250 Brandopfer in Pakistan: Katastrophenfabrik produzierte für Discounter Kik

Von Nils Klawitter

Die Fenster vergittert, die Feuerlöscher defekt - beim Brand in einer pakistanischen Textilfabrik starben 250 Menschen. Jetzt stellt sich heraus: Die Fabrik produzierte auch für den deutschen Textildiscounter Kik. Dort war sie bereits 2007 wegen Brandschutzmängeln aufgefallen.

Feuer in pakistanischer Textilfabrik: Bei dem Brand starben 250 Menschen Zur Großansicht
DPA

Feuer in pakistanischer Textilfabrik: Bei dem Brand starben 250 Menschen

Hamburg - Der deutsche Textildiscounter Kik hat bestätigt, Jeans von der pakistanischen Unglücksfabrik Ali Enterprises bezogen zu haben, die vor einer Woche abbrannte. Bei dem verheerenden Feuer in der Hafenstadt Karatschi starben mehr als 250 Menschen. Es war eine der größten Katastrophen in der Textilindustrie.

Bei dem Brand hatte sich die baufällige Fabrik in eine fatale Falle verwandelt: Fluchtwege fehlten, Fenster waren vergittert, Feuerlöscher kaputt. In einer ersten Stellungnahme erklärte der deutsche Discounter, zusammen mit anderen internationalen Firmen, die von dort Ware bezogen hätten, einen Hilfsfonds ins Leben rufen zu wollen.

Grundsätzlich, so ein Sprecher des Bönener Unternehmens, würde Kik alle Lieferanten auf die Erfüllung von Sicherheitsstandards und elementarer Arbeitsrechte verpflichten. Doch die Einhaltung dieser Standards scheint Kik ziemlich gleichgültig zu sein. Studien von Nichtregierungsorganisationen wie der Kampagne für saubere Kleidung zeigten immer wieder, wie lax es der Discounter mit der Kontrolle von Arbeitsbedingungen nahm. Der Anteil der als "gut" bewerteten Lieferanten, gibt selbst Kik in seinem neuen Nachhaltigkeitsbericht zu, betrage gerade mal 24 Prozent.

Aus seinen Produzenten macht das Unternehmen bis heute ein Geheimnis. Offenbar nicht ohne Grund: Auch die jetzt abgebrannte Fabrik Ali Enterprises war 2007 bei einer Kontrolle aufgefallen - es hatte Mängel beim Brandschutz gegeben. Dies jedoch, versichert Kik, sei bis Ende 2011 nachgebessert worden. So weise es zumindest ein Prüfbericht aus. Doch der spiegelte offenbar nicht die Realität wider.

Ein Mitarbeiter der pakistanischen Textilarbeitergewerkschaft NTUF berichtete SPIEGEL ONLINE von weiteren Mängeln: Arbeitsdruck und Überstunden seien in der Fabrik an der Tagesordnung gewesen, in aller Regel wurde die Mehrarbeit nicht bezahlt.

Die Zustände in der Fabrik konterkarieren Kiks jüngste Versuche, sich als verantwortungsvolles Unternehmen zu präsentieren. Es war auch nicht der Discounter, der jetzt mit offenen Karten spielte. Erst auf diverse Nachfragen von Mitarbeitern der Kampagne für saubere Kleidung räumte Kik ein, in Pakistan produziert zu haben. Bereits in der vergangenen Woche hatten Aktivisten in den Trümmern der abgebrannten Fabrik Kik-Etiketten entdeckt und diese dann mit aktuellen Jeans-Etiketten in Deutschland verglichen. Der Preis der Hosen: günstige 15,99 Euro.

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1. Wow
zickezackehoihoihoi 18.09.2012
Zitat von sysopDPADie Fenster vergittert, die Feuerlöscher defekt - beim Brand in einer pakistanischen Textilfabrik starben 250 Menschen. Jetzt stellt sich heraus: Die Fabrik produzierte auch für den deutschen Textil-Discounter Kik. Dort war sie bereits 2007 wegen Brandschutzmängeln aufgefallen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,856530,00.html
was für eine Überraschung - nicht. Wer kauft schon deren Dreck.
2. optional
cpberlin 18.09.2012
Was für ein grausamer Tod. Es wäre zu hoffen, dass Kik-Kunden dem Anbieter durch entsprechende Kaufenthaltung deutlich machen, dass Verantwortung mehr ist, als sich irgendwelche Wunschvorstellungen für den eigenen Unternehmensprospekt unterschreiben zu lassen. Ich fürchte jedoch, dem "typischen" Kik-Kunden fehlt dafür der Blick und die Weitsicht.
3. Das ist doch irgendwie kein Wunder.
mannmithut 18.09.2012
Klar, KiK hat ein Nachhaltigkeitsbericht. Klar KiK hat eine Stiftung. Doch all das dient nur dazu der Öffentlichkeit Sand in die Augen zu streuen und sich als geläuteter Discounter zu geben. Doch die Wahrheit zeigt, dass KiK nicht ein Jota von seinem Kurs abgekommen ist. Es wird immer noch dort produziert, wo es am allerbilligsten ist. Die ganzen Betreuungen um bessere Arbeitsbedinungen sind nur hohle Phrasen. Für so einen Unternehmen muss man sich schämen.
4. -
Boesor 18.09.2012
Das dürfte wohl niemanden überraschen.
5.
franko_potente 18.09.2012
Zitat von sysopDPADie Fenster vergittert, die Feuerlöscher defekt - beim Brand in einer pakistanischen Textilfabrik starben 250 Menschen. Jetzt stellt sich heraus: Die Fabrik produzierte auch für den deutschen Textil-Discounter Kik. Dort war sie bereits 2007 wegen Brandschutzmängeln aufgefallen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,856530,00.html
Todesfabrik? Schreibt endlich BILD dran... meine Güte. Todesfabrik, ich fass es nicht - eben dachte ich, in Auschwitz wurde beretis für KIK produziert. Nicht zu fassen
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Brandkatastrophe in Karatschi: Feuer in Textilfabrik

Fläche: 796.000 km²

Bevölkerung: 184,753 Mio. Einwohner

Hauptstadt: Islamabad

Staatsoberhaupt:
Mamnoon Hussain

Regierungschef: Nawaz Sharif

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