Container-Vermieter Staatsanwaltschaft ermittelt wegen P&R-Pleite

Die Pleite des Container-Vermieters P&R-Gruppe wird zum Fall für die Staatsanwaltschaft. Das Unternehmen hat angeblich seine Verkaufszahlen frisiert.

Container in Hamburg (Archiv)
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Container in Hamburg (Archiv)


Die Staatsanwaltschaft München ermittelt wegen der Insolvenz des Container-Vermieters P&R. Ersten Erkenntnissen von Insolvenzverwalter Michael Jaffé zufolge hatte das Unternehmen aus Grünwald bei München auf dem Papier fast eine Million mehr Container an rund 54.000 Anleger verkauft als es überhaupt gab. P&R reagierte nicht auf eine entsprechende Anfrage von SPIEGEL ONLINE.

Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt nun wegen Betrugsverdachts gegen ehemalige und aktuelle Geschäftsführer von P&R, teilte sie mit. Angesichts des zu erwartenden großen Umfangs des Verfahrens sei eine Arbeitsgruppe "Container " gebildet worden. Die Staatsanwaltschaft hat einer Sprecherin zufolge eine größere Zahl von Beschuldigten im Visier.

P&R war Mitte März in die Insolvenz gerutscht. Damals hieß es, die Mieteinnahmen aus der Containerflotte, die P&R an Reeder und Leasinggesellschaften vercharterte, hätten nicht mehr gereicht, um die Verpflichtungen gegenüber den Anlegern zu decken, die rund 3,5 Milliarden Euro in die Container investiert hatten.

Lücke soll bereits seit 2007 gewachsen sein

Nun hat sich Jaffé zufolge herausgestellt, dass die Anleger von P&R zwar rund 1,6 Millionen Container als Kapitalanlage gekauft hatten, die Flotte aber zuletzt nur noch aus 618.000 Containern bestand. Die Lücke sei bereits seit 2007 immer größer geworden.

P&R hatte die Container überwiegend an Privatanleger verkauft und zurückgemietet. Eine Schwesterfirma im schweizerischen Zug vermietete die Container wiederum an Leasinggesellschaften und Reeder weiter. Zeitweise galt P&R als größter Schiffscontainer-Vermieter der Welt.

Nach einigen Jahren wurden die Container von den Anlegern zurückgekauft, teilweise zu vorab garantierten Preisen. Von 2012 bis 2016 litt P&R aber unter der Krise in der Schifffahrt, die auch die Container-Preise nach unten zog.

Viele ältere Anleger

Jaffé zufolge hat das Unternehmen Container veräußert, um die Mieten zu zahlen und die Stahlboxen von den Anlegern zurückkaufen zu können. Diese hätten vielfach seit Jahrzehnten in P&R investiert, mehr als die Hälfte von ihnen seien mehr als 60 Jahre alt.

Der langjährige Geschäftsführer von P&R war 2016 gestorben, danach übernahm Firmengründer Heinz Roth wieder die Leitung. Seit knapp einem Jahr gibt es einen neuen Geschäftsführer. Die Staatsanwaltschaft teilte mit, zwei der Beschuldigten hätten "umfängliche Kooperationsbereitschaft" gezeigt, nannte aber keine Namen.

Der Insolvenzverwalter versucht, die Schweizer Gesellschaft am Leben zu erhalten, damit die Container-Vermietung nicht ins Stocken gerät und die Anleger wenigstens einen Teil des Geldes zurückbekommen. Sonst drohten die Container, zwangsverwertet zu werden.

"Nur wenn es gelingt, die Mieteinnahmen aus den nahezu vollständig vermieteten Containern zu sichern und diese später zu verwerten, kann es zu einer substanziellen Verteilung an die Anleger kommen", sagte Jaffé. In Zug agiert Roth weiter als Geschäftsführer.

brt/Reuters



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