluste schrieben, liefen die Geschäfte bei dem Outdoor-Spezialisten aus dem beschaulichen Idstein im Taunus wie immer: Der Umsatz stieg rasant, dieses Mal um 22 Prozent auf 251 Millionen Euro. Schließlich ist der Trend ungebrochen: Es zieht immer mehr Menschen in die Natur. Jack Wolfskin hat dies früh erkannt und für sich genutzt. Denn für wetterfeste Kleidung sind Verbraucher, die sonst knauserig sind und gerne bei Aldi einkaufen, bereit, hohe Preise zu zahlen.

So stieg Wolfskin mit 400 Mitarbeitern zu einem der größten Anbieter in Europa auf. Die Klamotten sind nicht mehr nur bei Wanderern beliebt, sondern zur Freizeitmode mutiert und in Städten allgegenwärtig. Für den Erfolg steht Firmenchef Manfred Hell, der sich selbst als Naturburschen beschreibt und Jacken, Rucksäcke, Schuhe und Zelte gerne selbst testet. Dem mit BAP-Sänger Wolfgang Niedecken befreundeten 53-Jährigen halten seit fünf Jahren die Eigentümer, die Finanzinvestoren Barclays Private Equity und Quadriga Capital, den Rücken frei.

Doch das könnte bald Geschichte sein. Die Investmentbank Morgan Stanley klopft für die Eigentümer den Markt ab. Es ist eine seltene Chance für Sportartikel-Größen wie Adidas, Puma oder Branchenprimus Nike, im Outdoor-Geschäft durch eine Übernahme sprunghaft zu wachsen. Sie haben den Trend bisher überwiegend verschlafen, holen aber auf. Der Outdoor-Markt ist ungewöhnlich: Obwohl die Branche seit zwei Jahrzehnten in atemberaubendem Tempo wächst, wird sie nicht von globalen Konzernen dominiert, sondern ist von eher mittelständischen Firmen wie Schöffel und VauDe aus Deutschland oder Patagonia aus den USA geprägt. Ausnahme: Die zum Jeans-Konzern VF Corp (Wrangler, Lee) gehörende In-Marke The North Face, neben Wolfskin das zweite dominierende Outdoor-Logo in den Fußgängerzonen.

Adidas mit Expansionshunger

Die Erfolgsgeschichte weckt entsprechend Kaufgelüste. "Wir registrieren reges Interesse", sagte eine Person aus dem Umfeld der Verkäufer. Analysten sehen hierzulande eher Adidas als Puma im Vorteil, weil Puma noch mit der Integration der Golf-Marke Cobra beschäftigt ist, während Adidas die lange schwächelnde US-Tochter Reebok wieder in die Spur gebracht hat.

Auch US-Konkurrent Nike gilt als interessiert. Doch geben sich die Amerikaner stets bedeckt. Allgemein wollen sie den Bereich "Action Sports" - hierzu zählen Surfen, Skaten und Snowboarden - stark ausbauen. Adidas-Chef Herbert Hainer hat sich bisher zwar nicht direkt geäußert. Wolfskin könnte aber gut passen: "Wenn ich eine Akquisition sehe, dann am ehesten im Outdoor-Bereich", hatte er Ende März angedeutet. Hier spielen die Franken mit knapp 200 Millionen Euro Umsatz noch keine große Rolle. Dank Trend-Sportarten wie Trekking, Wandern oder Mountainbiking werde der Markt aber weiter wachsen. "Wir werden investieren, was nötig ist, um eine Größe in diesem Bereich zu sein", so Hainer.

Noch offen ist allerdings, ob die Verkäufer ihre Forderungen realisieren können. "Ich sehe keine aggressiven Bieter", dämpft ein Analyst die Erwartungen. In der Branche werden die Preisvorstellungen der Verkäufer, die sich Kreisen zufolge auf 400 bis 500 Millionen Euro belaufen, naturgemäß als sehr hoch eingeordnet. Als Minimum haben die Eigner demnach 300 Millionen Euro festgelegt, was dem für 2010 erwarteten Wolfskin-Umsatz entspricht.

150 bis 200 Millionen als fairer Preis

Auch damit würden sie noch ein gutes Geschäft machen. Erst im Juli hatte der japanische Sport-Konzern Asics die schwedische Outdoor-Marke Haglöfs, die etwa ein Viertel der Wolfskin-Größe hat, für umgerechnet gut 100 Millionen Euro geschluckt. Traditionell macht Jack Wolfskin aus seinem Gewinn ein Geheimnis. Man geht jedoch bei einer unterstellten Umsatzrendite von gut fünf Prozent von etwa 15 Millionen Euro Profit aus. 150 bis 200 Millionen wären dann ein fairer Preis. Sobald einer der Sportartikel-Riesen ernst macht und ein Bieterrennen eröffnet, dürften aber erhebliche Aufschläge fällig werden.

Eine Übernahme aus der Branche würde die Kräfteverhältnisse im Outdoor-Markt verschieben. Zwar profitiert das Unternehmen von der Dynamik, doch speziell Wolfskins Erfolg hängt stärker als andere von der Geschäftsleitung ab - oder besser gesagt: von Hell. Die Chemie mit dem Management müsse stimmen, sonst berge eine Übernahme Risiken, heißt es in Analystenkreisen. "Hell kann man nicht an die Leine legen, sonst geht der einfach", sagt einer, der ihn lange kennt. Er sei an Freiheiten gewöhnt: Schwer vorstellbar, dass er sich beispielsweise in die Hierarchie eines Adidas-Konzerns einordne und jedes Quartal Zahlen vor Analysten rechtfertigen wolle.

mik/Reuters

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