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15. April 2016, 17:36 Uhr

Steueroasen

USA wehren sich gegen europäische Transparenzoffensive

Von , Washington

Nach der Panama-Affäre wollen Deutschland und vier EU-Partner die Einführung von Unternehmensregistern vorantreiben. Doch nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen kommt Gegenwind aus den USA - die ihre eigenen Steueroasen haben.

In den USA gibt es offenbar erheblichen Widerstand gegen eine Initiative zu Unternehmensregistern, die Deutschland und vier weitere EU-Länder während der Frühjahrstagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank vorgestellt haben. Beim Abendessen der G20-Finanzminister kam es nach Informationen von SPIEGEL ONLINE zu einem Streit über das Thema. Demnach erhoben US-Vertreter unter anderem die Forderung, statt der Industrieländerorganisation OECD solle der IWF die Entwicklung gemeinsamer Standards für die Register leiten.

Mit ihrem Vorstoß hatten Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und seine Amtskollegen aus Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien auf die sogenannten Panama Papers reagiert. Die Enthüllungen haben erneut gezeigt, wie schwer die wahren Inhaber von Briefkastenfirmen und anderen Unternehmenskonstrukten bislang ausfindig zu machen sind. Die OECD soll nun Standards entwickeln, mit denen diese Informationen international ausgetauscht werden können. Schon bei Initiativen zum Steuerdatenaustausch und dem Kampf gegen Steuerflucht von Unternehmen hatte die in Paris angesiedelte Organisation die Federführung.

Der europäische Standort der OECD scheint jetzt auch ein Grund für den amerikanischen Widerstand zu sein. Denn die Drähte zum in Washington angesiedelten IWF sind deutlich kürzer, der Fonds gilt ebenso wie seine Schwesterorganisation Weltbank als stark von US-Amerikanern und in den USA sozialisierten Akademikern geprägt.

Beim Thema Steueroasen haben die USA selbst einiges zu verlieren: Zwar haben US-Behörden in jüngster Zeit erfolgreich für mehr Transparenz in Ländern wie der Schweiz gekämpft. Zugleich sind US-Bundesstaaten wie Delaware oder Nevada jedoch selbst Sitz von Zigtausenden Briefkastenfirmen. Am Steuerdatenaustausch nehmen die USA bislang nicht Teil und verweisen auf ihr eigenes System Fatca, das Vorbild für die OECD-Initiative war.

Im Vergleich zur OECD ist der IWF beim Kampf gegen Steuerhinterziehung und -vermeidung bisher nicht sonderlich aufgefallen. Dass der Fonds bei dem Thema nun aber mitreden will, zeigte sich auch bei Vorstellung der europäischen Initiative. Neben OECD-Chef Angel Gurría saß dabei auch IWF-Chefin Christine Lagarde mit auf dem Podium - auf ausdrücklichen Wunsch des Fonds.

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