Oxfam-Bericht Viele Arbeiter in US-Geflügelindustrie dürfen nicht aufs Klo

Die Menschenrechtsorganisation Oxfam erhebt schwere Vorwürfe gegen die US-Geflügelindustrie. Die meisten Arbeiter dürften während der Arbeitszeit nicht auf die Toilette. Einige würden deshalb Windeln tragen.

Geflügelfleisch
picture alliance / dpa

Geflügelfleisch


Oxfam prangert die Arbeitsbedingungen in der US-Geflügelindustrie an. Einer "überwältigenden Mehrheit" der 250.000 Arbeiter werde der Gang auf die Toilette verweigert. Manchen werde sogar mit Entlassung gedroht, sollten sie Pausen fordern, heißt es in einem Bericht von Oxfam USA. "Die Arbeiter tragen Windeln bei der Arbeit am Fließband und erleichtern sich darin."

Die fehlenden Pausen führten auch dazu, dass die Beschäftigten zu wenig essen und vor allem zu wenig trinken. Das könnte ihrer Gesundheit schaden. Oxfam zitierte Beschäftigte der großen US-Konzerne Tyson Foods, Perdue Farms, Pilgrim's Pride und Sanderson Farms, die insgesamt rund 100.000 Arbeiter beschäftigten und einen Marktanteil von 60 Prozent haben.

80 Prozent der befragten Arbeiter dürfen nicht auf Toilette

Im US-Bundesstaat Alabama seien 266 Arbeiter von der Organisation Southern Poverty Law Center befragt worden. Vier von fünf sagten demnach, sie dürften nicht zur Toilette gehen, wenn sie müssten. Eine Befragung von Arbeitern in Minnesota habe ergeben, dass 86 Prozent weniger als zwei Toilettenpausen pro Woche hätten. Nur in Unternehmen, wo es Betriebsräte gebe, dürften die Beschäftigten dann aufs Klo gehen, wann sie wollten. Dies seien rund ein Drittel der Firmen.

Die Vorarbeiter verweigerten den Untergebenen die Pausen, weil sie unter immensem Druck stünden, die täglichen Vorgaben zu erfüllen. Die Geflügelindustrie mache Rekordprofite und stoße Milliarden von Hühnchen aus - die Realität im Innern der Fabriken bleibe "düster und gefährlich". Die Beschäftigten bekämen niedrige Löhne, erlitten überdurchschnittlich oft Verletzungen oder würden krank. Sie schufteten unter schwierigen Bedingungen und hätten wenig zu sagen, kritisierte Oxfam.

Tyson Foods, einer der größten Geflügelverarbeiter der Welt, teilte mit, das Unternehme dulde die Verweigerung von Toilettenpausen nicht. Es habe bereits ein Treffen mit Oxfam gegeben, um über die Forderung zu sprechen, "Springer" einzusetzen, die Kollegen während der Zeit einer Toilettenpause ersetzen können.

brt/AFP



insgesamt 121 Beiträge
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Seite 1
Stadtguerilla 13.05.2016
1. ...
Ist die verweigerung von Toilette und trinken nicht eigentlich sogar ein Verstoß gegen die Menschrechte? Entsprechend angeklagt (DenHaag) gehört diese Art von Postkapitalisten eigentlich dann auch - damit sie mal wieder lernen wo es so in der Zivilisation lang geht...
vantast64 13.05.2016
2. Werden diese Firmen bei TTIP die BRD verklagen,
daß hier solche profitsteigernden Methoden nicht erlaubt sind? Oder wird das dann auch bei uns erlaubt werden, um konkurrenzfähig zu bleiben, denn sozial ist, was Arbeit schafft und was Arbeit erhält? Fragen über Fragen. Die armen amerikanischen Arbeiter werden ausgebeutet wie zu längst vergangenen Zeiten, Kapitalismus pur, Niedriglohn auf amerikanisch, demnächst in unserem Theater.
alex2k 13.05.2016
3. Tja,
das ist das Land der unbegrenzten Möglichkeiten! Und die wollen sagen, was in TTIP drine stehen soll...
h.hass 13.05.2016
4.
Bin mir sicher, dass sowas in Deutschland unmöglich wäre und dass die Verantwortlichen schwer bestraft würden. Gibt es in den USA tatsächlich keine Gesetze, die solche menschenunwürdigen Zustände verbieten würden?
Kohle&Reibach 13.05.2016
5. Das sind die
westlichen Werte. Einpixxen und weiterarbeiten. Das ist voll primitiv.
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